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wußten, was sie an ihm verloren hatten, das zeigte sich besonders in ihren Kundgebungen, als sich's darum handelte, ihm die letzte Ehre zu erweisen.
In dem Lehrerkollegium nahm er stets eine sehr geachtete Stellung ein und galt mit Recht als ein durchaus zuverlässiger und treuer Kollege. Alle seine Amtsgenossen empfinden sein Scheiden schmerzlich, am schmerzlichsten vielleicht der Unterzeichnete, der ihm in mancher Beziehung nahe stand.
Sein Andenken wird bei uns allen, bei Lehrern und Schülern, stets in hohen Ehren stehen.
Über seinen äußern Lebensgang bis zu seinem Eintritt in das hiesige Lehrer- kollegium ist in dem Programm von 1885 berichtet worden.
Ich wende mich nun wieder der chronologischen Berichterstattung zu.
Da es nicht möglich war, für die zwei Monate bis zum Schluß des Schuljahres einen Ersatzmann für Herrn Professor Oertel zu gewinnen, so mußten seine Stunden innerhalb des Lehrerkollegiums untergebracht werden. Das konnte wiederum nicht ohne mannigfaltige Verschiebungen geschehen, so daß nunmehr der vierte Lehrplan in diesem Halbjahr aufzustellen war. Auch diesmal leistete uns Herr Pfarrer Arend dankenswerte Hülfe, indem er 5 Stunden in Untertertia von Oberlehrer Kühnemuth übernahm, so daß dieser zur Erteilung des bis dahin von Professor Oertel gegebenen Religionsunterrichts in den oberen Klassen frei wurde. Oberlehrer Kühnemuth trat als Religionslehrer in Oberprima in die Prüfungskommission ein und übernahm damit die Prüfung der Abitu- rienten in der Religionslehre. Die Korrektur der deutschen Prüfungsaufsätze, zu denen Prof. Oertel die Aufgabenvorschläge gemacht hatte, übernahm mit dankenswerter Bereit- willigkeit Oberlehrer Dr. Schaaff.
Die schriftliche Prüfung fand nun in den Tagen vom 21. bis zum 24. Februar, die Reifeprüfung unter Vorsitz des Unterzeichneten am 7. und 8. März statt. Daß sie einen sehr günstigen Verlauf genommen, ist schon oben erwähnt worden. Entlassen wurden die Abiturienten am 15. März in Gegenwart einiger Lehrer und der Schüler der oberen Klassen.
Am 22. Februar erhielt Oberlehrer Dr. Stamm das Patent, durch welches ihm der Charakter als Professor verliehen wurde.
Am 28. März wohnte Herr Provinzialschulrat Dr. Kaiser einigen Unterrichts- stunden der an der Anstalt beschäftigten Kandidaten des höheren Schulamts Brand und Dr. Kappus bei.
An demselben Tage fand eine Beratung über den geplanten Neubau statt, an der außer dem Herrn Provinzialschulrat und dem Unterzeichneten der Justitiar des Königlichen Provinzialschulkollegiums IIerr Regierungsrat Freiherr von Schenk, Herr Bürgermeister Strauß und Herr Bauinspektor Fritsch teilnahmen. Es handelte sich dabei um den vom Gymnasium an die Stadt abzutretenden Streifen Landes, auf dem eine neue Straße zur Verbindung des Neumarktes mit der Rosengasse hergestellt werden soll.
Mit dem Schluß des Schuljahres verlassen uns wieder die beiden Kandidaten des höheren Schulamts Walter Brand und Dr. Karl Kappus, von denen der erstere als Probekandidat, der andere als Seminarkandidat dem Gymnasium zugewiesen war. Beide


