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er persönlichen Neigungen nachgehen und in eine Arbeitsgemeinschaft eintreten darf. Der Unterricht geht vor. Er darf unfer keinen Um- ständen leiden. Andererseits aber steht und fällt jede Arbeilsgemeinschaft mit der freiwillig über- nommenen Mehrarbeit.
Hinter uns liegt heute bereits eine mehrjährige Erfahrung auf diesem pädagogischen Neuland. Nicht bei allen Teilnehmern haben die freien Ar- beitsgemeinschaften die erhofften Früchte gezei- tigt. Individuelle Neigungen verdrängten das erste Inferesse und unfergruben die Willehskraft, sich dauernd der geforderten Arbeitsform zu unterwerfen. Andere waren mit falschen Erwar-— fungen gekommen und sahen Arbeit, wo sie nur Genuß erwarteten. Im allgemeinen konnten wir durchaus Erfreuliches beobachten. Nicht bloß aguf wissenschaftlichem, also rein intellektuellem Gebietl Erziehliche Kräfte sind lebendig ge- worden, die wertvolles, persönliches Leben zur Entwicklung gebracht haben: Gesundes Kraft- und Selbstgefühl, Freude an geistiger Arbeit, Freude am Wachsen eigenen geistigen Besihes. Der mehr oder weniger formgebundene Unter- richt der Klasse hinterläßt gerade im Schüler der oberen Klassen leicht den Eindruck, daß das be- handelte PDensum weniger ihn als die Schule an- geht, daß er arbeitet, um Klassen- und Endziel zu erreichen. Hier in der freien Arbeitsgemein- schaft, ganz auf sich selbst gestellt, verantwort- lich allein seinen Mitarbeitern und der von ihm gewählten Aufgabe, kommt ihm neben der Ach- tung vor dem Wissen an sich und dem Wunsch nach weiterem Bildungserwerb die wertvolle Er- kenninis, daß die Schule doch nicht Selbstzweck ist, daß das Ziel seines Strebens und Sichbe- mühens leßten Endes— er selbst ist.
Wolff.
O lund U I. Sommersemester: Einführung in die erkenninistheoretischen Grundbegriffe. Wintersemester: Einführung in die ethischen Grundbegriffe. Nießsche: Genealogie der Moral.(Steigleder)
O IA. Sommerhalbjahr: Augustins„Con- fessiones“.
Winterhalbjahr: Auf Wunsch der Schüler Vorträge aus dem Gebiete der an- tikeen Kultur, wozu sich die Schüler nach Maßgabe ihres Interesses und Könnens frei- willig erboten. Es wurden oft durch mehrere Stunden hindurch Vorträge gehalten über: Römische Gastmähler, Verfassung und Ver- waltung unter Augustus, römisches Heer- wesen mit besonderer Berücksichtigung der
augustfeischen Zeitf, griechische Philosophie
(Ueberblick), Stoa und Epikur, griechische Lvyriker.— Gemeinsam wurden behandelt: Chorlieder aus der Antigone.— Dem Ver-
langen nach Aussprache über wichtfige Fra- gen der Weltanschauung, Religion und Ethik wurde stattgegeben.(rost) OIb. Im Sommerhalbjahr: Scholaren. ben mittelalterlicher Schüler, Vaganten in ihrer Dichtung. Dr. E. Herkenrath. Im Winterhalbjahr: Grundfragen der Ethik bei Aristofeles. Auswahl von C. Grünewald. (Westmeier)
OIb. Im Sommer: Abschnitte aus der hessischen Geschichte, mit besonderer Berücksichtigung der Bau- und Kunstdenkmäler in Kassel, Wil- helmshöhe und Wilhelmstal(Besichtigung].
Das Trei- Studenten, Auswahl von
Im Winter: Staatsbürgerkunde.(Süßmann) UIb. 1. Schillers philosophische Abhandlung „Ueber Anmut und Würde“. 2. Das ex-
pressionistische Drama: Georg Kaiser„Die Koralle“,„Gas l“,„Gas Il“; Barlach„Der arme Vetter“.(Volff)
UIb. Franz. Arbeifsgemeinschaft: Eugène La- biche„La grammaire“, mit Aufführung.
(Leicher)
UIb. Physikalische Arbeitsgemeinschaft. An der Arbeitsgemeinschaft nahmen 12 Schiller, die zu 4 Gruppen zusammengefaßt wurden, teil. Es wurden Versuche gemacht aus den Ge- bieten der Akustik, Optik, Wärmelehre, des Magnetismus, der EFlektrizifätslehre, dann Versuche über elektrische Schwingungen und drahflose Fernübertragung. Nach Möglich- keit wurden die Versuche auch rechnerisch ausgewertet.(Reufer)
IIA. Ostern bis November: Griech. Papyri(Aus- wahl v. W. Schubari), Dezember bis Ostern: Herodots Novellen(Auswahl von Sparm- berg).(Wirbelauer)
IIlb. Bis zu den Sommerferien Französisch: Daudet, La Belle-Niveraise, Bilder aus der Provence, Griechisches und Römisches in der Provence. Dann Lektüre(abwechselnd) französischer und englischer Zeitungen. Im Anschluß daran Besprechung französischer und englischer Einrichtungen, Volkskund- liches, Literarisches, Vergleiche mit Ent- sprechendem in Deutschland usw.(Lenz)
II1B. In der Form von Yorträgen, Berichten, Aussprachen, zeichnerischen Skizzen wurde das Gebiet der deutschen Volkskunde durch-


