Jahrgang 
1926
Einzelbild herunterladen

8

ihrer Neigung in Wissensgebiete einzelner Lehrfächer eingeführt werden sollen, die über die allgemeinen

Ziele des betreffenden Lehrfachs im Klassenunterricht hinausführen. Dieser Vertiefungsunterricht umfaßte

folgende Lehrgebiete:

a) Deutsch(2 Stunden) Sommerhalbjahr: Einführung in die Lyrik des Mittelalters. Minnesangs Frühling. (UI, OII 19 Schüler). Winterhalbjahr: Das moderne Drama; insbesondere Einübung von Gogols Revisor für die Abendunterhaltung(O10 II 14 Schüler). Studienassessor Sierig.

b) Altsprachlich(Sommerhalbjahr): Studiendirektor Dr. Luckhard führte an Hand von Vasenbildern in antike Kunstgeschichte ein(OI, UI 14 Schüler). Winterhalbjahr: Studienrat Dr. Feyerabend leitete die Lektüre ausgewählter Abschnitte zur Geschichte der sozialen Frage in Rom(Gracchische Reformen; Sklavenkrieg; OI 7 Schüler).

c) Neusprachlich(2 Stunden) SWH: Übungen im mündlichen Gebrauch der Sprache im Anschluß an kleine Erzählungen, Anekdoten Lektüre von: A survey of India to-day(Selections from the Manchester Guardian) Ausgewählte Kapitel von Sander Cliffe, Großbritannien(O1OII 31 Schüler in 2 Grappen).

Studienrat Ziegler.

d) Geschichtlich(2 Stunden) Winterhalbjahr: Oberstudienrat Dieterich leitete Übungen in hessischer Heimat- geschichte(UI, OII 17 Schüler).

e) Naturwissenschaftlich(2 Stunden) SWH: Grundlagen der drahtlosen Telegraphie und Telephonie sowie Theorie und Praxis der einfachen Empfangs- und Verstärker-Schaltungen für den Rundfunk. Besich- tigung des Casseler Senders(OI OII 27 Schüler). Studienrat Lau.

f) Die bei der schriftlichen Reifeprüfung Ostern 1926 gestellten Aufgaben.

Deutscher Aufsatz: Es wurden folgende vier Themen zur Wahl gestellt:

1.Der Eine fragt: Was kommt danach? Der Andre fragt nur: Ist es recht? Und also unterscheidet sich

der Freie von dem Knecht.(Storm.)

2. Welche Kunstauffassung entwickelt Schiller in seiner SchriftUber das Pathetische, und welcher Fort- schritt ist gegenüber früheren Anschauungen festzustellen?

3.lathe biosas(Welche ähnlichen Erscheinungen finden wir in der Geschichte der Menschheit, und wie stellen wir uns als Menschen der Gegenwart zu diesem epikureischen Lebensideal?)

4. Was soll der junge Staatsbürger aus der Geschichte des 19. Jahrhunderts für die Gegenwart lernen?

Lateinische Arbeit: Plinius, Episteln V, 5. Griechische Arbeit: Solon, Elegien 4, 5. Mathematische Arbeit:

1. Untersuche die Kurve y=(X 2)(2 X*+ 1) auf Nullstellen, Hoch-, Tief- und Wendepunkte und zeichne sie in dem Bereich zwischen X=+ 1,5 und Xx= 1,5.(Für die Zeichnung ist als Einheit die Strecke 2 cm zu nehmen.) Wie kann man aus dem Wert des 2. Differentialquotienten ersehen, an welchen Stellen des angegebenen Bereiches die Kurve nach unten konvex bzw. konkav ist?

2. Gegeben ist ein Würfel von der Kante a.

a) Wie groß ist die Kante x eines Würfels, dessen Rauminhalt doppelt so groß ist als der des gegebenen?

b) Der griechische Mathematiker Menächmus, ein Schüler Platos, führte die Aufgabe der Würfelverdopplung auf die Aufgabe zurück, 2 Strecken x und y zu finden, sodaß a: xX= X: y= y: 2a ist. Weise die Richtig- keit dieser Auffassung nach und erläutere sie an einer Figur.

c) Beweise, daß man eine graphische Lösung der Aufgabe von der Würfelverdopplung auch echält, wenn man den Kreis, der durch den Nullpunkt eines Koordinatensystems geht und dessen Mittelpunkt die

Koordinaten(u 2 2) hat, mit der Parabel schneidet, die symmetrisch zur Achse liegt, durch den Null-

2 punkt geht und deren Brennpunkt im Punkte(2 2 0) Uegt. Führe die Konstruktion aus und vergleiche das Ergebnis dieser graphischen Lösung mit dem Ergebnis der Rechnung.(a= 4 m).