Jahrgang 
1926
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b) Die Ausgaben für Lehr- und Lernmittel wurden auch in diesem Jahre auf das Nofwendigste besdiränkt. Es standen in dem Haushaltsplan für Lehrmiftel 2700 Plk., für Lern- miftel 170 Mk. zur Verfügung. Irot der Spenden und Schenkungen mußien im letzten Monat die chemischen Ulbungen eingestelſt werden, da die Mittel für den Ankauf von Glâsern und Chemikalien erschöpft waren.

c) Die Hilfsbücherei leiht bedürftigen Schülern Kostenlos die eingeführten Buücher. Der Bestand wird nach Ostern stark zusammengeschrumpft sein, da fast in allen Fächern nach Durch- führung der neuen Lehrpläne auch neue Bücher eingeführt werden mußten.

Gesdudhte der Austalt.

Das Schuljahr begann am 21. 4. 25. Die Amtseinführung des neuen Reidhspräsidenten von Hindenburg wurde am 12. 5. feierlich begangen: Oberstudienrat DOr Ebeling hielt die Ansprache. Am 15. 5. veranstaltete die Ol unter Leifung und Mitwirkung des Sfudienrats Jung einen Theater- abend; sie führte u. B. das Koßebuesche Lusispiel:Der grade Weg ist der beste auf.

Vom 8. 11. Juni mußie der Unterricht fäglich 2 Stunden wegen starker Hitze ausfallen. Die evangelischen Schüler der Anstalt nahmen an dem Jugendgoffesdienst feil, die zur Feier des Reſormationsfestes am 31. 10. in der Johanniskirche abgehalten wurde.

Am 21. 11. hielten wir die Iotengedenkſeier ab: Studienrat Dr. Tischner hielt die Gedenk- rede. Eine Abordnung von Schülern schmückte die Gräber der in den leßten Jahren verstorbenen Lehrer und die Gedenklafel unserer Gefallenen mit Kränzen, die von den Schülerinnen der O. R. selbst gebunden waren..

Am 19. 12. ſeierten wir unter sfärkster Beteiligung von Eltern, früheren Schülern und Freunden der Anstalt unser Weihnadhts- und Schulfest in den Sälen der Turngemeinde.

Gemäß dem Beschluß der Direklorenversammlung der Provinz Hessen-Nassau wurden an unserer Anstalt Maßnahmen zum zexuellen Jugendschuß ergriffen, nachdem der Gegenstand im Lehrerkollegium, Elternbeirat und Elernversammlung gründlich erörtet worden war. Soldie Versuche zind schon früher gemadht, diesmal aber geht es auf ein anderes Ziel: Die Schule lehnt es db, ihre Schüler selbst in diesen Dingen zu belehren, sondern wendet sich an die Eltern. Sie gibt den Eltern Richtlinien und Unterlagen, damit sie selbst die Kinder belehren und schützen können, wenn sie den Zeitpunkt, der ja nach Anlage, Erziehung und Umgebung bei den einzelnen Knaben verschieden ist, für gekommen eradhen. Zu diesem Zwedke wurden den Eltern die Jugendschuß- briefe zugesandt, die die Sammelstelle für sexuellen Jugendschutz(in Slolpe bei Ludenwalde) herausgibl. Außerdem wurden die Mütter der Schüler, nach Klassen detrennt, an 7 Nadimiltagen zu einer Beratung eingeladen, in dem der Schularzt Dr. Lade mit ihnen alle einschlägigen Fragen bespradh. In mehreren Aufsätzen wurde in den Zeitungen auf die qanze Unternehmung vorbereitet. In Zukunft sollen ſedesmal bald nac Ostern alle neueintretenden Schülern den ent- sprechenden Jugendschutzbrief erhalten und ihre Müfter zu einer verfraulichen Besprechung mit dem Schularzt aufgefordert werden. Unser Vorgehen hat bei fast allen Eltern lebhafte Zusfimmung gefunden, und es sind der Schule auch aus anderen Kreisen, sogqar von auswärts, dankbar zu- billigende Zuschriften und Anfragen zugeqangen. Wie dringlich unser Vorgehen war, beweist die Tatsache, daß audh manche Mufler von Schülern, die nicht unsere Anstalt besuchen, sich an den Müfterberetungen beteiligt hat. Die Reifeprüflinge versammelte fierr Dr. Lade noch einmal zur einer vertraulichen Besprechung unter sich, ehe sie entlassen wurden. Ihre feierliche Verab- schiedung fand staft am 19. 3. 26. Im verflossenen Schuljahre wurden zum I. Mal in einer großen Zahl von allgemeinen und von Fachkonferenzen in gemeinsamer Arbeit vom Lehrerkollegium die neuen Klassenlehrpläne auf Grund der vom Ministerium für Bildung, Kunst und Wissenschaft herausgegebenen Ridülinien auſgestellt.

Das Schuljahr schloß am 27. 3. 26. Bei der Schlußfeier überreichte der Direklor einem der Schüler, dem O. IIlner Vogt, mit einer kurzen Ansprache das Anerkennungsschreiben und das Gedenkblatt, das ihm verliehen wurde, weil er mit eigener Lebensgefahr eine junge Dame aus der Kinzig gereltet hat. Rüdäblickend auf das QHanze Schuljahr muß leider ſestgestellt werden, daß durch den schlechten Gesundheitszustand im Lehrerkollegium, der zahlfreiche Vertretungen erſorderte, besonders im letzten Vierteljahre der UInterridd vielfach benachteiligt und der ordnungs- mäßige Gang des Schulbetriebes empfindlich gestört wurde.

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