Jahrgang 
1886
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13 III. Chronik des Gymnaſtums.

Das Winterſemeſter 188481 s begann am 8. Sept. 1884 und ſchloß mit dem 28. März 1885.

Am 27. Sept. fand unter dem Vorſitz des Herrn Provinzialſchulrats Dr. Lahmeyer die mündliche Prüfung von 11 Abiturienten ſtatt, welche ſämtlich beſtanden.

Die Aufgabe für den deutſchen Aufſatz lautete: Inwiefern gilt auch vom brandenburgiſch⸗preußiſchen Staate, was Livius vom römiſchen ſagt: Audendo atque agendo crevit? Die zum lateiniſchen Aufſatz: M. Atilius Regulus res Romanorum ut clade in Africa accepta afflixit, ita pietate ac fide auxit. Aus dem Griechiſchen ins Deutſche wurde überſetzt Nen. Mem. I, 2§. 1 4 und 5 8. Die mathematiſchen Aufgaben waren fol⸗ gende: 1) Ein Dreieck zu konſtruiren aus einer Höhe, der Transverſalen nach derſelben Seite und der Differenz der an dieſer Seite liegenden Winkel, alſo aus: ha, ta, 5y= d. 2) Die Seiten, Winkel und den Flächen⸗ inhalt eines Dreieckes zu berechnen, wenn gegeben iſt: der Radius des einbeſchriebenen Kreiſes(9), die Differenz aus der Summe zweier Seiten und der dritten Seite(a+ b e ch und der Winkel. 3) Vermindert man die letzte von 3 Zahlen um 1, ſo erhält man eine arithmetiſche Reihe; vermehrt man ſie jedoch um 1, ſo wird die Reihe geometriſch. Welches ſind jene Zahlen, wenn ihre Summe 37 beträgt? 4) Unter welchem Winkel muß eine Kraft P gegen eine ſchiefe Ebene mit dem Neigungswinkel a wirken, wenn ſie eine Bleikugel, deren Volumen gleich einem geraden Kegel mit dem Radius r und der Höhe h iſt, am Herabfallen hindern ſoll? Wieviel Zeit gebraucht die Kugel, um die ſchiefe Ebene zu durchfallen, wenn die Länge derſelben I iſt und von der Rei⸗ bung abgeſehen wird? P= 19,5 kg: a⁴= 15° 40, 35:= 15,46 cm; h 22,34 ecm; ſpezifiſches Gewicht des Bleies 8= 11,352: 1= 350 m.

Am 1. Okt. traten zwei neue Lehrer an der Anſtalt in Thätigkeit, als vierter ordentlicher Lehrer G. Weidenbach, als wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer Heinrich Michel, beide bis dahin am Gym⸗ naſium zu Rinteln beſchäftigt.

Guſtav SSeidenbach, geboren am 15. Dezember 1855 zu Minden in Weſtfalen, beſuchte bis Oſtern 1876 das Gymnaſium zu Dillenburg und ſtudierte ſodann in Marburg und Leipzig klaſſiſche und deutſche Philologie. Von April 1881 bis ebendahin 1882 genügte er ſeiner Militärpflicht als Einjährig⸗Freiwilliger zu Cöln(Patent als Reſerve⸗Offizier vom 12. Juli 1884). Nachdem er am 24. November 1882 zu Marburg das Staatsexamen beſtanden, wurde er vom 1. Januar 1883 ab dem Königlichen Gymnaſium zu Dillenburg als Probekandidat zu⸗ gewieſen und verſah zugleich von Oſtern 1883 bis ebendahin 1884 eine Hülfslehrerſtelle an genannter Anſtalt. Vom 16. April 1884 ab wurde er durch Königl. Provinzial⸗Schulkollegium zu Caſſel mit Verſehung der 2. Hülfs⸗ lebrerſtelle am Königlichen Gymnaſium zu Rinteln beauftragt. Vom 1. Oktober 1884 ab wurde er als ordentlicher Lehrer am Fürſtlichen Landesgymnaſium zu Corbach angeſtellt.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dez. 1884 bis zum 7. Jan. 1885. Am 17. März

fand unter dem Vorſitz des Direktors die mündliche Prüfung der 4 Abiturienten ſtatt, welche ſämt⸗ lich für reif erklärt wurden.

Die Aufgaben für die ſchriftlichen Arbeiten lauteten: Lateiniſcher Aufſatz: Onorum potissimum virorum opern Athenienses principatum adepti sint, exponitur. Deutſcher Aufſatz: Daß wir Menſchen nur ſind, der Gedanke beuge das Haupt dir; doch daß Menſchen wir ſind, richte dich freudig empor. Mathematik: 1) Von 2 Orten A und B, die cm von einander entfernt ſind, bewegen ſich 2 Körper einander entgegen. Der von A ausgehende legt in der erſten Sekunde a m, in jeder folgenden-m mehr, der von B ausgehende in der erſten Sekunde bem und in jeder folgenden fem weniger zurück. Nach wieviel Sekunden treffen ſie zuſammen? Beiſpiel: e= 800: a= 30;: c= 5; b= 41; f= 2, 2 Ein Dreieck zu konſtruieren aus dem Produkte zweier Seiten, dem Radius des umſchriebenen Kreiſes und dem Flächeninhalt, alſo aus: be= q*, r, F= g*. 3) In eine Kugel vom Volumen v iſt ein gerader Kegel einbeſchrieben, deſſen Höbe h iſt. Wie groß iſt das Volumen, der Radius und der Mantel des Kegels, und wie groß darf, wenn man ihn auf eine ſchiefe Ebene ſtellt, der Neigungswinkel derſelben höchſtens ſein, damit er nicht umfällt?= 627 chm: h= 6,38 m. 4) Die Sei⸗ ten, Winkel und den Flächeninhalt eines Dreiecks zu berechnen, wenn gegeben ſind: eine Seite(a), die zugehörige Höohe(h a) und Transverſale(t a). a= 153,4 cm; ha= 78,96 cm: ta= 94,356 cm.

Mit dem Schluſſe des Winterſemeſters ſchied nach ſechseinhalbjähriger ſegensvoller Wirkſamkeit der bisherige Direktor, Herr Prof. Dr. Theodor Hartwig, von unſerer Schule, um die Leitung des