Jahrgang 
1893
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10. Ministerial-Erlass vom 19. Oktober. Für jeden Schüler müssen je 3 wöchentliche Turnstunden angesetzt werden; Befreiung vom Turnunterricht ist nur in dringenden Fällen zu gewähren; die Beschaffung geeigneter Turnhallen ist mit allem Nach- druck zu betreiben.

11. Ministerial-Erlass vom 24. Oktober. Neuphilologen dürfen die Hälfte des Probe- jahrs zu ihrer Ausbildung in der englischen und der französischen Sprache im Auslande zubringen.

12. Ministerial-Erlass vom 26. Oktober empfiehlt die Anschaffung der Veröffentlichungen des Vereins für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte und die Benutzung des Programms zum Druck von Abhandlungen über Sehbulgeschichte und über wichtige Fragen der Erziehung.

III. Chronik des Schuljahres 1892 93.

1. Die neuen Lehrpiläne. Entwicklung der Realschule, der Nor- maletat, Erhöhung des Schulgeldes u. a. Ein wichtiger Sechritt auf der Bahn der Fortentwicklung des höheren Schulwesens in Preussen ist zu Ostern 1892 durch die Einführung der neuen Lehrpläne in den Unterrichtsbetrieb gethan worden. Als besonders bedeutsam heben wir aus den Bestimmungen der neuen Lehrpläne folgende hervor: Die Zahl der Lehrstunden der alten Sprachen ist im Gymnasium und im Realgymnasium verringert worden; als Lehrziel wird neben sprachlich-logischer Schulung hauptsächlich die Einführung in das Ver- ständnis der klassischen Schriftsteller bezeichnet. Der lateinische Aufsatz ist weggefallen, die

Ubersetzungen ins Griechische sind eingeschränkt worden. In den modernen Fremd-

sprachen ist neben der grammatischen Schulung durch regelmässige Ubungen auf eine gewisse Fertigkeit im mündlichen Gebrauch dieser Sprachen hinzuarbeiten. Das Deutsche soll in höherem Masse als bisher in den Mittelpunkt des gesamten Unterrichts treten; die Schüler sollen nicht nur durch den sprachlichen, geschichtlichen und geographischen Unterricht mit dem deutschen Vaterlande recht vertraut gemacht werden, sondern sollen auch durch schriftliche Ausarbeitungen in der Klasse beweisen, dass sie den Lehrstoff der versohiedenen Unterrichtsgebiete sich geistig angeeignet haben und ihn in ihrer Muttersprache in klarer Form wiederzugeben wissen. Durch Vermehrung der Turnstunden soll die körperliche Gewandt- heit und Frische der heranwachsenden Jugend erhöht und durch viele Bewegung in frischer Luft ein Gegengewicht gegen nachteiligen Einfluss der Kopfarbeit geboten werden. Im Winter muss bei uns eine Herabsetzung der Zahl der Turnstunden eintreten, da sich unsere Schule in Ermangelung einer eignen Turnhalle mit der Bürgerschule in die Benutzung der gemein- samen städtischen Turnhalle teilen muss.

Vorschriften über die Beschränkung des Auswendiglernens, über die Bemessung der Hausarbeit und über die dem Schüler für die gestellten Aufgaben zu gowährenden Bülfen zielen darauf ab, die Lernarbeit der Jugend so viel wie möglich zu erleichtern. Doch darf dies alles nicht zu dem Irrtum verleiten, dass sich Arbeit in Spiel verwandeln, dass gründliche Bildung ohne anstrengende Selbstthätigkeit erworben werden könne. Nicht nur unsre Pro- gymnasiasten, sondern ebenso unsre Realschüler müssen vor schädlichem Halbwissen und vor Oberflächlichkeit im Denken und Verstehen bewahrt und durch Gewöhnung an sorgfältiges, gründliches Arbeiten zu gewissenhafter Pflichterfüllung in ihrem künftigen Berufe erzogen werden.