Jahrgang 
1929
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Orients. Die unteren Klassen machten eine Ni- kolausfeier; über die Erfolge und Miterfolge in unseren Sportwettkämpfen wurde berichtet und beraten, wie gebessert werden könne. Die 21 fHlindenburgurkunden wurden den Siegern in den Bannerwettkämpfen überreicht, zugleich aber er- hielten die 12 Schüler, welche sich durch steten Fleiß und durch tüchtige Leistungen in den Wissenschaften oder im Dienst der Allgemeinheit der Schule ausgezeichnet hatten, Buchpreise. Besonders schön war die Weihnachtsfeier, in der sich noch einmal im alten Jahr das Band um den engeren Kreis der ganzen Schule schloß, wäh- rend zum Schluß des Schuljahres die Entlassungs- feier für die Abiturienten Eltern und Schüler ver- einte.

Aus diesem Bedürfnis gemeinschaftlichen Er- lebens heraus erwächst auch die Freude äm ge meinsamen Gesang. Alfe Marsch- und Turner- lieder werden von der ganzen Schule eingeübt und in den Turnstunden oder bei Klassenaus- flügen gesungen. Um den Schülern das Gefühl für Geschlossenheit und für die hieraus er- wachsende Verpflichtung der Einordnung zu geben, marschierte eines Tages die ganze Schule von ihren Klassenausflügen gemeinsam zurück mif der neugebildeten Kapelle an der Spitße und mit Marschliedern im Zuge.

Besonders stark heben sich aus der Reihe dieser Feste heraus die Verfassungsfeier am 11. 8., bei der Herr Studienrat Reuter die Festrede hielt; dann das Sommerfest am 23. 8. auf der Dönche, bei dem die Schüler ihre Kräfte in sporflichen Wett- kämpfen maßen, bei dem aber auch viel allge- meine Lust und Freude enge Bande um Schule und Elfernhaus, jeßige und ehemalige Wilhelms- gymnasiasten schlangen. Am 19. November wurde in einer Morgenfeier des 100 jährigen Todestages Schuberts gedacht, eine Violinsonatfe und der Milifärmarsch rahmten das von einem Primaner gestaltete Lebensbild des Tonmeisters ein. Am 10. Dezember erinnerte eine von den Obersekunden veranstaltete Weihestunde an das

700. Todesjahr Walthers v. d. Vogelweide. Ge- dichfvorträge, eine Lebensdarstellung, zwei für Männerchor nachgestalfete Lieder Neithards von Reuenthal und besonders auch eine vergrô- Berte Kopie des Walther'schen Bildes aus der Manessischen Liederhandschrift, gemalt von Schülern der Obertfertia A, ließen den Zeitraum des Minnesangs wieder erstehen. Am 25. März fand eine Gedenkfeier für die im Weltkriege ge- fallenen Schüler des Wilhelmsgymnasiums statft. Sie war rein im liturgischen Stil gehalten und spiegelte das gewaltige, ja gewaltsame Erleben der deufschen Helden wieder. Eine große Anzahl von Angehõörigen unserer gefallenen Schüler war der Einladung gefolgt und empfand es dankbar, daß man die Toten nicht vergessen hat. Die heutige jugend aber war tief ergriffen und erkannte, daß sie nur diesen Edlen ihr Dasein schuldet.

Diese Feiern leiten oft nur mit einer schönen Viertelstunde den Tag ein, selten dehnen sie sich auf die ganze Stunde oder den Tag aus. Manche geben die Frucht gemeinsamer Arbeit einer Klasse in stillen Schulstunden wieder, andere wurden eingehend und lange besonders vorbereitet. Sie sind nach ihrer Ausprägung bildsam und viel- gestaltig, aber der Wesensart nach sind sie gleich. Sie sind ein Ausdruck der Ueberzeugung, daß ein Volk, das wieder eine allen Gliedern ge- meinsame, geschlossene Kultur besiben will, diese crringt in gemeinsamen Erlebnis des Rhythmus von Arbeit und Feier.

Die Wandertage führten die Oberklassen (2z. T. an 2 Tagen) in die weitere Umgebung Hessens; während des langen und strengen Winters wurde dem Schneesport eifrigst gehul- digt. Von den Schulfilmvorführungen ist besonders der Braunkohlenfilm hervorzuheben.

Am 238. Februar und am 1. März fand unter dem Vorsit des Oberstudiendirektors die Reifeprü- fung statt. Am 8. März wurden die Abiturienten entlassen.

8. Wichtige Erlasse und Verfügungen der Behörde.

Min.-Erl. vom 29. 5. 26 und Verf. des P. S. K. vom 2. 2. 27: Schüler, die eine technische Hochschule besuchen wollen, sind darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich ein halbes Jahr vor der Reifeprüfung bei der Hochschule, die sie besuchen wollen, nach den Richtlinien für ihre praktische Ausbildung erkundigen und sich rechtzeitig eine geeignete Praktikanfen-

stelle sichern(Praktikantenämter in Charloften- burg 2, Berlinerstr. 171, für die T. H. Berlin, und in Dortmund, Brandenburgerstr. 1, für die T. H. Hannover und Aachen).

Min.-Erl. vom 22. 3. 27: Das Zeugnis der mittleren Reife wird erteilt: Schülern der höheren Lehranstalten nach erfolgreichem Be-