— 19— und zwar ist dabei auf das Ergebnis der vor der Königlichen Prüfungskommission für Einjährig- Freiwillige abgelegten Prüfung keinerlei Rücksicht zu nehmen, sondern lediglich nach den Bestimmungen
zu verfahren, die für die Aufnabmo neuer Schüler— namentlich auch betrefts der Klassenstute— massgebend sind.“
III. Jahresbericht.
Das Schuljahr begann Montag den 22. April 1895 mit der Aufnahmeprüfung, der sich 177 Schüler unterzogen. Von diesen hatten sich 141 für Sexta, 36 für eine höhere Klasse gemeldet; es wurden 155 Schüler aufgenommen, davon 125 nach Sexta.
Am folgenden Tage, Dienstag, den 23. April, fand die feierliche Einführung des Unter- zeichneten durch Herrn Provinzial-Schulrat Dr. Pähler statt. Zu dieser Feier waren ausser dem Lehrerkollegium als Vertreter des Kuratoriums die Herren Bürgermeister Klöffler und Stadt- schulrat Bornmann, als Vertreter des Stadtrats die Herren Oberbürgermeister Westerburg, Karl Has und Fel. Traube, ferner der Vorgänger des Unterzeichneten im Amte Herr Direktor a. D. Dr. Ackermann, Mitglied des Stadtrates, das Mitglied des Bürgerausschusses Herr Andreas Schmidt, der ehemalige Oberlehrer an der Oberrealschule, Herr Prof. Dr. Kessler, der Direktor des Realgymnasiums Herr Dr. Wittich, der Nachfolger des Unterzeichneten im Direktorat der Realschule, Herr Dr. Harnisch, und der Leiter der räumlich benachbarten Bürgerschule 9, Herr Rektor Weber, erschienen. Von Schülern waren so viel zugelassen als der Raum gestattete: die oberen Klassen bis einschliesslich Ober-Tertia, die Chorsänger sowie Vertreter der anderen Klassen.
Nachdem ein Choral die Feier eingeleitet, ergriff Herr Provinzial-Schulrat Dr. Pähler das Wort. Derselbe wies auf die Bedeutung des Tages hin, dankte den Vertretern des Kuratoriums und der städtischen Behörden, dass sie der Einladung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums Folge geleistet und dadurch einen erfreulichen Beweis von dem lebendigen Interesse geliefert haben, welches die städtischen Organe an dem Gedeihen und Aufblühen der Lehranstalt nehmen, auf der zum Teil die Hoffnung der Stadt ruht. Er zollte der Stadt dankbare Anerkennung für die Für- sorge, welche dieselbe seit mehr als fünfzig Jahren der Anstalt gewidmet, und insbesondere für den bedeutungsvollen Beschluss, der blühenden Anstalt ein neues, würdiges, grösseres und schöneres Heim zu geben. Sodann widmete Herr Provinzial-Schulrat Dr. Pähler dem ausgeschiedenen Direktor, Herrn Dr. Ackermann, herzliche Worte des Dankes für alles, was er zwei Jahrzehnte lang in treuer, hingebungsvoller, aufreibender Thätigkeit als Lehrer und Leiter der Anstalt geleistet, und dankte auch dem ersten Oberlehrer der Anstalt, Herrn Prof. Feitel, für die umsichtige und besonnene Führung der Geschäfte im letzten Jahre. Darauf hiess derselbe den Unterzeichneten mit über- aus herzlichen und liebenswürdigen Worten willkommen, versicherte ihn des Vertrauens der vorge- setzten Behörden und drückte die Erwartung aus, dass es ihm gelingen werde, die Aufgaben zu lösen, welche eine so übergrosse Schule ihrem Leiter stellt, dass es ihm insbesondere beschieden sein möge, die einzelnen Mitglieder des umfangreichen Lehrkörpers der Anstalt in Einmütigkeit zusammen wirken zu sehen Nach einer Ermahnung an die Schüler schloss der Redner mit der Bitte:„Es möge Gottes Segen auch ferner auf dieser hoch angesehenen Schule ruhen, dass aus ihr ein Geschlecht hervorgehe, das fest steht in Treue gegen Kaiser und Reich, ein Geschlecht, das eine Zierde dieser schönen und bedeutenden Stadt und in schweren Zeiten der Gefahr eine Stütze sei für Thron und Altar!“
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