25
derſelben haben ſollten, veranlaßt mich, den in der diesjährigen Chronik enthaltenen Mittheilungen noch einige erläuternde Bemerkungen hinzuzufügen. Unſere ſeit 1846 hier beſtehende Vorbereitungsſchule iſt eine Pri⸗ vatlehranſtalt unter Aufſicht der Schulbehörden. Da dieſelbe gleichfalls eine fortwährende Steigerung der Frequenz aufweiſet, ſo haben wir für ihr ferneres Gedeihen eine engere Verbindung derſelben mit der Realſchule und die Erhebung derſelben zur öffentlichen Anſtalt nöthig gehalten, damit eine theilweiſe Mit⸗ wirkung der Realſchule und die Fixirung eines tüchtigen Elementarlehrers derſelben geſichert werden könne. Wir durften hierbei auf den Vorgang aller anderen Realſchulen des Landes verweiſen, wo überall die Vorbereitungsſchulen zur Realſchule öffentliche, mit den betreffenden Schulen in organiſcher Verbindung ſtehende Anſtalten ſind. Die Generalverſammlung der Eltern der die Vorbereitungsſchule beſuchenden Kin⸗ der hat unſerer Anſicht vollkommen beigeſtimmt und wiederholt Eingaben an den hieſigen Gemeinderath gerichtet, worin um Aufnahme der Vorbereitungsſchule in die ſtädtiſche Verwaltung gebeten war, damit jene Umgeſtaltung derſelben ausgeführt werden könne. Da jene Eingaben aber dis jetzt kein Reſultat erzielt haben, ſo hat einſtweilen die Generalverſammlung der Eltern beſchloſſen, nicht über eine gewiſſe Zahl von Kindern aufzunehmen, damit die Ziele der Schule noch erreicht werden können. Dieſer Beſchluß, der ſich zwar vom Standpunkte der eben betheiligten Eltern, die zunächſt nur das Intereſſe ihrer Kinder im Auge haben, rechtfertigen läßt, dürfte von Seiten der Gemeindevertretung und des Publikums nicht gebil⸗ ligt werden, da es ſich hier um die Zukunft einer gemeinnützigen Anſtalt handelt, die zweifelsohne durch denſelben geſchädigt wird; dieſer Beſchluß muß auch von unſerer Seite mißbilligt werden, weit er dem un⸗ ſtreitig vorhandenen Bildungs⸗Bedürfniß nicht genügt und der Zukunft der Realſchule nachtheitig iſt. Indem ich dieſen Gegenſtand gleichfalls der öffentlichen Beurtheilung vorlege und auf die betrefſenden Stellen der Chronik, wo derſelbe zur genaueren Erwägung entvickelt iſt, verweiſe, darf ich die Hoffnung ansſprechen, daß eine ruhige Prüfung aller hier in Betracht kommenden Intereſſen die richtige Löſung dieſer Frage herbeiführen werde.*
Nachdem ich ſo mit einigen Fragen, welche die Zukunft unſerer Realſchule und Vorbereitungs⸗ ſchule betreffen, an Alle herangetreten bin, welche ein warmes Herz fuͤr das Gedeihen der Schule haben, drängt es mich, einige auf das Wohl der Schüler bezügliche Ermahnungen an die Eltern zu richten. Die Aufgabe der Schule, wie ich ſie in fruheren Reden ausführlich behandelt habe, kann ohne Ihre Mitwirkung, hochgeehrte Eltern, nicht gelöſt werden. Die Art dieſer Mitwirkung iſt gleichfalls von mir früher erörtert worden. Dennoch fehlt es ſehr häufig an der rechten Mitwirkung des Hauſes. Man gibt die Nothwendig⸗ keit dieſer Mitwirkung des Hauſes zu; man kennt auch die Art dieſer Mitwirkung; allein man ſcheut ein energiſches Auftreten gegen herrſchende Lebensanſichten und gegen die Neiguug der Kinder. Wiſſen und Ueben ſind eben zwei ſehr verſchiedene Dinge und gehen nicht immer mit einander, wie ſie es doch ſollten. Darum habe ich immer wieder die Aufgabe, bei beſonders hervortretenden Schäden in der Erziehung der uns anvertrauten Jugend an die Mitwirkung des Hauſes zu appellieren. Da tritt nun eine Verirrung der Jugend, welche recht eigentlich in der verkehrten Lebensanſicht mancher Eltern liegt, entſchieden auch dieſes Jahr hervor. Es iſt dies die Genußſucht der Jugend, die nicht allein alle Freude an tieferer, wiſſen⸗ ſchaftlicher Erkenntniß ſtört, ſondern auch den verſtändigen Lebensgenuß in ſpäterer Zeit aufhebt. Wie könnte auch in einem jugendlichen Gemüthe, in welchem frühzeitig die zerſtreuenden Vergnügen an Spiel, Jagd, Tanz und allerlei unnützer Verſchwendung in Kleidung und Nahrung Platz gegriffen hat, noch eine Regung für die edeln Freuden des Wiſſens und Könnens aufkommen? Dieſe Freuden müſſen erſt wie eine edle Frucht aus der Schale durch ernſte Arbeit erobert werden. Hierzu hat aber eine durch jene Vergnügungen irre geleitete Jugend keine Zeit und noch viel weniger Luſt, und alle Anregungen der Schule bleiben erfolglos und finden fortdauernde Gleichgiltigkeit und ſtörrigen Widerwillen. Zugleich wird aber durch dieſe verfrühten Zerſtreuungen die Fähigkeit am vernünftigen, zeitgemäßen Genuß des Lebens zerſtört. Darum begegnen wir heutzutage ſo vielen jungen Leuten, die trotz günſtiger Lebensumſtände dennoch mit Allem unzufrieden ſind, ein freudeloſes Daſein führen und ſich und Anderen zur Laſt fallen. Wie anders derjenige, welcher in ſeiner Jugend etwas Tüchtiges gelernt hat. Er weiß nicht nur alle Seiten ſeines Berufes mit der größten Pünktlichkeit und Sorgfalt auszufüllen, und genießt dadurch den wahren Segen ſeiner Arbeit, die Zufriedenheit mit ſich ſelbſt und die Liebe und Achtung ſeiner Nebenmenſchen, er kann auch zu den edeln Freuden, welche wachſende Erkenntniß immer mit ſich führt, zurückkehren. In ſpäteren Jahren,


