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Durch Erlaß des Herrn Ministers wurde der seitherige Professor am Gymnasium zu Königshütte i. 0.-S. Reinhold Macke vom 1. April 1906 ab an die hiesige Anstalt versetzt. Gleichzeitig wurde eine der Anstalt neubewilligte Hülflehrerstelle in eine Oberlehrerstelle umgewandelt.
Am 2. Mai wurde das Schuljahr in gewohnter Weise mit Gesang, Gebet und Verlesung und Erläuterung der Schulordnung eröffnet. Es wurden 32 Schüler in die Anstalt neu aufgenommen und auf die Schulordnung verpfiichtet.
Am 9. Mai fand zum Gedächtnis unseres hundert Jahre vorher gestorbenen Dichterfürsten Friedrich Schiller eine erhebende Feier in der Aula statt, bei der Professor Dr. Wackermann die Festrede hielt. Unter den Gedichten, die zum Vortrag kamen, befand sich auch eine anmutige Dichtung, die ein ehemaliger Kollege der Anstalt, der greise Herr Professor Dr. Suchier, vor 45 Jahren zur Feier des hundertsten Geburtstages Schillers am 10. November 1859 verfaßt hatte. So wurde Herr Professor Suchier, der unter unseren Gästen anwesend war, mit seiner eigenen Dichtung an diesem Tage begrübt.
Von einem der noch lebenden„Sieben Hanauer Gymnasiasten von 1859“, die damals die Anregung zu einer Sammlung unter den deutschen Gymnasiasten für das in Marbach a. N. zu er- richtende Schiller-Denkmal und für den Ankauf des Geburtshauses des Dichters gegeben und von den Gymnasiasten Deutschlands einen für die damalige Zeit recht namhaften Beitrag zusammen ge- bracht hatten,(vergl. dazu die Chronik im Jahresbericht der Anstalt von Ostern 1899 S. 19 u. f. Der Marbacher Schillerverein und die Hanauer Gymnasiasten), dem Herrn Gymnasialdirektor Dr. Fr. Heußner in Cassel, war anläßlich des 100 jährigen Todestages des Diehters ein Gruß einge- gangen, den der Direktor am Schlusse der öffentlichen Feier zur Kenntnis brachte.
Er lautete also:
„Meinem lieben Gymnasium zu Hanau, das in mir die Liebe zu Gott, Wissenschaft und Vaterland förderte und festigte, das in uns den Sinn für das Hohe und Edele nährte und uns begeisterte für unseren Dichterfürsten Schiller, sende ich als einer der beiden noch lebenden„Hanauer Sieben“ zum Tage der Feier seines 100 jährigen Todestages herzlichen Gruß. Einen herzlichen Gruß insbesondere meinen jungen Kommilitonen, den jetzigen Schülern der Anstalt, mit dem Wunsche, daß dieselben Gefühle des Dankes und der Begeisterung für unseren großen Dichter sie, wie uns einst, beseelen und sie von diesem Tage geleiten mögen durch ihr ferneres Leben. Das walte Gott!*
Dieser Gruß, der mit froher Begeisterung aufgenommen worden war, wurde durch folgendes Telegramm an Herrn Direktor Heußner erwidert:
„Mit Stolz und Freude gedenken heute sämtliche Lehrer und Schüler der hohen Landesschule der sieben Hanauer Gymnasiasten vom Jahre 1859 und ihrer Begeisterung für unseren Dichterfürsten Schiller. Dankbaren Herzens versprechen sie dafür einzutreten, daß die Ideale in der deutschen Jugend hochgehalten werden“.
Auch an den zweiten Überlebenden, den Herrn Pastor Calaminus zu Elberfeld, wurde ein gleichlautendes Telegramm abgesandt, auf das bald folgende telegraphische Antwort eintraf:
„Den Lehrern Gruß, den Schülern Dank! Die Fahne hoch, die echte! Wir stehen alle frei und frank Für’s Wahre, Schöne, Rechte.“
Die Schüler versäumten nicht, auch durch eine Depesche an den Vorstand des schwäbischen Schiller Vereins zu Marbach a. N. ihren Dankesgefühlen und ihrer Begeisterung Ausdruck zu geben.


