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2 b) Zur Unterrichtsverteilung.
Die Neuordnung im höheren Schulwesen hat die festen Lehrpläne beseitigt und an ihre Stelle in den„Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens“ den einzelnen Klassen Jahres- ziele geseßt, deren FErarbeitung zu Beginn jedes Sommers die Aufstellung eines bestimmten Jahresplanes erfordert; er nimmt Rücksicht auf die Eigenart von Klasse, Anstalt und Lehrer und wählt danach seine Stoffe aus der großen Fülle derjenigen Gebiete, welche für das betreffende Alter geeignet sind und für die in den Richt- linien Auswahlmöglichkeiten gegeben sind. Die Klassengemeinschaft der Lehrer muß in diesen Jahresplänen besonders darauf achten, daß an- stelle des Vielerlei vereinzelter Stoffe ein aus erziehlichen Gesichtspunkten heraus gestalfetes organisches Ganze entfsteht. Hierbei werden be- sonders in den oberen Klassen einzelne Ge- dankenkreise besonders stark herausgearbeitet. So wurde in der vorigen Oberprima das Zeitalter Bismarcdks und die Gegenwart seit dem Welt- kriege, zu anderer Zeit das heutige deutsche Wirtschaftsleben mit seinen Auswirkungen auf
das Verhältnis von Mensch zur Gemeinschaft in den Mittelpunkt verschiedener Fächer gestellt. In einer anderen Klasse bildete der Rationalis- mus mit seinen Erscheinungsformen in den euro-— päischen Ländern das bindende Element. In den unteren Klassen, in denen gedankliche Mittel- punkte dieser Art noch nicht dieselbe Bedeutung haben wie in den oberen Klassen, wurden die verschiedenen Fächer zusammengeführt durch Zeiten besonderer Frlebnisse. So stand z. B. in der Quinfta vor den Herbstferien der Unterricht soweit wie möglich unter dem Gedanken„Reise und Erntfe“, von Advent bis Weihnachten wurde ein großer Weihnachtskreis gebildet. Durch diese immer wieder erfolgende planmäßige Verteilung des Stoffes soll mehr und mehr die jJahresarbeit einer Klasse zu einer zielbewußt gefügten Ein- heit werden, in der ein Fach das andere stüßt und ergänzt, während es zu anderen Zeiten selbst die Führung übernimmt. In diesen Plan gliedern sich erweiternd und vertiefend die Ar- beitsgemeinschaften mit ein.
Die freien Arbeitsgemeinschaften.
Zwölf lehrplanmäßige Stunden stehen für die Oberstufe wöchentlich zur Verfügung, die der Minister für freie Arbeitsgemeinschaften be- stimmt hat, und zwar zu dem Zweck, Stoffgebietfe des Fachunterrichts zu ergänzen und zu vertiefen, erlernte Arbeitsmethoden in freier Selbsttätigkeit zu erproben, im besonderen auch philosophische Lekfüre zu freiben. Sie sind wahlfrei.
Der Oberstufe ist damit eine gewisse Bewe- gungsfreiheit gegeben. Besondere Begabungen, außerhalb der Schule oder im Unterricht ge- weckte Interessen, die in unserem Gymnasium oder Realgvymnasium nicht berücksichtigt werden können, erhalten hier Gelegenheit zu freier Be- fätigung. So können sich Schiller des Gym- nasiums zu chemischen Arbeiten vereinigen, an- dererseits Schüler des Realgymnasiums durch eingehendere Lektüre das Wesen der griechischen Tragödie zu ergründen versuchen. Ganz allge- mein aber sollen diese freien Arbeitsgemein- schaften dem verständlichen Drange unserer ju- gend enftgegenkommen, eigene Wege unter eige- ner Verantwortung zu gehen. Bei der Stoffaus- wahl sind wir an gewisse Vorschriften gebunden. Hier wird völlige Freiheit also nicht immer mög- lich sein. Anders liegt es schon bei der Auswahl der Sondergebiete oder auch der Lektüre. Völlig
frei geben wir die Arbeitsform. Hier sollen sich die Teilnehmer ausschließlich selbst betätigen. Sie besprechen in ihren ersten Zusammenkünften das Ziel und bestimmen die Einzelaufgaben, die ihnen zur Klärung nötig erscheinen. jeder ein- zelne wählt oder erhältf dann seine Sonderauf- gabe und übernimmt damit die Verpflichtung, durch gründliche Vorarbeit die Klärung bzw. Beantwortung der Gesamfaufgabe zu ermõög- lichen.
Aus dem Wesen einer solchen freien Arbeits- gemeinschaft ergibt sich, daß nur der verant- wortungsbewußte, arbeiftsfreudige Schüler einer solchen selbstfätig arbeitenden Gemeinschaft an- gehören darf. Verantwortungsbewußtsein und Arbeitsfreude wird aber natfurgemäß bei dem Schüler am stärksten und anhalfendsten vor- handen sein, den es drängt, einmal eigene wissenschaffliche oder künstlerische Arbeit zu leisten, oder der den Wunsch hat, ein vom Klassenunterricht berührtes Wissensgebiet ein- gehender kennen zu lernen. Alle anderen sollten besser fernbleiben. Sie versagen und stören schließlich Arbeitsfortschrit und Arbeitfsfreude. Auch ein Schüler, der bereits mit der ordnungs- mäßigen Erledigung der fäglichen Aufgaben zu kämpfen hat, wird es sich überlegen müssen, ob


