20 Behörden aufrichtigſt danke, gelobe ich zugleich feierlichſt, nach allen Kräften beſtrebt zu ſein, durch gewiſſeuhafte Erfüllung aller Pflichten und Anforderungen meines Berufes als Lehrer und Director dieſer Anſtalt, mich der mir zu Theil gewordenen Auszeichnung inmer würdiger zu machen. Um dieſes Gelöbniß treulich zu halten, habe ich jetzt ſchon die wichtigſten Pflichten und Anforderungen, welche dieſer Wirkungskreis an mich ſtellt, reiflich erwogen; ich werde es mir fort und fort angelegen ſein laſſen, dieſelben immer genauer und allſeitiger kennen zu lernen; ich habe ferner mit Gewiſſenhaftigkeit meine Kräfte damit verglichen und mich eifrigſt nach Hilfsquellen umgeſehen, die mich bei der Löſung derſelben unterſtützen können. Da nun die Angabe derjenigen Pflichten und Anforderungen, welche ich von vornherein als die wichtigſten meines Berufes als Director und Lehrer der Anſtalt betrachte, die Richtung bezeichnen, welche ich in der mir geſtellten Aufgabe einzuhalten ge⸗ denke, ſo erlaube ich mir, bei meinem Amtsantritt hierauf etwas genauer einzugehen.
Als Director dieſer Schule habe ich zunächſt die Pflicht, ſtets das Ziel im Auge zu behalten, das die Realſchule als allgemeine Bildungsanſtalt für die Bedürfniſſe der modernen Zeit erreichen muß, ohne den gerechten Forderungen, welche aus lokalen Verhältniſſen entſpringen, entgegenzutreten. Die Realſchule muß die Elemente der allen praktiſchen Berufsarten, dem Kaufmann, Fabrikanten, Techniker, Baumeiſter, Forſtmann, Bergmann und Handwerker nöthigen Kenntniſſe in den neueren Sprachen, namentlich in der deutſchen Mutter⸗ ſprache, in der Mathematik und der Naturkunde, in der Geſchichte und Geographie und in den graphiſchen Fächern legen, ohne ſpeciell für eine dieſer Berufsarten zu wirken und dadurch zur Fachſchule zu werden; ſie hat zugleich die unendlich höher ſtehende Aufgabe, alle Kräfte des Menſchen nach ſeiner geiſtigen, ſittlichen und körperlichen Seite hin harmoniſch zu entwickeln, die Grundlagen der ſittlich religiöſen Bildung, ohne welche alle Kenntniſſe und Fertigkeiten nichts nützen, zu legen, damit der Menſch nicht allein tüchtig werde in ſeinem irdiſchen Berufe, ſondern vor Allem ſeine hohe, himmliſche Beſtimmung nicht verfehle und eingedenk bleibe des ernſten Wortes der heiligen Schrift:„Was hülfe es den Menſchen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an ſeiner Seele.“ Ferner hat die Realſchule an den Orten, wo ein Gymnaſium nicht be⸗ ſteht, die ihrer Hauptaufgabe wohl untergeordnete, dennoch aber höchſtwichtige Aufgabe, diejenigen Schüler, welche ſich gelehrten Studien zuwenden wollen, die nöthige Vorbereitung hierzu zu geben, damit ſie ſpäter in die mittleren Klaſſen des Gymnaſiums eintreten können. Dieſe verſchiedenen, in der Aufgabe der hieſigen Real⸗ ſchule liegenden Richtungen ſind ſchon bei der Eröffnung derſelben im Jahre 1834 deutlich erkannt und ausge⸗ ſprochen worden. Zum Belege hierfür erlauben Sie mir eine Stelle anzuführen aus der Eröffnungsrede, welche damals Herr Oberſtudienrath Dr. Schmidthenner hielt. Derſelbe ſagte, nachdem er von den erſtaun⸗ lichen Fortſchritten der Naturwiſſenſchaften und der nationalen Einigung Deutſchlands geſprochen hatte:
„Soll aber aus den Fortſchritten der praktiſchen Wiſſenſchaften und aus den glücklichen politiſchen Ge⸗ ſtaltungen der möglichſte Nutzen gezogen werden, ſo muß dem Volke, insbeſondere der ehrenwerthen Bürger⸗ klaſſe, die dazu berufen iſt, den Producten der Natur den Stempel des menſchlichen Verſtandes aufzudrücken, um ſie für die tauſendfältigen Bedürfniſſe des Leben zu formieren, die geeignete Vorbildung gegeben werden. Dazu reichen die bisherigen Schulen, weder die niederen, noch die höheren vollſtändig aus, und es wird allge⸗ mein das Bedürfniß einer dritten Art von Schulen, der Realſchulen nämlich, gefühlt. Der Zweck dieſer Schulen iſt: Sie ſollen dem Volke induſtrielle und nationale Bildung geben. Das Volk ſoll durch ſie in den Stand geſetzt werden, die Aufſchlüſſe, welche die Wiſſenſchaft über das Weſen und Wirken der Naturkräfte ge⸗ wonnen, die Erfahrungen, welche eine kluge Berechnung und Beobachtung über die leichtere und beſſere Berei⸗ tung der Kunſtproducte gemacht und die Hilfsmittel der Induſtrie, welche Fleiß und Scharfſinn erſonnen und angeſammelt haben, für die Erzielung von Werth und Gut zu benutzen, wozu der Menſch Verſtand und Arbeit braucht. Das Volk ſoll aber auch durch ſie, was noch höher iſt, zum Selbſtgefühl, zur Sittlichkeit und poli⸗ tiſchen Tüchtigkeit erhoben werden. Im gründlichen Studium der ſinntiefen Sprache tiefſinniger Väter ſoll hier die deutſche Jugend Kraft der Gedanken und Klarheit des Verſtandes gewinnen. Indem ihr die Selen der Geſchichte aufgehen, ſoll ſie ſchauen, wie hoch und herrlich die geweſen ſind, die einſt auf unſern Bergen ge⸗ wandelt und aus unſern Quellen getrunken haben, wie ſchlicht ihr Sinn, wie fromm ihr Herz, wie wahr ihr Wort, wie entſcheidend ihre That,— ſoll ſie erglühen zur Nacheiferung, ſoll ſie lernen, das Vaterland lieben, am Recht halten, Gott ehren.“
Weiter heißt es in dem erſten Programm der Schule aus dem Jahre 1834 ebenfalls:
„Dieſe Schule ſoll religiös und ſo allgemein wiſſenſchaftlich erziehen, daß die Bildung aller Stände ohne Rückſicht auf beſondere Berufsarten gefördert wird; dabei aber ſoll Mathematik und Naturwiſſenſchaft als die Grundlage für höhere techniſche Studien im Vordergrund ſtehen. Aber auch der lateiniſchen Sprache ſoll eine aufmerkſame Beachtung gewidmet werden, weil eine nicht unbedentende Anzahl von Schülern ſich ſolchen Stu⸗ dien zuwenden will, zu welchen eine gelehrte Vorbildung nöthig iſt.“
An dieſen ſchon bei der Gründung der Schule ausgeſprochenen Principien, die ſich durch die ſtetig fort⸗


