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Die Entwicklung der Realschule ist bis zur Quarta fortgeschritten, so dass nach Ostern d. J. das Realprogymnasium nur noch aus den beiden Tertien und der Untersekunda bestehen wird. Nachdem der Herr Minister vor zwei Jahren die Erlaubnis zur Einrichtung einer lateinlosen Sexta gegeben hatte, wurde durch Erlass vom 14. April 1892 die Umge- staltung unsrer Anstalt in ein Progymnasium mit lateinloser Realschule unter dem Vorbehalte genehmigt, dass die Lehrer nach dem neuen Normaletat besoldet und das Lehrerkollegium nach dem Masse des späteren Bedürfnisses ergänzt werde. Auch soll auf strenge Scheidung beider Schularten mindestens in den Fremdsprachen, der Mathematik und den Naturwissen- schaften von Quarta an gehalten werden.
Über die Einführung des neuen gesetzlichen Normaletats beriet das Kuratorium, dessen Vorsitz seit April v. J. Herr Bürgermeister Dr Tettenborn führt, in mehreren Sitzungen und entschied sich für das System der Dienstalters-Zulagen. Diesem Beschlusse gaben in sebr dankenswerter Weise der Magistrat und die Stadtverordneten-Versammlung am 2. und am 12. Dezember v. J. ihre Zustimmung. Gleichzeitig erbaten die städtischen Behörden von der Kgl. Regierung einen höheren Staatszuschuss und beschlossen, gemäss der von der Staatsregierung gestellten Bedingung, eine Erhöhung des Schulgeldes. Dieses wird vom 1. April d. J. an in allen Klassen 100 Mk. jährlich betragen, nur in der Vorbereitungsklasse bleibt es bei dem bisherigen Satze von 52 Mk. Für alle Auswärtigen, die nicht dem früheren Amte Homburg angehören, kommt zu diesem Schulgeld ein Zuschlag von 8 Mk. jährlich hinzu. Der§ 45 der Schulordnung vom 15. September 1865 bleibt in Kraft; er lautet:„Wenn mehrere Söhne der- selben Eltern die Schule gleichzeitig besuchen, so findet für den zweiten, dritten u. s. w. eine Ermässigung um ein Viertel des festgesetzten Betrages statt.“— Den fest angestellten wissen- schaftlichen Lehrern ist von der Königl. Regierung die Amtsbezeichnung„Oberlehrer“ verliehen worden; die betreffende Verfügung ist unter II, 6 angeführt.— Am 8. Oktober schloss sich das Lehrerkollegium dem PTrauerzuge an, der den Herrn Bürgermeister a. D. Schleussner, welcher seit Gründung der Schule Mitglied, im letzten Jahre Vorsitzender des Kuratoriums war, zu Grabe geleitete.
2. Eröffnung des Schuljahrs, Ausflüge, Ferien, Revision. Am Mon- tag, den 25. April, wurden die neu aufgenommenen Schüler geprüft. Am Nachmittag desselben Tages wurden nach gemeinschaftlicher Andacht die Schulgesetze verlesen und die neuen Schüler durch Handschlag zu gewissenhaftor Beobachtung der Gesetze verpflichtet.— Am 24. Mai unternahmen die Klassen in Begleitung ihrer Ordinarien Ausflüge in die Umgegend. Die Sekundaner fuhren nach Rüdesheim und gingen über den Niederwald nach Assmannshausen, die Tertianer besuchten den Odenwald, die Quartaner und die Quintaner gingen über den Hardtberg nach Königstein, die Sextaner über den Altkönig, die Septimaner über die Gold- grube nach der Hohen Mark.— Die Pfingstferien dauerten vom 4.— 8. Juni, die Sommerferien vom 3 Juli bis zum I. August, die Herbstterien vom 25. September bis zum 10. Oktober, die Weihnachtsferien vom 23. Dezember bis zum 6. Januar.— Wegen zu grosser Hitze fiel der Nachmittagsunterricht aus am 27. und am 31. Mai und in der Zeit vom 15.— 23. August.— Censuren erhielten die Schüler dreimal: vor den Herbstferien, vor den Weih- nachtsferien und am Schlusse des Schuljahres.— Am 26. Januar unterzog der Herr Geheime Regierungs- und Proviozial-Schulrat Dr. Lahmeyer die Anstalt einer Revision, bei der er sein Augenmerk hauptsächlich auf die unteren Klassen, in denen sich die 1891 beschlossene Umgestaltung vollzogen hat, richtete, jedoch auch einigen Lehrstunden in Tertia und Sekunda beiwohnte.— Veränderungen im Lehrerkollegium sind nicht eingetreten.
3. Schulfeierlichkeiten. An einer erhebenden Feier, die bei herrlichstem Frühlingswetter am Sonntag, den 22. Mai 1892 stattfand, beteiligten sich Lehrer und Schüler. Es wurde an diesem Tage das für Kaiser Friedrich in den Kuranlagen errichtete Denk- mal unter allgemeiner freudiger Teilnahme der Bewohner Homburgs enthüllt. Um 3 Uhr nachmittags zogen die Schüler mit ihrer Fahne vom Schulbofe auf den Festplatz und nahmen inmitten der zahlreichen Vereine neben dem Denkmal Aufstellung. Gegenüber war vor einem Zelte ein Podium errichtet, auf dem Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich, Ihre Königlichen Hobeiten die Prinzessinnen Viktoria und Margarethe, Se. Durchlaucht der Prinz


