Jahrgang 
1900
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Kurt Gaebel, geboren am 24. Dezember 1874 in Graudenz, war von Herbst 1883 bis Ostern 1892 Schüler der Königl. Gymnasien zu Danzig und zu Graudenz und studierte von Ostern 1892 bis Michaelis 1895 zu Marburg, München und Berlin deutsche, englische und romanische Philologie. Im Dezember 1896 bestand er in Marburg die Fakultätsprüfung. Sein Seminarjahr leistete er von Ostern 1897 bis Ostern 1898 an der Klingerschule zu Frankfurt a. M., sein probejahr, für dessen erste Hälfte er zu einem Aufent- halt in Frankreich beurlaubt war, an der Oberrealschule zu Marburg und, in Vertretung eines erkrankten Lehrers, an der Realschule zu Geisenheim ab. Seit Ostern 1899 war er als etatsmässiger wissenschaft- licher Hilfslehrer an der Realschule beschäftigt; im November 1899 wurde er zum Oberlehrer an der

Realschule zu Bielefeld gewählt.

Somit setzte sich das Kollegium wie folgt zusammen: 1. Direktor Dr. Harnisch, 2. Professor Dr. Hoebel, 3. Professor Dr. Pohler, 4. Professor Dr. Kressner, 5. Ober- lehrer Dr. Wetzell, 6. Oberlehrer Dr. Schreiber(zugleich Turnlehrer), 7. Oberlehrer Zergiebel (zugleich Turnlehrer), 8. Oberlehrer Vollhase, 9. Oberlehrer Theisen, 10. Oberlehrer Dr. Heuser(zugleich Turnlehrer), 11. Oberlehrer v. Hanxleden(zugleich Turnlehrer), 12. Ober- lehrer Ripcke, 13. Oberlehrer Dr. Koniecki, 14. wissenschaftlicher Hilfslehrer Gaebel, 15. Zeichenlehrer Allwohl, 16. Lehrer Grün, 17. Lehrer Markert, 18. Kaplan Lammeyer (als katholischer Religionslehrer), 19. Seminarlehrer Katz(als israelitischer Religionslehrer).

Ostern 1899 wurde als zwölfte Klasse eine zweite Prima eingerichtet, womit der Ausbau der Realschule zur Doppelanstalt zum Abschluss gelangt ist. Für das Linearzeichnen wurde ein neuer Raum eingerichtet; die Wände der Klassenzimmer und der Gänge erhielten eine angemessene Ausschmückung; zwei weitere Klassen wurden mit zweisitzigen Rettigbänken aus- gestattet; die Turnhalle erhielt eine Sprengvorrichtung, das physikalische und das chemische Lehr- zimmer eine verbesserte Gas- und Wasserleitungsänlage, sowie Anschluls an das Städtische Elektrizitätswerk. In Bezug auf den wesentlichsten Mangel des Schulgebäudes, das Fehlen eines für die vergrösserte Schülerzahl ausreichenden Versammlungssaales, ist im vergangenen Jahre noch keine Anderung eingetreten.

Fur den fremdsprachlichen Unterricht wurden die neu eingeführten Lehrbücher in Benutzung genommen, wodurch sich auch für den Gedächtnisstoff mancherlei Anderungen er- gaben. Ausserdem erfuhren die Schulgesetze eine Neubearbeitung. Herr Oberlehrer Zergiebel unterzog sich der dankenswerten Mühe, die auf über 1000 Bände angewachsene Schülerbibliothek sachgemäss auf die einzelnen Klassenstufen zu verteilen.

Zur Erinnerung an den Geburts- und Todestag Kaiser Wilhelms I. und Kaiser Friedrichs hielten der Direktor, bezw. die Herren Prof. Dr. Hoebel, Prof. Dr. Kressner und Zeichenlehrer Allwohl Ansprachen an die im Saale versammelten Schüler. Am Reformations- feste sprach der Direktor; am Schlusse seiner Ansprache verteilte er 22 von dem Herrn Minister als Geschenk übersandte Abzüge der Urkunde über die Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem an würdige evangelische Schüler der beiden Primen und Secunden.

Aus Anlals des in Cassel im Mai 1899 in Anwesenheit der kaiserlichen Majestäten statt- fndenden deutschen Gesangwettstreites waren die Pfingstferien seitens des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums um drei Tage verlängert worden. Bei dem feierlichen Einzuge des Kaiserpaares am Donnerstag, den 25. Mai, beteiligte sich die Realschule mit den Schülern der drei oberen Klassenstufen an der Spalierbildung auf dem Wege vom Bahnhof bis zum Schlols.