Jahrgang 
1886
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als eine weite Halle uns auffordere, Herz und Sinn zu erweitern, ſodann wie ſie als ein dem alten Kloſter zugefügter und ſo der mönchiſchen Gebundenheit früherer Jahrhunderte gegenüber die Freiheitunſerer Tage verſinnbildlichender Raum uns die Aufforderung nahe lege, uns ſolcher Freiheit würdig zu zeigen und nach wahrer Freiheit zu ſtreben, und endlich wie der helle, lichte Saal uns mahne, auch in unſerm Herzen es licht und hell werden zu laſſen durch Pflege der Ideale und durch die Begeiſterung für die heiligſten Güter der Menſchheit. Es folgten dann abwechſelnd Geſänge und Deklamationen der Schüler; der Primaner Steinmetz redete lateiniſch über die Kriege Napoleons mit den Deutſchen, der Primaner Maurer in deutſcher Sprache über die Bedeutung des Hermannsdenkmals. Nach einem Gebet ſchloß die würdige Feier mit dem allgemeinen Geſang des ChoralsNun danket alle Gott. Nach der Beendigung der Feier ſprach Se. Durchlaucht der Fürſt, welcher allen Vorträgen mit der lebhafteſten Teilnahme gefolgt war, Höchſtdero volle Befriedigung über das Feſt aus und unterhielt Sich auf das huldreichſte mit mehreren Lehrern und Schülern, die Se. Durchlaucht Sich hatte vorſtellen laſſen.

Nachmittags fand das Feſt eine ſchöne Fortſetzung in einem von der Schülerkapelle veran⸗ ſtalteten ſehr zahlreich beſuchten Konzerte auf dem Schmalz'ſchen Felſenkeller. Ein fröhlicher Tanz bildete den Schluß des ſchönen Tages, an welchen alle, die ihn mitgenoſſen haben, gewiß mit Vergnügen zurückdenken werden.

Die Sommerferien dauerten vom 5. Juli bis 3. Auguſt.

Am 13. Auguſt 10 Uhr morgens brach in unſerer Stadt eine große Feuersbrunſt aus, die bei dem heftigen Winde in kurzer Zeit eine große Zahl Häuſer ergriff und auch das Gymnaſial⸗ gebäude in nicht geringe Gefahr brachte, da ganz in der Nähe deſſelben drei Häuſer von den Flammen verzehrt wurden. Eine Anzahl Schüler erlitt durch den Brand zum Teil nicht unerheb⸗ lichen Schaden an ihrer Habe. Der weitere Unterricht an dieſem ſowie dem folgenden Tage mußte ausfallen.

Die ſchriftliche Prüfung der Abiturienten fand vom 18. bis 22. Auguſt ſtatt, die mündliche wurde unter dem Vorſitze des Herrn Provinzialſchulrats Dr. Lahmeyer am 27. Auguſt abgehalten. Allen 7 Abiturienten konnte das Zeugnis der Reife zuerkannt werden; drei von ihnen wurden von der mündlichen Prüfung dispenſiert.

Aufgaben für die ſchriftliche Prüfung: Deutſcher Aufſatz: Was berechtigte Hutten zu dem Ausſpruch: O Jahrhundert! Die Geiſter erwachen, es iſt eine Luſt zu leben? Lateiniſcher Aufſatz: M. Tullius Cicero quibus maxime virtutibus laudem sit assecutus. Überſetzung aus dem Griechiſchen ins Deutſche: Xen. Mem. 1, 2, 12 17. Mathematik: 1) Jemand glaubt, ſeine Arbeitskraft reiche noch 20 Jahre aus. Er ſpart in dieſer Zeit jährlich 600 Mark und legt ſie auf Zinſen. Wie lange kann er nach Ablauf der 20 J. noch eine Jahresrente von 1200 M. genießen, die Zinſen zu 5% gerechnet? 2) Ein Paralleltrapez zu konſtruieren aus den beiden parallelen Seiten(a, c), dem Verhältnis der beiden nicht parallelen Seiten(h:d= m:n) und der Höhe h. 3) Die Stücke eines Dreieckes(Seiten, Winkel, Flächeninhalt, die Radien des umſſchriebenen Kreiſes und der Berührungskreiſe) zu brerechnen aus der Summe zweier Seiten(a+ b), dem von ihnen eingeſchloſſenen Winkel (p) und der Summe der Radien der dieſen Seiten anbeſchriebenen äußeren Berübrungskreiſe((a+ 0 b). Beiſpiel: a+ b= 565 cm:= 74° 16, 20; 9 a+ 0 b= 475,6 cm. 4) Ein gerader abgeſtumpfter Kegel aus Tannenholz ſoll ſo mit einer Bleikugel verbunden werden, daß die verbundenen Körper im Waſſer ſchweben. Welcher Durchmeſſer muß der Bleikugel gegeben werden, wenn das ſpezifiſche Gewicht des Tannen⸗ holzes und des Bleies' iſt und die Radien(r und§) und der Neigungswinkel der Seitenlinie gegen die Grundflaͤche des Kegels(«) gegeben ſind? 0,55;= 11,389; r= 55,46 cm:= 35,68 em: X= 73° 14. 30*.

Das Sedanfeſt wurde am 2. Sept. in üblicher Weiſe durch einen Redeakt gefeiert, wobei