Jahrgang 
1913
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steuert werden kann. Bei der Auswahl guter und wertvoller Bücher wird die Schule den Eltern wie auch den Schülern und Schülerinnen selbst mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihnen diejenigen Bücher angeben, die sich für die Altersstufe und für ihre geistige Entwickelung eignen. Zu diesem Zweck werden es sich die Lehrer und Lehrerinnen gern angelegen sein lassen, sich über die in Betracht kommende Jugendliteratur fort- laufend zu unterrichten. Das in dem Weidmannschen Verlage zu Berlin erschienene Buch des Direktors Dr. F. JohannessonWas sollen unsere Jungen lesen? wird den Schülern und auch den Schülerinnen wie deren Eltern als zuverlässiger Wegweiser dabei dienen können..

Dieser Erlaß ist in den Jahresberichten der höheren Lehranstalten zum Abdruck zu bringen. Auch bei anderen sich bietenden Gelegenheiten empfiehlt es sich, die Offentlichkeit auf den Schaden minderwertiger und den Nutzen bildender und fördernder Erzeugnisse der Literatur und Kunst immer wieder aufmerksam zu machen und dadurch für die Mitarbeit an der geistigen und sittlichen Förderung unserer Jugend zu gewinnen.

15. 1. 13. Königliches Provinzial-Schulkollegium übersendet Ministerialerlaß, nach dem es statthaft ist, Schülern der UI und OII nach 1 ½ jährigem Besuche der Klasse die Reife für die Ol bezw. UI zuzu- sprechen, wenn die Schüler die von ihnen bisher besuchte Anstalt verlassen und wenn die Unterlagen für die Versetzung gegeben sind..

III. Schulgeschichte.

1. Königliches Provinzial-Schulkollegium. Infolge einer Neuordnung der Dezernate innerhalb des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums ging dasjenige des Real- gymnasiums Ende Juni auf Herrn Provinzial-Schulrat Professor Dr. Borbein über.

2. Lehrkörper der Anstalt. Ostern 1912 verließ uns der Kandidat des höheren Lehramts Wilhelm Appel, der nach beendigtem Probejahr der Oberrealschule in Hanau über- wiesen wurde. Als Nachfolger des zum Direktor der hiesigen Realschule berufenen Herrn Professor von Hanxleden war der Kandidat des höheren Lehramts Dr. Freilingr) in Frankfurt a. M. gewählt worden, der Ostern eintrat, um zunächst die zweite Hälfte seines Probejahres zu vollenden, und Herbst zum Oberlehrer ernannt wurde. Ferner traten zu Ostern neu ein der wissenschaftliche Hilfslehrer Rudolf Walkhoff, der aber für das ganze Sommerhalbjahr an die höhere Mädchenschule zu Oberursel und während des Winterhalbjahres an die höhere Bürger- schule zu Rotenburg beurlaubt war, der Kandidat des höheren Lehramts August Köhler zur Ableistung seines Probejahres und als französischer Lehramtsassistent(bis zum Herbst) Herr Vaillandet. Herr Dr. Kron blieb nach Beendigung seines Probejahres noch der Anstalt über- wiesen, war aber das ganze Jahr hindurch an die Rektoratschule in Treysa beurlaubt.

Wüährend des ersten Schulvierteljahres war Herr Professor Völler zur Wiederherstellung seiner Gesundheit beurlaubt und mußte vertreten werden, ebenso von Anfang Mai an Herr Erdmann, zu dessen Vertretung der Kandidat des höheren Lehramts Dr. Waga überwiesen wurde. Beide Herren nahmen nach Ablauf der Sommerferien ihre volle Tätigkeit wieder auf, sodaß Herr Dr. Waga an seine frühere Schule(in Diez) wieder zurückkehren konnte.

Zum Herbst schieden aus dem Lehrkörper aus Herr Dr. Hornschu, der nach beendigtem Probejahr der hiesigen Oberrealschulel überwiesen wurde, und die Seminarkandidaten Dr. Koch und Mensinger, von denen der erstere der hiesigen Oberrealschule II, der letztere der Sachsen- häuser Oberrealschule in Frankfurt a. M. zugeteilt wurde.

Einen schweren Verlust erlitt die Anstalt durch den am 4. Oktober erfolgten, unerwartet schnellen Heimgang des ältesten Mitgliedes des Lehrerkollegiums, Herrn Professor Friedrich Stange. Der Ferien wegen wurden die Schüler durch die Zeitung benachrichtigt und nahmen in großer Zahl neben dem Lehrerkollegium an der Beerdigung teil, die am 7. Oktober stattfand. So wurde die erste gemeinsame Andacht nach den. Herbstferien zu einer Trauerfeier, in der der Direktor ein Lebensbild des Verstorbenen entwarf und seiner vielen Verdienste um die

*) Johann Heinrich Freiling, geboren den 12. Dezember 1879 zu Hasselbach im Kreise Witzenhausen, bestand die Reifeprüfung am Kgl. Gymnasium zu Hersfeld und widmete sich dann naturwissenschaftlichen Studien an den Universitäten Marburg und Leipzig. In Leipzig bestand er im April 1910 die Prüfung für das hnöhere Lehramt und legte darauf das vorgeschriebene Seminarjahr am Wöhler-Realgymnasium und die erste Hälfte des Probejahres an der Handelsrealschule in Frankfurt a.M. ab. Die philosophische Doktorwürde erwarb er im Februar 1909 an der Universität Leipzig. Druckschrift: Duftorgane der weiblichen Schmetter- linge nebst Beiträgen zur Kenntnis der Sinnesorgane auf dem Schmetterlingsflügel und der Duftpinsel der Männchen von Danais und Euploea.(Dissertation.) 1909.