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Am 1. April 1901 erhielt der Unterzeichnete aus Schloss Friedrichshof vom Grafen Seckendorff ein Bild nebst Brief:„E. H. bitte ich beifolgend ein Portrait Ihrer Ma- jestät der Kaiserin Friedrich übermitteln zu dürfen, welchem einen Platz in dem Kaiserin-Friedrich-Gymnasium zu geben der hohen Protektorin eine Freude und Genug- thuung gewähren würde“. Mit grösstem Danke wurde dieses wertvolle, mit eigenhändiger Unterschrift versehene Bild Ihrer Majestät entgegengenommen und ihm in der als Aula dienenden Turnhalle der Ehrenplatz angewiesen.
Leider haben wir nie die hohe Ehre gehabt, Ihre Majestät, wie wir gehofft hatten, bei einer Schulfeier in unseren Räumen begrüssen zu können. Die nächste Feier, die wir abhielten, war eine Trauerfeier, sie fand am 6. August statt unter dem mit schwarzen Flor verhängten Bilde der Kaiserin.
Nachdem der Choral„Es war des Vaters Wille; Mein banges Herz Sei stille!“ ge- sungen und ein Gebet gesprochen worden war, gab der Unterzeichnete einen UÜberblick über das Leben der hohen Entschlafenen, wobei besonders der ausgezeichneten, allseitigen Geistes- bildung, die der Prinzessin unter der persönlichen Leitung ihres hochbegabten Vaters zu teil wurde, sodann ihrer Verbindung mit dem Hohenzollernhause, ihrer segensreichen Wirk- samkeit in Homburg, ihrer edlen Charaktereigenschaften und ihrer bewundernswerten Seelen- stärke gedacht wurde.
Am 7. August brachten der Direktor und Herr Professor Dr. Glaser im Namen der Anstalt einen Kranz nach Schloss Friedrichshof; Sonntag, den 11. Angust, nahm der Direktor, einer Einladung folgend, an der Trauerfeier in der Kirche zu Cronberg teil.
Der Sedantag wurde in der Stille begangen. In seiner Ansprache schilderte Herr Oberlehrer Achard den Verlauf der ersten Sedanfeier in Homburg am 3. Sept. 1870 und sprach dann über das segensreiche Wirken der hier weilenden Kaiserin Friedrich, der damaligen Kronprinzessin, zum Besten verwundeter und kranker Krieger, die in Homburg untergebracht waren.
Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs wurde mit Gesang und Gebet, mit deklamatorischen und Musikvorträgen begangen. Die Festrede hielt Herr A. Klemme. Er besprach die thätige Teilnahme Friedrichs des Grossen an dem geistigen Schaffen seiner Zeit und die sich daraus ergebende Einwirkung auf seine Zeit- genöossen.— Seine Majestät unser Kaiser und König hatte unserer Anstalt huldvoll gedacht und ihr farbige Nachbildungen der Angeli'schen Bilder des Kaisers u. der Kaiserin Friedrich als Geschenk überwiesen. Die Bilder waren am 26. Januar eingetroffen und wurden mit ehrerbietigem Danke gegen den hohen Geber bei der Feier am 27. Januar zum erstenmale im Festsaale aufgestellt.
2. Das Kuratorium hat im Laufe dieses Jahres einen Wechsel des Vorsitzenden erfahren. Herr Oberbürgermeister Dr. Tettenborn, der neun Jahre lang an der Spitze des Kuratoriums gestanden hatte, verliess, einem Ruf nach Rheydt folgend, im Sept. 1901 mit seiner Familie unsre Stadt. Da er in einem wichtigen Zeitabschnitt in der Entwickelung unsrer Anstalt die Geschäfte geleitet und— um nur einige Hauptsachen hervorzuheben— bei Einführung des Normaletats, bei Regelung der Vertretung schwer erkrankter Lehrer und bei Ausgestaltung des Progymnasiums zu einem Vollgymnasium stets mit Thatkraft und Wohlwollen das Interesse unsrer Schule gefördert hat, fühlen wir uns verpflichtet, ihm auch an dieser Stelle für seine Wirksamkeit zu danken.— Im Oktober übernahm der neu- gewählte Herr Bürgermeister Ritter von Marx den Vorsitz im Kuratorium. Die nach Ablauf ihrer Amtszeit ausscheidenden Mitglieder, Herr Sanitätsrat Dr. Hitzel und Herr Rechtsanwalt Dr. Zimmermann, die schon viele Jahre für das Wohl unsrer Anstalt thätig gewesen sind, wurden am 8. November vom Magistrat auf die Zeit von sechs Jahren wiedergewählt.
3. Im Lehrkörper trat dadurch eine Aenderung ein, dass Herr C. Blümlein, der das Direktorat der städtischen höheren Mädchenschule definitiv übernahm, ausschied und


