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und Friedrichs III. in herkömmlicher Weise teils in der Aula, teils in den einzelgen Klassen gedacht wurde.
Am Dienstag, dem 14. Februar, versammelten sich die Abiturienten zum Beginn der schriftlichen Prüfung. Aber anstatt ihnen die erste Aufgabe zu diktieren, hatte ich ihnen die erschütternde Kunde zu überbringen, daß der Lehrer, den sie an dem Tage an meiner Seite zu sehen erwartet hatten, Herr Professor Lic. theol. Oertel, am Abend vorher ganz plötzlich aus diesem Leben abberufen sei.
Am 12. Februar hatte er in voller körperlicher und geistiger Frische und Gesund- heit seinen 65. Geburtstag gefeiert, am 13. nachmittags sich lebhaft an einer Beratung der Prüfungskommission beteiligt, um 6 Uhr noch hatte er durch einen Spaziergang Erholung von angestrengter Arbeit gesucht, und um 11 Uhr abends schon war sein Le- benslicht erloschen. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ziel gesetzt.
Die Kunde von seinem plötzlichen Hinscheiden erregte allgemeine Bestürzung und Teilnahme. Vor der versammelten Schulgemeinde hielt der Unterzeichnete ihm zu Ehren am 14. Februar eine Gedächtnisrede, am 16. gaben sämtliche Lehrer und Schüler der Anstalt ihm das letzte Ehrengeleite, und Schüler der Oberprima trugen seine sterbliche Hülle zu Grabe.
Die Anstalt verliert an ihm einen Lehrer von hervorragender Geistesbildung. Er besaß auf den verschiedensten Gebieten gründliche Kenntnisse, die er allezeit in den Dienst seines Amtes stellte. Immer wissenschaftlich beschäftigt, entschloß er sich nur selten, die Früchte seiner Arbeit dem größern Publikum zugänglich zu machen, während er stets bereit war, aus dem Schatze seines Wissens denen, die ihn darum baten, reichlich mitzuteilen. Bei seiner lebhaften Teilnahme an dem geistigen Leben der Gegenwart, sowohl auf kirchlichem und politischem wie auf wissenschaftlichem Gebiete, war es na- türlich, daß er seinen scharf ausgeprägten Ansichten gelegentlich auch in Zeitschriften und Zeitungen Ausdruck gab. Jedoch zu literarischen Veröffentlichungen hat er sich nur selten entschließen können, obwohl er zu mancherlei Arbeiten Material gesammelt hat. U. a. finden sich in seinem Nachlaß Vorarbeiten zu einem Lebensbild von„Maler Müller“, dem er bereits vor 30 Jahren eine größere, als wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht des Gymnasiums in Wiesbaden 1875 veröffentlichte Abhandlung gewidmet hatte. Wie seine wissenschaftliche, so ging auch seine ästhetische Bildung über das Mittelmaß hinaus. Alles, was aus seiner Hand hervorging, bekundete Freude an Form und Farbe. Vor allem aber war er heimisch im Reiche der Töne. Unvergeßlich wird seinem engern Freundes- kreise der Genuß sein, den er ihnen oft durch sein seelenvolles Geigenspiel bereitete.
Als Lehrer galt er bei den Schülern für streng. Und das war er auch, d. h., er verlangte von allen, daß sie ihre Schülerpflichten ernst nehmen und gewissenhaft erfüllen sollten. Und zuweilen mochte es selbst scheinen, als ob der Nachdruck, mit dem er„auf seinem Scheine“ bestand, nicht ganz frei von Härte wäre. Aber das schien nur denen so, die ihn nicht genau kannten. Im Verkehr mit Kindern und mit reiferen Schülern trat die Liebens- würdigkeit seines Charakters, und in den Beratungen über Zeugnisse und Versetzungen
trat sein Wohlwollen gegen die Schüler deutlich hervor. Und wie sehr die Schüler 5


