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Zeit das Verhalten der Kinder den mannigfaltigen Anforderungen der Unterstute gegenüber hinreichenden Aufschluss über Beanlagung und Interesse gibt.
Dass aber der Lehrplan des gemeinsamen Unterbaues das Lateinische ausschliesst und an seine Stelle das Französische setzt, ist aus mehrfachen Gründen von besonderer Bedeutung. Es unterliegt keinem Zweifel, dass das Latein den Schülern der unteren Klassen im allgemeinen recht schwer fällt, und wenn man es daher auch mit recht für einen guten Prüfstein bezüglich der Frage ansieht, ob die Schüler sich für Sprachunterricht überhaupt eignen, so ist damit doch den Eltern nicht gedient, wenn die Kinder ihre Kraäfte vergeblich an dem sprôden Stoff ver-— sucht haben. Der gemeinsame Unterbau dagegen gestattet den für die alten Sprachen weniger geeigneten Schülern, auf deren Erlernung ganz zu verzichten und auf der lateinlosen Schule ihre Ausbildung fortzusetzen, sei es bis zur Reifeprüfung, sei es bis zum Einjährigen-Zeuguis, das ihnen in diesem Fall eine für das praktische Leben besonders brauchbare Bildung mit auf den Weg gibt.
Die französische Sprache mutet zudem das kindliche Gemüt viel heimischer an als das fremdartige Latein, allein schon durch den Wortschatz und den Inhalt der Sätze, die zuerst Verwendung finden. Es sind zwar die Schwierigkeiten nicht zu verkennen, die das Französische durch seine Aussprache und durch das von den gesprochenen Lauten abweichende Wortbild darbietet; aber diese Schwierigkeiten sind zu überwinden, wie das Beispiel der lateinischen Schulen und der höheren Tôchterschulen zeigt. UÜberdies werden sie durch die grössere Ver- wandtschaft mit der Muttersprache bei weitem aufgewogen, und da die Stundenzahl für Franzöõsisch geringer angesetzt werden kann als für Latein, so können die ausfallenden Stunden dem Deutschen zugute kommen. Es kommt noch hinzu, dass im französischen Anfangsunter- richt die Eltern, insbesondere die Mütter, viel eher imstande sind, ihren Kindern beaufsichtigend und helfend zur Seite zu stehen, als im Lateinischen. Zeigt sich nun im Laufe eines dreijährigen Unterrichts im Französischen, dass der Schüler Sinn für Sprachen überhaupt besitzt, so befähigt ihn die erworbene grammatische Schulung mit grosser Leichtigkeit und Sicherheit in das Lateinische einzudringen. Die Erfahrung hat gelehrt, dass die Obertertianer der Reformschule bereits mit günstigstem Erfolg die Cäâsarlektüre beginnen können. Dadurch aber, dass ihnen im zweiten Jahre schon eine solche Lektüre geboten werden kann, kommt Frische und Lebendig- keit in den ÜUnterricht hinein.
Ein dritter Vorzug der Reformschulen, an dem das Altonaer System allerdings nicht teilnimmt, besteht darin, dass die Anfangstermine für die Erlernung der verschiedenen fremden Sprachen auseinander gerückt sind. An den Lateinschulen alter Art treibt der Quartaner bereits zwei, der Untertertianer sogar drei fremde Sprachen nebeneinander. Bei einer näheren Untersuchung des Entwicklungsganges der Schüler lässt sich aber unschwer erkennen, dass an diesem gleichzeitigen Nebeneinander der Sprachen viele Schüler scheitern. An der Reform- schule sind dagegen der Erlernung der ersten fremden Sprache drei volle Jahre gewidmet, bevor sich die zweite hinzugesellt, und auch für das Einleben in diese sind wiederum zwei Jahre bestimmt. Es hat dies einen besonders günstigen Einfluss auf die Klassen IV bis OllI, wo ja ohnehin der mathematische Unterricht mit seinen nicht geringen Anforderungen einsetzt. Die Hinausschiebung des Englischen bis zur UII hat sich selbst für diejenigen Schüler, die mit dem Einjährigen-Schein die Schule verlassen, um in das praktische Leben zu treten, als ganz unbedenklich herausgestellt. Denn wenn auch die in dieser Klasse für das Englische bestimmten 6 Stunden nicht ausreichen mõgen, der Menge nach dasselbe zu leisten, wie sonst in drei Jahren


