Jahrgang 
1929
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welche die Ozeanbezwinger auf deutſchem Boden begrüßte. Vor unſerer Abfahrt nach Bremen be⸗ ſichtigten wir den größten deutſchen Paſſagierdampfer, auf dem die Flieger in ihre Heimat zurück⸗ gekehrt ſind, denColumbus. Schon nach kurzer Führung hätte wohl keiner von uns mehr angeben können, waren wir im Bug oder Heck oder Mitteeſchiff, waren wir back⸗ oder ſteuer⸗ bord. Ein Gewirr von Treppen und Gängen. Von den Kabinen der dritten Klaſſe ging es durch die Küchen, die Bäckerei, durch die Kabinen der erſten und zweiten Klaſſe zu den mit allem Komfort eingerichteten Speiſe⸗ und Rauchſälen. Ganz befangen von dem vielen Geſehenen verließen wir wieder das rieſige Schiff. In Bremen bot ſich uns die Gelegenheit zu einer Stadtrundfahrt. Manchmal ſchien es unmöglich, durch die rieſigen Menſchenmaſſen durchzu⸗ kommen, und einmal fuhren ſich unſere Autos derartig feſt, daß ſie weder vor⸗ noch rückwärts konn⸗ ten. Doch bei dieſem unfreiwilligen Aufenthalte ſahen wir die Flieger zum zweiten Male in unmit⸗ telbarer Nähe an uns vorüberfahren. Für das Verhalten der Menſchenmengen gibt es nur einen paſſenden Ausdruck: Sie waren außer Rand und Band. Die dichte Schupokette wurde durchbro⸗ chen, das Auto umringt, viele Hände ſtreckten ſich den Fliegern zu herzlichem Druck entgegen. Stür⸗ miſche Hochrufe drangen aus den Reihen der Maſſen zu ihnen. Je nachdem das Auto der Flieger näherkam oder ſich entfernte, ſchwoll der Sturm der Begeiſterung an oder verebbte allmählich. Nur langſam verliefen ſich die Menſchenmaſſen nach dem Abſtieg der Flieger in ihrem Hotel. Weiter führte uns die Stadtfahrt über den wunderbar geſchmückten Marktplatz durch das große Spei⸗ cherviertel des Hafens zum Bürgerpark. In den Anlagen des Parkhauſes erholten wir uns bei guter Muſik von der anſtrengenden Fahrt. Von Bremen ging die Rückfahrt nicht, wie zuerſt vorgeſehen war, über Hannover, ſondern über die Porta Weſtfalica. Auf dieſe Weiſe lernten wir als würdigen Abſchluß all der vielen Sehenswürdigkeiten unſerer Fahrt das mächtige Kaiſer⸗ Wilhelm-Denkmal kennen. Bei Detmold grüßte uns das hochaufragende Hermannsdenkmal. Scharf hob ſich die mächtige Silhouette vom Abendhimmel ab. Singen und mancher Scherz ver⸗ kürzten uns den letzten Teil der Fahrt. Corbach empfing ſeine froh und geſund zurückkehrenden Kloſterſchüler mit herzlicher Freude. Eine große Menſchenmenge folgte dem Zuge vom Bahnhof zum Gymnaſium. Hier dankte ich im Namen meiner Kameraden unſerem Herrn Direktor und dem Lehrerkollegium, daß uns auch in dieſem Jahre wieder eine, und zwar wunderbar ſchöne Fahrt ermöglicht worden war. Herr Studiendirektor Dieterich wies dann in ſeiner Anſprache auf den Zweck der Turnfahrten und die Bedeutung der an Erlebniſſen ſo reichen diesjährigen Fahrt hin und ſprach allen Beteiligten, insbeſondere Herrn Studienrat Engelhardt, für die ſorg⸗ fältige Vorbereitung und gute Durchführung ſeinen herzlichen Dank aus. Derartige Fahrten ſeien nur möglich, wenn eine ſo erfreuliche Zuſammenarbeit zwiſchen Lehrkörper und Schülerſchaft be⸗ ſtehe wie am Landesgymnaſium. Mit dem Wunſche, daß der Wahlſpruch der BremenfliegerEi⸗ ner für alle, alle für einen ebenſo wie für ganz Deutſchland, ſo auch für unſer künftiges Zu⸗ ſammenleben in der Schule Geltung haben möge, brachte er ein dreifaches Hoch auf unſere alte Kloſterſchule aus. Mit dieſer Anſprache des Herrn Studiendirektor Dieterich fand die Helgo⸗ landfahrt ihr Ende.

Mag manche alte Corbacher Erinnerung in ſpäteren Jahren unſerem Gedächtnis entſchwin⸗ den, die Turnfahrten unſerer alten Kloſterſchule werden uns eine dauernde, unvergeßliche Er⸗ innerung bleiben. Karl⸗Wilhelm Euler, Oberprima.