Jahrgang 
1929
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von einem Gleis auf das andere gefahren, bis wir ſchließlich auf einem toten Gleiſe unſere Bahnhofsrundfahrt beendeten. Immerhin geſtattete uns dieſe Rundfahrt doch einen Blick auf den wegen des großen Arbeiterſängerfeſtes reich geſchmückten Bahnhofsplatz. In der kurzen Zeit unſeres Aufenthaltes lief eine große Zahl von Sonderzügen ein, die bis auf den letzten Steh⸗ platz mit Feſtgäſten gefüllt waren. Nach der Ankunft in Bremen zogen wir mit Muſik durch die Stadt und fanden für die erſte Nacht Unterkunft in der weit außerhalb liegenden Jugend⸗ herberge. Am nächſten Morgen brachte uns der Zug nach Bremerhaven und auf den Dampfer Roland, der den Fremdenverkehr zwiſchen Helgoland und dem Feſtland vermittelt. Schon auf dem Lande hieß es,es ſei nicht ruhig draußen. Daß eine ganze Reihe Fahrgäſte das Meer auf der Hinfahrt nicht von der angenehmſten Seite kennen lernte, kann daher niemandem Wunder nehmen. Bis zur Ausfahrt aus der Weſermündung war wohl noch alles heil und geſund. Doch dann machten ſich die verdächtigen Anzeichen der Seekrankheit bemerkbar. Bei einer ſolchen Seefahrt auf bewegtem Meere tritt eine häßliche menſchliche Eigenſchaft deutlich zu Tage: das iſt die Schadenfreude. Sobald ſich einer anſchickte, ſich ſeines Mageninhaltes auf eine etwas ungewöhnliche Weiſe zu entledigen, rief er das ſchadenfrohe Gelächter aller Umſitzenden hervor. Oft folgte die Strafe für die Schadenfreude ſehr bald. So war für manchen der An⸗ blick der aus dem Meere auftauchenden Felſeninſel Erlöſung und Befreiung von einem unan⸗ genehmen Zuſtande. In Helgoland wurden wir zur Nacht auf die Jugendherberge und ein Volkserholungsheim verteilt. Der Nachmittag ſah uns Streifzüge auf eigene Fauſt durch das Ober⸗ und Unterland unternehmen, während die Kapelle den Kurgäſten ein Platzkonzert gab. Abends machten wir geſchloſſen einen Rundgang um die Inſel. Beſondere Aufmerkſamkeit erregte der Lummenfelſen, auf dem die Vögel zu vielen Hunderten ſaßen. Hatten wir das Meer auf der Hinfahrt auch ſchon kennen gelernt und gar mancher hat dieſe Kenntnisnahme quittiert ſo erhielten wir doch erſt den richtigen Eindruck von der majeſtätiſchen Größe und Einſamkeit des Meeres auf dieſem Rundgang. Der übrige Teil des Abends ſtand perſönlichen Wünſchen offen. Noch ein großartiger Anblick bot ſich an dieſem Abend unſeren Augen. Der Leuchtturm war in Tätigkeit getreten und ſandte ſeine drei ſtarken Lichtarme in die dunkle Nacht hinaus, für die meiſten von uns ein noch nie geſehener und unvergeßlicher Anblick. Am nächſten Morgen erhielten wir einen Einblick in das intereſſanteſte Inſtitut Helgolands, das Aquarium. In den rieſigen Glaskäſten ſahen wir Fiſche von oft geradezu grotesken Geſtalten, Hummern und kleine Seetierchen. Ein jedes Tier fand in ſeinem Glaskaſten dieſelben Lebensbedingungen wie im Meere vor. Staunend ſtanden wir vor den Tieren, die ſich in verblüffender Weiſe in Form oder Farbe ihrer Umgebung angleichen. Wohl das größte Intereſſe erregte der Seehundbehälter, der ſtets von einer großen Schaar Schauluſtiger umringt war. Zu einer kleinen Feier geſtaltete ſich unſer Zug zu dem Denkmal Hoffmanns von Fallersleben. Ein Strom von Einheimiſchen und Kurgäſten begleitete uns. Am Denkmal ſtimmte die ganze Menge beim Abſingen des Deutſchland⸗ liedes begeiſtert mit ein. Dieſe Feier bildete gewiſſermaßen den Abſchied von Helgoland. Auf der Rück⸗ fahrt lernten wir das Meer nun auch von ſeiner angenehmen Seite kennen. Bei glatter See und ſchönſtem Sonnenwetter wie überhaupt während der ganzen Turnfahrt das Wetter gut war erreichte das Schiff Bremerhaven. Unſer Aufenthalt dort und in Bremen geſtaltete ſich zum Höhe⸗ punkt unſerer Helgolandfahrt. Erlebten wir doch in dieſen beiden Städten zuſammen mit der be⸗ geiſterten Bevölkerung die Ankunft der Ozeanflieger. Mit Worten die Begeiſterung, die vor allem in Bremen herrſchte, wiederzugeben, iſt unmöglich. Die Gymnaſialkapelle war die erſte Kapelle,