Jahrgang 
1928
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Hinterm Horizont ſtiegen Regenwolken auf. Da hatten wir die Geſchichte. Ohne geſcheiten Regenſchutz waren wir dem naſſen Element ausgeſetzt. Wie Käfer, die unter Blätter und Zweige kriechen, wenn es regnet, ſo krabbelten wir unter Tannenbäume, die vereinzelt am Wege ſtanden. Unſer Ziel erreichten wir natürlich nicht mehr an dem Tag. Es war auch nach dem Regen ein Genuß durch die Heide zu gehen. Jetzt, wo jedes Heide⸗ glöckchen eine ſilberglänzende Perle trug. Die Sonne kam wieder und lachte über die Heide. Sie ſchien in dieſem Augenblick einen roſafarbenen Schleier mit Silberfäden durchwirkt, über die Landſchaft zu breiten. Schade, daß wir nicht immer in der Heide, jenem entzückenden Stück Erde, ſein können. E. O II.

Ein Abend im Sennelager.

Der ſchönſte Teil des Tages war der Abend. Da ging es immer hoch her. Herr Möller, der die Aufſicht über uns führte, erlaubte uns, daß wir noch ein paar Minuten ſprechen durften, was wir gerne annahmen, aber immer länger auszudehnen pflegten. Als die paar Minuten, die Herr Möller bewilligt hatte, verfloſſen waren, kam er herein und rief:Ruhe jetzt, ich gehe nur noch ein bißchen mit Herrn Freudenberger ſpazieren und komme bald wieder. Herr Direktor wird währenddeſſen mal kommen und horchen, ob ihr Lärm macht. Wir waren darauf alle ſtill und Herr Möller ging hinaus. Sobald wir uns vergewiſſert hatten, daß niemand mehr da war, ging der Trubel los.Wer weiß noch einen Witz?Ich.Wer brüllt denn da ſo, ließ ſich jemand aus einer anderen Ecke hören.Jetzt ſeid doch mal ſtill, der will doch was erzählen! Es herrſcht Ruhe. K. erzählt ſeinen Witz. Als er geendet hat, ruft eine Stimme aus dem Hintergrund:Oh, wie armſelig; ich weiß einen beſſeren! Auf einmal ſtößt jemand wie im Schlaf ſtöhnende Laute aus. Alles lacht. D. meint es ſei G. und ruft:G., du träumſt wohl?Laßt den doch ſchlafen, der hat heute genug geſchafft, wirft einer dazwiſchen. Da wird's dem G. doch zu bunt und er brauſt auf:Ihr verrückten Kerle! Ich gehe jetzt zum Herrn Möller, da werdet ihr ja ſchon ſehen, was es gibt. Er wird ausgelacht. Plötzlich Totenſtille; die Tür geht auf, und wir denken, es kommt ein Lehrer, haben uns aber ſehr getäuſcht; denn mit einem Mal bricht M. in ein ſchallendes Gelächter aus und ruft:Kerle, Kerle, kriegen die Bube Angſt, wenn H. auf L. will. Da ſtimmen wir alle in M.'s Lachen ein.Ins Verſammlungszimmer kommen! ertönt die Stimme unſeres Hauptmanns H.,es werden AÄmter verteilt! Jeder hüpft aus ſeinem Bett und geht in das ſogenannte Ver⸗ ſammlungszimmer, das von L's und K's Bett gebildet wird. Es iſt ganz mit Koltern zugehängt, und innen iſt eine Mordshitze. Jetzt gings ans Ämterverteilen. M. und K. ſind L.'s Leibgarde und dürfen zu jeder Zeit ins Verſammlungslokal oder Quartier Latin, wie wir es auch nannten. F. und M. ſind Späher, die für die allgemeine Sicherheit ſorgen. G., der Wächter der Springſchanze iſt, die aus einem leerſtehenden Bett mit zwei Strohſäcken beſteht, kann jeden verwichſen, der ihm nicht gehorcht. Weiter ſind gewählt ein Kartenzimmer⸗ ordner und zwei Spione, die auskundſchaften, was die Partei auf der anderen Seite in den Verſammlungen berät. Das iſt L.s Hofſtaat. Jetzt wird die Kolter hochgezogen, und wir gehen in unſere Betten mit dem Vorſatz, zu ſchlafen. Es wird auch allmählich ſtiller; und bald liegt alles in Morpheus' Armen. So verlief faſt jeder Abend im Sennelager. D. IV.

Abend in der Senne.

Stiller wird es nach und nach in der Baracke. Man hat, wie immer, geflügelte Lehrerworte zum Beſten gegeben, ſich über die Herkunft zweifelhafter Gerüchte geſtritten und das Erſcheinen desheiligen Geiſtes prophezeit. Vereinzelt ſucht noch ein dürftiger Witz Beifall, doch man lacht nicht mehr. Man iſt müde, ſtreckt gähnend die Glieder auf dem kniſternden Strohſack. Schon mahnen die ruhigen Atemzüge der Schlafenden zum Schweigen. Jetzt iſt auch das Flüſtern verſtummt und man hört, daß es draußen regnet. Klatſch, klatſch, klopfen die Tropfen gegen die Scheiben, bom, bom, trommeln ſie monoton auf das Dach. Schlaflos wälze ich mich hin und her, ſtarre in die Finſternis, in der nur fahl die Fenſter glänzen. Ein Gefühl der Einſamkeit umfängt mich unter all den ſchlafenden Menſchen. Weit weg ſchweben meine Gedanken, nach Hauſe, wo wohl jetzt die Mutter, mirGute Nacht zu ſagen, ſich über mein Bett beugte. Dann raunt auch mich der rauſchende Regen in Ruh'. A. OI.

Hat der Aufenthalt im KinderdorfStaumühle das Gemeinſchaftsgefühl an unſerer Schule geſteigert, wenn es ſchon vorhanden war?

Die meiſten Schüler werden den Aufenthalt auf der Senne für einen größeren Ausflug halten und als Abwechſlung im Schulleben mit Freuden bégrüßt haben. Doch ich möchte ihm eine größere Bedeutung geben. Vielleicht auch ſuche ich jetzt an einer verkehrten Stelle, ſolche Probleme, wo keine ſind. Sei es!

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