III. Schulgeschichte.
1. Bevor wir über die wichtigeren Ereignisse des jetzt zu Ende gehenden Schul- jahres berichten, müssen wir über die Schlussfeier des vorhergehenden Schuljahres, die zu- gleich die Einweihungsfeier des Gymnasiums war, einige Worte sagen. Wir hatten im Februar 1901 die Freude gehabt, dass die acht Oberprimaner unsrer Anstalt, die sich der unter Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulrat Dr. Kaiser abgehaltenen ersten Reife- prüfung unterzogen, alle das Reifezeugnis erhielten und dass ebenso die siebzehn Primaner der Realschule die Prüfung bestanden. Der 29. März wurde für die Entlassungsfeier fest- gesetzt, zu der die Herren des Kuratoriums, die städtischen Behörden, die Herren Stadt- verordneten und die Freunde der Anstalt eingeladen wurden. Zur Erinnerung an den Tag wurde eine kleine Festschrift„Durch Nacht zum Licht, Scenen aus Homburgs vergangenen Tagen(1813 und 1814), entworfen von E. Schulze, nebst Prolog von W. Bauder“ verteilt. Bei der Feier sprach nach dem Gesange des einleitenden Chorals Herr Professor Fröling das Gebet. Herr Landrat Dr. von Meister hielt als Vertreter des Königlichen Kompa- tronats im Namen des Kuratoriums eine Ansprache, in der er den langen und schwierigen Weg, auf dem unsre Anstalt zu ihrer jetzigen Ausgestaltung gelangt ist, schilderte, dem Bedauern Ausdruck gab, dass Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich bei der Feier nicht zugegen sein könne, und für das fernere Gedeihen der Schule und die sittliche und wissenschaftliche Tüchtigkeit ihrer Schüler in warmen Worten die besten Wünsche aussprach. Die Rede schloss mit einem Hoch auf Seine Majestät unsern Kaiser und König. Der Direktor dankte in seiner Erwiderung auf diese Ansprache dem Kuratorium, den städtischen Behörden und dem Herrn Geheimrat D. Dr. Lahmeyer für das der Anstalt auf allen Stufen ihrer Entwicklung bewiesene Wohlwollen und versprach im Namen des Lehrerkollegiums, dass es an gewissenhaftem Streben nie fehlen werde, die Jugend zur Gottesfurcht, zur Liebe und Treue gegen den Kaiser und das deutsche Vaterland und zu wissenschaftlicher Gründlichkeit zuerziehen. Daraufteilte er mit, es sei an ihn ein Telegramm aus Schloss Friedrichshof eingelaufen, das so laute: 1
„Ich nehme in Gedanken aufrichtigen Anteil an der Feier, welche das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium heute begeht und sprechemeine innigsten Wünsche dieser Erziehungsanstalt aus, deren fortschreitendes Gedeihen mir am Herzen liegt, und die dem Namen, den sie trägt, auf alle Zeiten Ehre machen möge.
Kaiserin Friedrich.“
Für diese huldvolle Begrüssung, die Ihre Majestät die Gnade gehabt hatte, uns zu senden, dankten die Versammelten durch ein aus dem Herzen kommendes Hoch anf die hohe Pro- tektorin des Gymnasiums.
Von Herrn Oberbürgermeister Dr. Tettenborn traf ein Telegramm aus Nizza ein, in dem er der Anstalt Glück und Segen wünschte.— Die Vorführung der oben erwähnten Scenen aus Homburgs vergangenen Tagen durch Schüler der oberen Klassen fand ebenso wie die musikalischen Vorträge reichen Beifall. Der Direktor legte seiner Abschiedsrede an die abgehenden Schüler den Vers Homers zu grunde:„Immer der tüchtigste sein und voranzustreben den andern“. Zuletzt nahm noch der Abiturient H. Höser in warmen Worten von seinen bisherigen Lehrern und von den zurückbleibenden Mitschülern Abschied.
Von dem Kommers, den die Oberprimaner bei ihrem Scheiden von Homburg ver- anstalteten, sandten sie ein Begrüssungstelegramm nach Schloss Friedrichshof. worauf sie folgende Antwort erhielten:
„Ihre Majestät Kaiserin Friedrich danken für die dargebrachte Huldigung und wünschen den acht Abiturienten Glück zum bestandenen Examen“. Graf Seckenorff.


