Jahrgang 
1930
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e) Aufgaben zur Reifeprüfung Ola

Deutsch: I. Was können wir aus der Betrachtung von Goethes Leben für das unsere gewinnen? 2. Die Entwicklung des nationalen und liberalen Gedankens 1815 1348. 3. Wie müssen wir leben,damit ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei? 4. Wie betrachte ich ein Kunstwerk?

Französisch: Les deux Frères. Légende. Englisch: The Lady Arbella.

Mathematik: 1. Berechne lognat 1,05 auf 5 Dezimalen mit Hilfe der zu entwickelnden Reihe für lognat(1+ v. 2. Diskutiere die Funktion y= 1(X 30 x

120 3. Wo steht in Kassel(= 51°20' nördl. 9 30 östl. v. Gr.) die Sonne am 14. Mai 1929 um 16h 15 min mitteleuropäischer Zeit(ùb= 13⁰20 nördl. Zeitgleichung= Z min 46 sec)?

Physik: Eine der in den UÜUbungsstunden ausgeführten Messungen der Wellenlänge einfarbigen Lichtes soll be- schrieben und begründet werden.

Chemie: Das Erdöl, die synthetischen Ersatzstoffe in ihrer chemischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung und die chemischen Reaktionen, die in den Ubungen zur Erkennung der im Erdöl enthaltenen Arten von Kohlenwasserstoffen angewandt wurden.

Biologie: Welche in unseren biologischen UÜbungen gemachten anatomischen Beobachtungen und im Unterricht erarbeiteten

anatomischen Tatsachen lassen sich im Sinne der Entwicklungs- lehre deuten?

Latein: Caesar, Bellum Gallicum, IV, c. 24.

Olb

Deutsch: 1. Über Wittenberg und Weimar geht der Weg zur deutschen Einheit. 2. Warum kann man das Christentum die heldenhafte Form des Lebens nennen? 3. Das Ewig- Weibliche zieht uns hinan, dargestellt nach Goethes Iphigenie. 4. Warum gilt unser Mitgefühl den Sachsen in ihrem Kampfe gegen Karl d. Gr.?

Französisch: Le Röôtisseur et le pauvre Homme. Englisch: The Old Sailor's Ship. Mathematik: 1. Wo schneiden die an die Ellipse x+‿ι έ. 1 25 16 parallel der Geraden x+ y 4= 0 gelegten Tangenten die Ordinatenachse; welches sind die Koordinaten der Be- rührungspunkte? 2. Bestimme die Extremwerte der Funktion y= 3* 4 X 4 ⁄2 X2+ 3. Berechne die positive Wurzel der Gleichung+ 3,35 X* 2,25 x 9,9= 0. angenähert. Physik: Die Faradayschen Gesetze der Elektrolyse. Chemie: Das Stickstoffproblem und seine Lösung.

Biologie: Welche Tatsachen der vergleichenden Anatomie und Entwicklungsgeschichte sprechen für die Abstammungslehre?

Latein: Aufgabe wie OIa.

f) Einrichtung des künstlerischen und technischen Unterrichts

Musik. Am Musikunterricht wa en die Klassen mit folgender Stundenzahl beteiligt: OI und UII, OII 1, UII 1, O IIIa und b 1, OIIIc 1, UIII 1, IV 1, V 2, VlIa 2, VIb 2, Sopran und Alt(aus den Klassen UIII und VI) 1, Baß und Tenor (aus den Klassen OI und U 1, Chor 1, Orchester und Bläser 1. Die Gesamtzahl der Musikstunden an der Schule betrug also wöchentlich 18.

Die Schlaßandachten vor Beginn der Ferien wurden durch die Mitwirkung des Chores und des Orchesters musikalisch ausgestaltet. Beide Vereinigungen betätigten sich besonders bei der Feier des 40jährigen Bestehens der Schule am 2. Oktober und in den beiden Schulkonzerten am 14. Mai und 7. März. Die Bläser versuchten, mit ihrer Kunst den Reformationsgottesdienst in der Martinskirche zu ver- schönen und ließen sich hören an den Unterhaltungsabenden der Schule.

Der Zeichen- und Kunstunterricht strebte auch in diesem Jahre eine Anlehnung des Lehrstoffes an die kulturkund- lichen Fächer an. In den oberen und mittleren Klassen versuchten sich die Schüler in den verschiedensten Techniken der graphischen Künste.(Linoldruck, Radierung.) Durch fleißiges Uben von Kunstschriften waren unsere Schüler in der Lage, das Gelernte in den Dienst der Schule zu stellen. (Plakat, Einladungskarten.)

Kunstbetrachtung wurde im engsten Zusammenhang mit dem Zeichenunterricht getrieben, die oberen und mittleren Klassen besuchten die Kasseler Kunstsammlungen(neue und alte Galerie) sowie alle bedeutenden Ausstellungen des Kunstvereins..

Der Werkunterricht. Von den beiden planmäßig vorgesehenen Kursen litt der für Papparbeiten stark unter dem Lehrer- wechsel, der nach dem Weggange des Zeichenlehrers Böttcher unvermeidbar war. Der Kursus für Holz- und Metall- bearbeitung stand unter der bewährten Leitung von Herrn

Lehrer Hildebrand. Er berichtet darüber folgendes:

Leider brachte uns das Arbeitsjahr 1929 30 nicht die ge- wünschte Erweiterung unserer Werkstatteinrichtung. Wir hatten gehofft, die vorhandene Einrichtung durch ein bis zwei Hobelbänke und die entsprechenden Werkzeuge ergänzen

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zu können. Die zur Verfügung stehenden Mittel reichten aber gerade nur zur Materialbeschaffung und zum Ersatz einiger unbrauchbar gewordener Werkzeuge aus. Wir ver- arbeiteten, wie bisher, Kiefern-, Tannen-, Buchen- und Erlen- holz, Weiß-, Schwarz- und Messingblech.

Einige schwierigere Techniken, die in besonderem Maße geübt wurden, seien erwähnt: Das Fournieren, Zinken, Zapfen und Nuten. Die Metallbearbeitung beschränkte sich auf die Verarbeitung von Weiß-, Schwarz- und Messingblech, Band- und Rundeisen.

An Verfahren wurden das Schneiden, Sägen und Feilen, das Falzen und Kaltbiegen, das Löten, Bohren, Nieten, Ge- windeschneiden und Verschrauben angewendet.

Angefertigt worden sind für die Schule:

Ein schweres Untergestell für den Amboß, drei große Re- gale zur Aufbewahrung von Akten, eine Tafel, 120 95 cm, als Ergänzung der Stundentafel, acht Apparate zur Messung von Horizontal- und Vertikalwinkeln u. a.

Für den eigenen Bedarf der Schüler:

Kästen zur Aufbewahrung von Zeichenbedarf, Lampenfüße für elektrische Tischlampen, Leuchter, allerlei Haushaltungs- gegenstände, Lehrmittel, wie Holzgestelle für große Fern- rohre, Elektromotore, Flugzeugmodelle u. a. m. Daneben ist eine große Anzahl von Schulinventar ausgebessert worden: Schulbänke, Hocker, Schemel, Kästen für Unterrichtsmittel, Modelle u. dergl.

Sehr wünschenswert wäre es nun, wenn im Interesse des Unterrichts und der Arbeitsleistung die Werkstätteneinrich- tung im kommenden Jahre weiter ausgebaut werden könnte.

Leibesübungen. Jede Klasse hat wöchentlich zwei Turn- und zwei Spielstunden. Sechs kleinere Klassen waren zu drei Turnabteilungen vereinigt; je zwei Turnklassen bezw. Turnabteilungen bildeten eine Spielabteilung. Es waren ins- gesamt 18 Turnabteilungen und 10 Spielabteilungen vor- handen. Geturnt wurde in der Halle oder im Freien, je nach den Erfordernissen des Unterrichts oder des Wetters. Die Spielabteilungen übten auf den Sportpläten am Waldauer Fußweg und ein Teil der Oberklassen auf der Hessen- kampfbahn. Während des Winters trat Turnen an Stelle des Spiels, doch benutzten viele Klassen günstige Tage zum Spielen und Uben im Freien.