Schule in herzlicher Dankbarkeit gedachte. Schon vorher hatte er im Namen des Lehrkörpers dem Dahingeschiedenen den folgenden Nachruf gewidmet:„Am 4. Oktober verschied im 72. Lebensjahre an den Folgen eines Schlaganfalles der erste Oberlehrer des Realgymnasiums, Herr Professor Friedrich Stange. Dem Realgymnasium hat er volle 41 Jahre, fast von der Gründung der Anstalt an, in vorbildlicher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit seine Kräfte gewidmet und ist zahlreichen Schülergenerationen ein treuer Führer und freundlicher Berater gewesen. Infolge seines ehrenwerten Charakters und seiner auf Herzensgüte beruhenden kollegialen Gesinnung erfreute er sich in hohem Matze der Wertschätzung und des Vertrauens seiner Amtsgenossen, und auch der Unterzeichnete schuldet ihm viel Dank für die seiner lang- jährigen Erfahrung wegen besonders wertvolle Unterstützung bei der Führung der Amtsgeschäfte. So wird die Schule sein Andenken stets in Ehren halten.“
Die Vertretung des Verstorbenen übernahm der wissenschaftliche Hilfslehrer Karl Weis von Beginn des Winterhalbjahres an. Zur Beschäftigung wurde ferner überwiesen der im vorigen Jahresbericht bereits erwähnte Hilfslehrer Hans Werr, und es traten neu ein als Probe- kandidat Herr Dr. Ullrich und als Seminarkandidaten die Herren Dr. Hoffmann und Dr. Wisse- mann. Im Februar wurde der Anstalt noch der Kandidat des höheren Lehramts Dr. Melchers zugeteilt, der aber z. Z. noch die Stelle des Leiters und ersten Lehrers an der deutschen Schule für Chinesen in Tsinanfu bekleidet.
Am 4. Februar verschied hierselbst Herr Professor Zwirnmann, der der Anstalt seit ihrer Gründung bis zu seiner Pensionierung im Herbst 1894 als Lehrer angehört hatte. An der Beerdigung nahmen die älteren Mitglieder des Lehrkörpers teil.
An einem mathematisch-physikalischen Ferienkursus, der in Göttingen vom 15.—27. April stattfand, nahm Herr Professor Bauer teil. Die Hauptversammlung des Philologenvereins der Provinz fand am 29. Mai in Montabaur statt und wurde von 4 Mitgliedern des Lehr- körpers besucht.
3. Revisionen, Prüfungen. Eine Inspektion des Unterrichts nahm Herr Provinzial- Schulrat Professor Dr. Borbein am 27., 28. und 29. August vor. Eine zweite Inspektion erfolgte am 13. Januar 1913 durch Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. Graeber vom Ministerium in Anwesenheit des vorhergenannten Herrn Provinzial-Schulrates.
In der Herbstreifeprüfung, bei der Herr Provinzial-⸗Schulrat Borbein den Vorsit führte, bestand am 10. September ein Oberprimaner. Die mündliche Prüfung im Ostertermin, für die dem Direktor das Amt des Königlichen Kommissars übertragen worden war, fand am 1. und 3. März statt. 23 Oberprimaner erhielten das Zeugnis der Reife, 6 von ihnen unter Befreiung von der mündlichen Prüfung. An der Herbstprüfung nahm als Vertreter des Magistrats Herr Stadtschulrat Bobritz teil.
Ferner bestanden die Reifeprüfung am 23. und 24. September die fremden Prüflinge Mittelschullehrer Gustav Maul und Lehrer Heinrich Steuernagel, beide aus Frankfurt a. M. Außerdem konnte mehreren fremden Prüflingen die Reife im Lateinischen für l oder Oll zugesprochen werden.
4. Umwandlung der Anstalt, Unterrichtsbetrieb. Von Ostern an wird die Umwandlung des Realgymnasiums in eine Reformschule auf die UI übergreifen. Es werden also nur noch die Oberprimen und die Ulb nach dem alten Lehrplan unterrichtet werden.
In dem ablaufenden Schuljahr sind zum erstenmal wahlfreie biologische Schülerübungen eingerichtet worden, denen eine Reihe Schüler großes Interesse entgegenbrachten. Sehr zu statten kamen uns hierbei die neuen guten Mikroskope, die aus einem besonders bewilligten Geldbetrag angeschafft werden konnten. Die neuen Räâume erlaubten ferner, die übrigen Schülerübungen auf naturwissenschaftlichem Gebiet mehr als bisher zu pflegen und sie, wie es in dem Ministerialerlaß vom 13. 6. 1910 UIl 720 gewünscht wird, mit dem Unterricht selbst zu verflechten. Derartige Versuche sind mit gutem Erfolge angestellt worden in dem naturwissenschaftlichen Unterricht der Obertertien und Untersekunden und dem chemischen Unterricht der Obersekunden, wofür ebenfalls besondere Mittel bewilligt worden waren. Jede der genannten Klassen war für diesen Zweck in je einer naturwissenschaftlichen Wochenstunde in zwei Hälften zerlegt, weil sonst die verfügbaren Apparate nicht ausgereicht hätten. Sehr


