bedeutungsvoll war. Die folgenden Aufſätze bezeugen, wie ſtark einzelne Erlebniſſe wie Parade und Fahrt zum Hermannsdenkmal auf die jugendlichen Teilnehmer eingewirkt haben, in welchem Maße aber auch die eigen⸗ artige Schönheit der Heide von Kindern Mitteldeutſchlands empfunden worden iſt. Der Vertiefung des durch den gemeinſamen Alltag angeregten Gemeinſchaftsempfindens dienten gemeinſamer Tagesbeginn mit Lied, Vorſpruch und Morgengymnaſtik im Walde und regelmäßige Abendveranſtaltungen, bei denen geſungen und von einzelnen Klaſſen Theater geſpielt wurde.
Iſt der Verſu h geglückt? Würden wir eine ſolche Fahrt wiederholen? Über dieſe Fragen hat ſich das Lehrerkollegium am Ende des Sommerhalbjahres bei einer abendlichen Zuſammenkunft ausgeſprochen. Un⸗ geſchehen wollte ſie keiner haben, der eine oder andere ſagte, er ginge gleich wieder mit. Daß eine ſolche Unter⸗ nehmung eine Seltenheit im Leben der Schule bleibt, iſt vorläufig ſicher: ſchon die finanziellen Schwierigkeiten ſorgen dafür. Aber dahin darf ich wohl den Geſamteindruck zuſammenfaſſen: eine ſolche Fahrt hat ihren Wert nicht nur als ſchönes oder luſtiges Erlebnis, ſondern— von allem geſundheitlichen und unterrichtlichen Nutzen abgeſehen— iſt ſie eine einzigartige Gelegenheit, die erzieheriſchen Kräfte innerhalb einer Schulgemeinſchaft zur Auswirkung bringen. Gaede.
Die erſten zwei Tage in Staumühle.
„Station Klausheide“! Mit lautem Jubel verließen wir unſere Abteile und marſchierten dann erwartungsvoll eine gute Stunde durch Wieſen und Waldgelände nach unſerem Standlager, welches den ſchönen Namen„Klein Marokko“ führt. Mit Stolz wurde dort die Baracke XV von U III in Beſitz genommen. Der alte Soldatengeiſt geht noch um in dem großen Barackenlager, und ſo wurden denn auch von Herrn Freuden⸗ herger, unſerem Führer, jedem Bett und Spind angewieſen. Dann ging's weiter nach dem Rezept:„Reinlichkeit iſt’s halbe Leben.“ Mit Senneſand und Waſſer entfernten wir die etwa noch vorhandene Fettſchicht aus unſeren eben empfangenen Eßnäpfen, die dann blitzblank daſtanden. Nun meldete ſich bei uns auch der Hunger. und es war herrlich, daß die Sirene bald zum Eſſen rief. Achtundzwanzig hungrige Untertertianer, die ihren Eßnapf vertrauensvoll im Arme hielten, führte Herr Freudenberger nach der Kantine in„Algerien“.„Schwapp'! der Cßnapf war halb voll. Nudelſuppe, recht ſüß— hatte ich weg. Nachdem wir das Eſſen eingenommen und unſere Eßnäpfe ausgeſpült hatten, wollten wir auch noch ſchnell etwas von der Umgegend Klein⸗Marokkos ſehen.— Bald lagen die Baracken hinter uns. Durch Heidekraut und Sand ſchritten wir dem nahen Walde zu. Glutrot leuchteten die letzten Sonnenſtrahlen durch die Kiefern. Es war ein wunderbarer Abend. Doch nun wurde es auch für uns Zeit, umzukehren; denn um 9 Uhr ſollten wir alle im Bett liegen. Am 1. Abend haben wir uns noch lange unterhalten. Ich glaube, es war beinahe 12 Uhr, als uns die Augen zufielen. Gut haben wir auf unſeren Strohſäcken bis etwa 6 Uhr geſchlafen. Da es aber regnete, blieben wir noch bis 7 Uhr liegen. Dann ſtanden wir auf, gingen unter die Pumpe und wuſchen den letzten Dreck von der Bahnfahrt ab. Es wurde ½9 Uhr bis wir die Betten gemacht hatten, und der Stubendienſt erledigt war. Da pfiff es zum Frühſtück. Wieder zogen wir mit Eßnapf und Löffel der Kantine zu. Heute morgen gab es Haferſchleim, natür⸗ lich wieder recht ſüß, und ſpäter Bouillon mit Brötchen.
Es wollte aber gar nicht aufhören zu regnen. Da kamen wir auf den Gedanken... unſeren Ofen anzuſtecken. Im Regenmantel gingen etliche in den Wald und ſammelten Tannäpfel. Mit vollen Ruckſäcken kehrten ſie zurück. Doch die Tannäpfel mußten auf dem mit Papier geheizten Ofen erſt getrocknet werden. So bekamen wir eine ſchön warme, verqualmte Stube. Wir aber ſaßen und ſpielten Karten, Quartett und Schnipp⸗ Schnapp, ohne auf die Zeit zu achten. Plötzlich hieß es„Antreten zum Eſſen“! Zu Mittag gab es Kartoffeln und Kalbsfrikaſſee, von dem ich erſichtlich nur die Knochen des halben Kalbes erwiſcht hatte. Erfreulicher waren ſchon die Preiſelbeeren, welche ich ſo gern eſſe.— Am Nachmittag hörte es für etliche Stunden auf zu regnen Es wurde geplant, einen Spaziergang zu machen. So gingen wir denn los, bis wir an einen hohen Sandberg kamen, der ſich am Wieſengrunde des Hauſtenbaches hinzieht. Hier herunterzuſpringen iſt eine Kunſt; denn der Abhang iſt ſehr hoch. Aber als erſt einer den Sprung gewagt hatte, da gefiel das Runterſpringen und Wiederraufklettern uns ſo gut, daß wir Kaffee und beinahe auch Abendbrot verſäumten. Müde kehrten wir nach der Baracke zurück. Um 9 Uhr hieß es dann wieder„Ruhe“! Heute ſchliefen wir ſofort ein.
Vieles Schöne haben wir in den folgenden Tagen noch geſehen. Der mächtige Dom von Paderborn und das hochragende Hermannsdenkmal werden mir ſtets im Gedächtnis bleiben. K. UIII.
21


