Jahrgang 
1866
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4.

6) Die mit der Nealſchule verbundene

Handworkerschule.

Die unter der Oberaufſicht der Realſchuldirection ſtehende Sonntags⸗Zeichenſchule wurde von 33 an⸗ gehenden Handwerkern beſucht, denen drei Techniker, nämlich Herr Bauaufſeher Scholl, Herr Mechanikus Meyer und Herr Graveur Hartmann Unterricht im Freihand⸗, Fach⸗, Linear⸗Zeichnen und der darſtellenden Geometrie ertheilten. An der Winterabendſchule wirkten die Herren Reallehrer Litt und Kromm. Das Uunterrichtsmaterial bildeten Schönſchreiben, Rechnen, Geometrie, Or⸗ thographie und deutſcher Styl. Die Zahl der Theilnehmer an dem Unterricht, den die beiden letzt⸗ genannten Lehrer gaben, betrug 15.

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7) Chronik der Anſtalt.

Durch Allerhöchſtes Decret vom 11. Mai v. J. wurde der ſeitherige Director Dr. Ludwig Krämer zum Director des Gymnaſiums in Büdingen ernannt. Am 24. Juni v. J. legte derſelbe ſeine hieſige Stelle nieder, um ſeinen neuen Wirkungskreis anzutreten. Durch Einſicht und Erfahrung im Unterrichte, durch hingebenden Pflichteifer und Berufstreue hat er mit Segen für unſere Anſtalt gewirkt und ſich in den Herzen ſeiner Schüler ein dauerndes Andenken geſichert.

Die laufenden Directorialgeſchäfte beſorgte während der Vacanz der Directorſtelle der dienſtälteſte Lehrer, Herr Reallehrer Litt.

Die durch die Verſetzung des bisherigen Directors erledigte Stelle wurde durch Allerhöchſtes Decret vom 23. September v. J. dem Unterzeichneten übertragen, der bis dahin Reallehrer in Darmſtadt war, aber ſchon in den Jahren 1854 1856 als Lehrer an der hieſigen Schule wirkte. Die Einführung deſſelben erfolgte am 24. October v. J. Dieſer Feierlichkeit wohnten, außer den Lehrern und Schülern der Anſtalt, Seine Erlaucht der Graf Alfred zu Erbach⸗Fürſtenau, die hieſige Geiſtlichkeit, ſowie eine große Anzahl von Eltern der Schüler und Freunden der Schule und der Jugendbildung bei. Ein Geſang der Schüler eröffnete die Feier; dann hielt der Unterzeichnete ſeine Antrittsrede(ſieh Nr. 8.). Hierauf hieß der dienſtälteſte Lehrer, Herr Reallehrer Litt, im Namen der Lehrer und Schüler der Anſtalt den Unterzeichneten auf das Freund⸗ lichſte willkommen.

Unſer größerer Sommerausflug fand dieſes Jahr in Folge der durch den Abgang des Herrn Direc⸗ tors Dr. Krämer veranlaßten Störungen ſpäter als ſonſt am 6. Juli ſtatt. Sollte er nicht ganz aufgehoben werden, ſo durfte die außerordentliche Hitze, die gerade um dieſe Zeit herrſchte, an die jedoch der Sommer 1865 gewöhnt hatte, die Lehrer nicht abhalten, einen Tag dem zwangloſeren Verkehre mit den Schülern zu widmen. Da aber die vorhergegangene Dürre, ſo wie die, durch fortwährend drohende Gewitter unſichere Witterung eine Reiſe auf ſtaubigen Chauſſeen nach einem entlegenen Orte unthunlich erſcheinen ließen, baude von dem Lehrercollegium ein Rundgang durch die friſchen Wieſenthäler und Laubwälder der Umgegend

eſchloſſen.

So trat denn am genannten Tage Morgens um 6 Uhr beim herrlichſten Wetter die heitere Schüler⸗ ſchaar in Begleitung ſämmtlicher Reallehrer, ſowie der Hilfslehrer Roth und Hilß ihre Wanderung an. Der Weg führte durch Erbach, Lauerbach und Schönnen in das liebliche Marbachthal, wo der reizend gelegenen Lang'ſchen Tuchfabrik gegenüber im Schatten eines Buchenwaldes die erſte Raſt gehalten wurde. Eine kleine Strecke von hier entfernt wurde in ein Seitenthal eingebogen und bald das ſeiner Länge wegen ſprichwörtlich gewordene Unter⸗Moſſau erreicht.

War ſchon vorher mancher der jüngeren Schüler, unter der Einwirkung der immer drückender werdenden Hitze ſeufzend, gegen ſeine Kräfte mißtrauiſch geworden, ſo ſteigerte ſich jetzt um die Mittagsſtunde, als die Sonne ihre Strahlen wahrhaft verſengend in das Thal und auf die Köpfe der Wanderer ſendete, auch bei den ſonſt Rüſtigſten der Wunſch nach einem kühlenden Obdache und einem erquickenden Mittagsmahle immer mehr, und faſt war die Freude an den friſchen Wieſengründen und waldbegrenzten Höhen, die dem ſtaubigen