am Pragser See“ und„Allerseelen“(letzteres ist doch nun einmal der Ausdruck für die Stimmungen jenes ernsten Tages geworden). Von Meyer fehlt:„Die toten Freunde“
Im gleichen Verlage erschien 1904: Von allen Zweigen. Sammlung deutscher Gedichte, herausg. von Lorenz, Raydt, Rössger.
Hier bedeuten nun wieder Geibel, Körner, Gerok mehr wie Uhland, Eichendorff, Mörike u. S. wW. Daneben stehen eine grosse Reihe in weitesten Kreisen unbekannter„Poeten“ wie Andresen, August, Brümmer, Frahm, Fürst, Hermann!
Die„Deutsche Lyrik des 19. Jahrhunderts“, herausgeg. von Consbruch und Klincksiek, Leipzig, Amelang 1903, ist vielseitig, verständnisvoll nach Gruppen geordnet und bringt bei jedem Dichter Titel und Erscheinungsjahr seiner Gedichte, was dieser Sammlung als ein be- sonderes Verdienst anzurechnen ist, da hierdurch sich Weiterarbeit ermöglicht. Sie beginnt mit Hölderlin und geht bis zu Gustav Falke, der wie bei Loewenberg etwas zu stark dotiert erscheint, namentlich wenn gleichgute zeitgenössische Lyriker vergessen sind(S. unten!) Die Romantik kann durch Eichendorff allein und am besten vertreten werden, daneben mag noch Brentano stehen. Indessen sind die Schlegel und Tieck, auch Kleist als Lyriker entbehrlich. Das gleiche gilt von Schack, Schwab und Grillparzer. Dagegen verdient Schenkendorf eine liebevolle Berücksichtigung. Andere Abschnitte aus der„Schlacht im Loener Bruch“ hielten wir schon oben für wünschens- wert. Von Liliencron fehlt„Abschied und Rückkehr“. Ein Geibel darf einen Strachwitz nicht verdrängen. Auch Grosse wird überschätzt.
In der Einleitung der von Rausch besorgten neuesten Ausgabe des Echtermeyer,„Aus- wuhl deutscher Gedichte“(1903) wird uns mitgeteilt, dass Kerner; s schönstes, ergreifendes Lied
„An das Trinkglas eines verstorbenen Freundes“„ Hölderlin„Die Launischen“, Hebbel„Unterm Baum“ u. a. gestrichen sind. Dafür werden uns neben Gutem ein Schoenaich-Carolath, ein Weber, ein Gerok vorgesetzt. Geibel, Uhland, Goethe sind mit gleichen Teilen abgetan. Doch finden wir in der reichhaltigen Sammlung auch die Droste, Mörike, Keller u. s. w. vertreten, wenn sie schon alle zusammen erst soviel Raum haben als Schiller allein einnimmt.
(Die ausser diesen genannten erschienenen Sammlungen sind nicht für die Schule bestimmt. Zu nennen wäre neben denen von Storm, Polko, Bodenstedt, Bern, Busse, Bartels u. S. W. vor allem das„Hausbuch deutscher Lyrik“ von Ferdinand Avenarius, das auch hier noch einmal als das Buch deutscher Versdichtung empfohlen sein soll.)
Umfassend ist keine der oben besprochenen Zusammenstellungen, obwohl gerade Consbruch und Klincksieck neben Loewenberg das Verdienst gebührt, unsere sogenannten Epigonen in hellstes Freilicht gestellt zu haben.
Da aber der Schüler bis zur Prima ein möglichst deutliches Gesamtbild der lyrischen Klassiker aufnehmen sollte, so dürften in einer zeitgemässen Sammlung wesentliche Glieder des lyrischen Werdegangs nicht fehlen. Eine solche Auswahl müsste mit Walter und Neidhart beginnen, darf die prächtigen„Namenlosen Lieder“ aus des„Minnesangs Frühling“ nicht vergessen, vor allem Perlen mittelalterlicher Dichtung, die Carmina burana nicht links liegen lassen, wie das eine ganze Reihe vielgelesener Literaturgeschichten, darunter auch die von Bartels, tut. Vor dem„Latein“ dieser Lieder braucht einem nicht bange zu sein. Sie sind indessen auch mehrfach gut übersetzt worden. So z. B. von Laistner(„Golias“, Stuttgart 1879).
Jener reichen Frühlingszeit folgt eine breite Ebbe in der Lyrik, die erst mit Claudius wieder zur Höhe flutet.
Was Goethe uns in seiner Lyrik, die man nicht zum wenigsten im„Faust“ suchen muss, war, ist und immer mehr werden soll, braucht hier nicht erörtert zu werden. Wundervoll hat Bielschowsky in„Goethe“ darüber gehandelt. Neben ihm kommen in erster Linie in Betracht: Hölderlin, Droste-Hülshoff, Eichendorff, Uhland, Strachwitz, Mörike, Keller, Hebbel, Groth, Storm, Meyer, Fontane, Liliencron.
In zweiter Linie stehen: Günther, Bürger, Hölty, Voss(um des„Siebzigsten Geburtstags“ willen!), Schiller, Körner, Arndt, Schenkendorf, Chamisso, Rückert, Platen, Heine, Freiligrath, Hertz, Geibel, Reinick, Kopisch, Wilh. Müller, Lenau, Lingg, Hamerling, Gilm, Mosen, Alberta von Puttkammer, Marie von Ebner-Eschenbach, Ricarda Huch, Hopfen, Avenarius, Stieler(dessen „An meinen Vater“ und„An meine Mutter“ wahrhaft„aus tiefster Seele“ kommen), Falke, Ernst, Dehmel, Wallpach, Weigand.


