Jahrgang 
1903
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Oberrealschulen führte zu dem milslichen Zustande, dafs innerhalb derselben Stadt bei völlig gleich- artigen Schulformen die Erlangung der Einjährigen-Berechtigung nicht auch an völlig gleiche Be- dingungen geknüpft ist. Dadurch wird einerseits ein Andrang zur Oberrealschule herbeigeführt, der diese Anstalt nötigt, zahlreiche Anmeldungen abzuweisen, anderseits wird die Entwickelung und die Leistungsfähigkeit der Realschule trotz ihres äusseren Wachstums wesentlich gehemmt. Es kam also vor allem darauf an, durch eine zweckmälsigere Verteilung der vorhandenen Klassen die Vorteile des städtischen höheren Schulwesens allen Teilen der Bürgerschaft und allen Schülern, die die hiesigen lateinlosen Schulen besuchen, gleichmälsig zugänglich zu machen und der infolge der Uberfüllung der hiesigen Oberrealschule drohenden Abwendung des Hinterlandes von der Residenz- stadt Cassel vorzubeugen. Am 27. August beschloss der Magistrat, mit dem Ausbau der Realschule zur Oberrealschule von Ostern 1903 ab zu beginnen. Am 3. Oktober gelangte die Magistrats- Vorlage in der Stadtverordnetensitzung zur Erörterung. Die Stadtverordneten-Versammlung verhielt sich vorläufig ablehnend.

Der gesamte Zeichenunterricht der Anstalt erfuhr im verflossenen Schuljahre eine Umgestaltung nach den neueren methodischen Grundsätzen, die diesen Unterricht nach der künst- lerischen Seite hin zu beleben, der Farbe wieder zu ihrem Recht zu verhelfen, das Zeichnen nach Gebrauchs-, Kunst- und Naturgegenständen in den Vordergrund zu stellen und auch Anregung zu freieren Skizzierübungen zu geben suchen. Zur Ausstattung der Zeichensammlung mit Zinngefälsen, Kunstschmiedearbeiten, Gläsern, ausgestopften Tieren und zur Anschaffung einer groſsen Wandtafel für die Freiarm-Zeichenübungen wurde seitens der Städtischen Behörden ein besonderer Verlag zur Verfügung gestellt. Aus den laufenden Mitteln konnte aufserdem eine hübsche Auswahl der neuen Künstler-Steinzeichnungen, die die Erziehung der Schüler zum Kunstverständnis anstreben, ange- schafft und als Wandschmuck in den Schulräumen verteilt werden. Das durch die Lehrpläne vom Jahre 1901 neueingerichtete Linearzeichnen für Tertia gelangte Ostern 1902 zur Einführung. Am 12. November besuchten die beiden Primen unter Führung der Herren Prof. Dr. Hoebel und Oberlehrer Schröder die städtische Gasfabrik. Herrn Gasdirektor Merz sind wir für die freundliche Aufnahme und die sachgemässe Führung der Schüler zu besonderem Dank verpflichtet.

Erfreulicherweise standen auch in diesem Jahre im städtischen Haushaltsplan wieder Mittel für neusprachliche Reisestipendien zur Verfügung. Ein Betrag wurde an Herrn Oberlehrer Theisen verliehen, der unter Benutzung der Herbstferien einen vierwöchentlichen Studienaufent- halt in Süd-England nahm. Auf der Provinzial-Versammlung der hessischen Oberlehrer zu Geisen- heim war das Kollegium durch Herrn Prof. Dr. Pohler vertreten. Herr Zeichenlehrer Allwohl wohnte zu Pfingsten dem Zeichenlehrertag in München bei.

Zur Erinnerung an den Geburts- und Todestag Kaiser Wilhelms I. und Kaiser Friedrichs hielten die Herren Oberlehrer Dr. Wetzell, Zergiebel, Ripcke und Dr. Koniecki Ansprachen an die im Saale versammelten Schüler. Am Reformationsfeste sprach Herr Oberlehrer

Theisen. Die Sedanfeier wurde am 2. September, 9 Uhr morgens, nach folgender Ordnung

abgehalten: 1. Allgemeiner Choralgesang:Vater, kröne Du mit Segen, Str. 7. 2. Gedichtvortrag:Gebet von P. R. Rosegger(Fritz Lieberg la). 3. Chorgesang: MotettePreiset den Herrn von Hellwig. 4. Ge- dichtvortrag:Einzug von Theodor Fontane. a) 7. Dezember 1864, b) 20. September 1866, c) 16. Juni 1871

(Max Heil Va, Johannes Staub IIb, Johannes Bergermann lb, Hans Haller Illa, Fritz Fre- 3*