Jahrgang 
1928
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Die ſchönſten Plätze und die Umgebung des Sennelagers.

In dem mitten in der Heide gelegenen Kinderdorf Staumühle haben wir eine wunderſchöne Ferienwoche verbracht. Nicht nur die Ausflüge nach Paderborn und nach dem Hermannsdenkmal ließen uns viel Neues kennen lernen, ſondern auch die nähere Umgebung des Lagers. Da hatte man vor ſich eine rieſige Heidefläche und hinter ſich einen Kiefernwald. An einem Ende des Lagers lag eine große Sanddüne, am anderen de ſchöne Mühle. An dieſer Mühle hielten wir uns häufig auf. Wir wateten dort im Bach herum, deſſen Bett ſehr ſandig war und bauten Staudämme, Brücken und am Ufer einmal ſogar einen Gang, der mehrere Meter unter der Erde lief, und durch den wir ſelbſt kriechen konnten. Das war alſo eine Stelle, die für uns geſchaffen ſchien. Doch nicht nur dort, ſondern auch auf der Düne hielten wir uns gerne auf. Hier hatten ſich viele von uns Burgen gebaut. Es kam dann, obwohl die Düne im allgemeinen einen ſo friedlichen Eindruck machte, oft zu hitzigen Tannäpfelſchlachten. Wenn wir auch mit großem Eifer gruben, hörten wir doch nicht ungern die Sirene, die uns zum Kaffee oder Mittageſſen rief. Ich fand es auch ſehr ſchön, allein oder mit einem Freunde im Walde umherzuſtreifen und Heidekraut zu pflücken, mit dem ich dann mein Bett oder die Baracke ſchmückte. Manchmal kamen wir auch bei Unterrichtsſpaziergängen weiter vom Lager weg. Dann konnten wir die Eigenart der niederſächſiſchen Bauernhäuſer kennen lernen. Das war für uns etwas Neues. Der Stall iſi bei ſolchen Häuſern unter einem Dach mit dem Wohnhauſe und das Scheunentor iſt ſchön geſchnitzt und mit Bibelverſen verziert. Für uns war noch beſonders intereſſant, daß ganz in der Nähe ein Truppenübungs⸗ platz der Reichswehr lag. Wir konnten faſt täglich vom Sportplatz aus Reichswehrſoldaten durch den Wald ſtreifen ſehen. Deshalb gingen wir auch dorthin ſehr gerne, denn der Platz war außerdem ſehr ſchön gelegen. Man kann ſich denken, daß ich oft in dieſen Tagen die ſchöne Gegend durchſtreifte und es bedauerte, wieder gehen zu müſſen. Z. O III.

Ein Tag im Sennelager.

Bum, bum!Aufſteh'n zur Gymnaſtik. Ach ja, es iſt ſchon wieder ½7 Uhr. Unſer Chef ſauſte den Gang entlang und ſchlug mit der Fauſt an jede Tür. Bum, bum.Aufſteh'n, es iſt Zeit, in 10 Minuten wird draußen angetreten. Eins zwei, drei, rauß! es hilft gar nichts. Schon ſtand ich auf beiden Füßen. Ach, war das eine Nacht! Ich hatte ein Bett wie ein Welgerholz. Nach und nach gewöhnte ich mich ja daran, aber ich mußte mich nachts krampfhaft an die Wand anklammern, um nicht auf den Fußboden zu kullern. Ich konnte gar nicht begreifen, daß meine Stubengefährtinnen es noch länger auf ihren Brettern aushielten. Ich machte deshalb einen furchtbaren Lärm durch Stiefelaufwerfen uſw., um ſie aufzuſcheuchen, wurde aber beinahe von ihnen rausgeworfen. Ich ging aber ſchon von ſelbſt:Puh! Es war doch kühl draußen, obwohl die Sonne hinterm Wald hervorleuchtete. Wir ſtanden zwiſchen den Bäumen und reckten unſere Körper in der morgen⸗ friſchen Luft.Heute kommſt du ans Kehren, rief plötzlich Brigitte. Hui, jetzt ging's heim. Ich ſtürzte mich förmlich auf den Beſen und begann, in unſerer Bude herumzuhantieren. Doch dauernd hatte ich nur den Stiel in der Hand, während der andere Teil des Beſens irgendwo unter einem Bette lag. Wehe, wer ſeine Schuhe oder ſonſtiges Zeug nicht vom Fußboden entfernt hatte, der fand hinterher vielleicht ſeine Sachen hinterm Ofen wieder. Jetzt knurrte uns aber auch der Magen. Schnell die Schüſſel und den Löffel her! Ich hatte von meiner Fegerei einen ſolchen Hunger, daß ich bei den Vorderſten in der Kantine ankam. Dort warteten ſchon 3 Keſſel voll der ſchönſten Haferſuppe mit Salz und Roſinen. Es iſt zwar eine ſeltſame Zuſammen⸗ ſtellung, doch für einen hungernden Magen willkommen. Die weibliche Abteilung der Hola ſaß an einem der hölzernen Tiſchgeſtelle und leerte mit vereinter Kraft den hochgefüllten Brotkorb. Wehe dem armen Stück Brot, das übrig blieb. Es wurde geradezu zerriſſen von den vielen Händen, die zugleich nach ihm griffen. Herhören, rief unſer Chef, während wir unſere Suppe löffelten. Jetzt wurde der Tagesplan entrollt. Unſere Klaſſe hatte vor, einen Ausflug nach Hauſtenbeck zu machen. Ich konnte die Zeit kaum erwarten, bis wir weg⸗ gingen. Nach der Lagerruhe, die gewöhnlich um 15 Uhr vorbei war, verſammelten wir uns vor der Baracke. Unſer Klaſſenlehrer nahm zur Vorſicht ſeine Regenhaut mit. Wir dachten:Das Wetter iſt ſchön und hängten nur ein Jäckchen über. Ich hatte mir ſchon immer gewünſcht, einmal mitten durch die Heide zu gehen. Jemand, der Heide noch nicht geſehen hat, konn ſich ihre Schönheit nicht vorſtellen. Alle die niedlichen, kleinen Heide⸗ glöckchen ſchauckelten in der Sonne. Gerade weil es ſo viele ſind, macht es dem Wind Spaß, die Blüten⸗ glöckchen leiſe ſchwingen zu laſſen. Da, mitten in der Heide ſteht ein Bildſtock. Dahinein haben ſich keine Heide⸗ blumen, ſondern Gartenblumen verirrt. Wie mögen ſich wohl die Eingeſperrten vorkommen? Ich glaube, ſie fühlen ſich vereinſamt inmitten der großen Heide. Sie paſſen auch nicht hinein. Ach du lieber Gott!,

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