Jahrgang 
1900
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Die Schüler zogen mit der Trommlerabteilung und den Klassenfahnen auf. Auch die neue, zur Feier des 10 jährigen Bestehens der Austalt gestiftete Schulfahne war rechtzeitig genug ein- getroffen, um bei dem Einzuge des Kaisers zum ersten Male entfaltet zu werden. Am Einzugs- tage, morgens 9 Uhr, fand in dem Schulsaale die Fahnenweihe statt. Nach dem gemein- samen ChoralgesangLobe den Herren trug der Primaner Joeckel einen von Herrn Oberlehrer Zergiebel gedichteten schwungvollen Festgruls vor. Es folgte die vom Chor gesungene Motette Herr, deine Güte reicht so weit, worauf der Direktor die Weiherede bielt, der die Weihe- worteGott Vaterland Pfliicht zu Grunde lagen. Die Mittel für die Schulfahne waren ausschliefslich durch freiwillige Beiträge besonders früherer Schüler, die sich auch zahlreich zu der Fahnenweihe eingefunden hatten, aufgebracht worden. Die Fahne ist aus bester Seide ge- fertigt, die Stickereien sind durchweg Handarbeit; die vorzügliche Ausführung macht der Hildes- heimer Fahnenfabrik von Dreyher alle Ehre. Die Fahne, auf der einen Seite rot, auf der anderen weils, trägt die Farben des hessischen Heimatlandes. Auf dem weiſsen Felde erhebt sich in kunstvoller Seidenstickerei der schwarze Reichsadler, dem als Brustschild das Casseler Stadt- wappen, der blaue Schild mit dem silbernen Querbalken und den 13 silbernen Kleeblättern auf- gelegt ist. Die rote Fahnenseite trägt in Goldstickerei den Namen der Anstalt, umrahmt von grünenden Eichenzweigen, um die sich das schwarz-weils-rote Band schlingt. Die Feier fand ihren Abschluls mit einem Kaiserhoch und dem gemeinsamen Gesange desHeil dir im Sieger- kranz.

Acht von dem Herrn Minister der Anstalt als Geschenk überwiesene Abzüge des Pracht- werkesUnser Kaiser wurden in der Schlufsfeier am 1. Juli 1899 verliehen an die Schüler Friedrich Zeuch(Ib), August Noll(II a), Karl Badenhausen(IIb), Max Loeser(IIIa), Rudolf Boye(IVa), Otto Bächstädt(IV b), Friedrich Wenderoth(Va) und Jo- hannes Bergermann(V b). Dasselbe Werk erhielt bei der Weihnachtsfeier der Primaner Georg Rüdiger.

Am 28. August 1899 wurde der 150jährige Geburtstag Goethes durch eine gemeinsame Schulfeier festlich begangen. In der Festrede besprach Herr Professor Dr. Krelsner in fesselnder Weise den Lebensgang und die wichtigsten Dichtungen Goethes. Der Feier lag folgende Ordnung zu Grunde:

1. Allgemeiner Choralgesang: Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, Str. 1 und 5. 2. Festrede: Herr Professor Dr. Krelsner. 3. Chorgesang: MorgengesangLobt den Herrn von Rolle. 4. Vortrag Goethescher Gedichte: Das Hufeisen(Tohannes Kugler, Vb); Der getreue Eckart(Rudolf Boye, IV a); Der Sänger(Wilhelm Kirschstein, IIIb). 5. Gesang der Quinta b: Gefunden, von Goethe. 6. Vortrag Goethescher Gedichte: Erlkönig(BJeinrich Nickel, IIb); Der Zauberlehrling(Otto Schöne- mann 1b). 7. Chorgesang: Haidenröslein, von Goethe.

Die Sedanfeier, bei der u. a. eine Tondichtung des Herrn. Professor Dr. Hoebel zum Vortrag gelangte, wurde am 2. September, 9 Uhr morgens, nach folgender Ordnung abgehalten:

1. Allgemeiner Choralgesang:Herr Gott, dich loben wir, Str. 1 und 2. 2. Vortrag: Vergiſs, mein Volk, die treuen Toten nicht, von Ludwig Auerbach(Joh annes Staub, IV b). 3. Vortrag: Der arme Mann, von Johannes Trojan(Gustav Schott, Va). 4. Chorgesang:Dir möcht' ich diese Lieder weihen, von K. Kreutzer. 5. Vortrag: Auf Wilhelmshöhe im September 1870, von Johannes Trojan (Wilhelm Gatzemeyer, VIa). 6. Vortrag: Schultze bei der Heimkehr seiner Jungen, von Julius Lohmeyer(Wilhelm Mergard, IIa). 7. Gesang der Quinta a: Torgauer Marsch. 8. Vortrag: Fest-

lied zu Bismarcks 80. Geburtstage, von Paul Warncke(Kurt Hahn, IIIa). 9. Vortrag: Schlufsstück aus 3