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Die Sommerſerien dauerten von Sonntag dem 6. Juli bis zu Montag den 4. August.
Vom Wiederbeginn der Schule bis zum 22. September mußte Oberlehrer Dehn- hardt, der zu einer militärischen Ubung einberufen war, vertreten werden. Einen Teil seiner Stunden übernahm mit Zustimmung des Königlichen Provinzialschulkollegiums der Vorsteher des hiesigen Schülerheims, Herr Pfarrer Arend.
Die Feier des Sedantages fand in gewohnter Weise statt. Eingeleitet wurde sie durch den von der Schülerkapelle am Vorabend ausgeführten Zapfenstreich. Der Tag selbst, der diesmal durch sehr schönes Wetter begünstigt war, gestaltete sich für die ganze Anstalt zu einem schönen Festtage. In der Frühe ließ die Gymnasiastenkapelle die fröhlichen Töne des Weckrufs durch die Straßen der Stadt erschallen. Um 11 Uhr fand unter großer Beteiligung der Bürgerschaft die Feier in der Aula statt, bei der der Oberprimaner Theodor Weidner über„Die unmittelbaren Folgen der Schlacht bei Sedan für Frankreich“ einen Vortrag hielt. Nachmittags machten alle Schüler in Begleitung ihrer Lehrer einen längeren Spaziergang, nach dem sie sich in der„Waldschenke“ er- frischten. Am Abend versammelten sich die Schüler der drei oberen Klassen mit ihren Lehrern zu einem Festtrunk in der schön geschmückten Turnhalle.
Am 12. September fand unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrats Dr. Kaiser die Reifeprüfung statt. Alle 8 Prüflinge erhielten das Zeugnis der Reife.
Das Wintersemester begann am 15. Oktober mit der Aufnahmeprüfung.
Am 18. Oktober hielt Professor Dr. Becker die Ansprache zum Andenken an Kaiser Friedrich III.
Zu Anfang des Winterhalbjahrs übernahm Oberlehrer Dr. Sänger wieder einige Un- terrichtsstunden, fand aber bald, daß er seine Kraft überschätzt hatte. Im Dezember mußte er von allem Unterricht befreit werden und suchte in einem milden Klima Heilung seines Leidens.
Am 10. Dezember verlor die Anstalt einen Schüler, der in der Blüte des Jünglings- alters stand, und an dessen glückliche Entwicklung die Eltern die schönsten Hoffnungen knüpfen durften. Der Unterprimaner August Niemeyer, Sohn des Pfarrers Niemeyer zu Ronshausen, starb nach kurzer Krankheit in seinem Elternhause. Er wurde von seinen Klassengenossen zu Grabe getragen und eine große Anzahl von Schülern der oberen Klassen gab ihm in Begleitung eines Lehrers der Anstalt das letzte Geleite.
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde in herkömmlicher Weise festlich begangen. Die Gymnasiastenkapelle führte am Vorabend den Zapfenstreich aus und eröffnete den Festtag mit dem Weckruf. Im Anschluß an den Gottesdienst fand in der Aula unter lebhafter Beteiligung der Bürgerschaft die öffentliche Feier statt, bei der Oberlehrer Wassermeioer die Festrede hielt. Am Abend wurde in der festlich ge- schmückten Turnhalle für die Schüler der drei oberen Klassen eine Feier veranstaltet. an der sich die Mehrzahl der Lehrer beteiligte.
Am 1. Februar wurde zur Nachfeier von Kaisers Geburtstag unter lebhafter Be- teiligung der Bürgerschaft von Schülern des Gymnasiums im Saale des Vereins die Festkantate„Die Zollern und das Reich“ für Soli und gemischten Chor mit Klavier- begleitung, komponieért von K. Zuschneid, aufgeführt. Der Reinertrag wurde zu gleichen Tei- len(je 45 Mk.) dem hiesigen Armenverein und dem Vaterländischen Frauenverein überwiesen.


