Jahrgang 
1903
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Am 1. März hielt der Lektor der französischen Sprache an der Universität Gießen, Herr Goetschy, in demselben Saale einen Vortrag in französischer Sprache zunächst für die Schüler des Gymnasiums. Zu diesem Vortrag hatte sich auch eine große Zahl Zuhörer aus der Bürgerschaft eingefunden. Herr Goetschy verstand es, durch seinen sehr lebhaften, zum Teil dramatischen Vortrag auch solchen, die der fremden Sprache nicht ganz mächtig waren, das Verständnis der vorgetragenen Dichtungen und Schilderungen wesentlich zu erleichtern.

Am 6. März fand unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrats Dr. Kaiser und am 7. März unter dem Vorsitz des Unterzeichneten die mündliche Reifeprüfung statt. Allen in die Prüfung eingetretenen Abiturienten wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt.

Am 9. März wurde von Oberlehrer Dehnhardt bei der Morgenandacht des Heimgangs Kaiser Wilhelms I. gedacht.

Am 23. März gedachte Prof. Oertel in der Morgenandacht der hohen Bedeutung des Geburtstags Kaiser Wilhelms I.

Über die Gesundheitsverhältnisse an der Anstalt ist folgendes zu berichten:

Professor Dr. Sänger war das ganze Jahr hindurch durch Krankheit verhindert, seinen Beruf wahrzunehmen. Sein zu Anfang des Winterhalbjahrs gemachter Versuch, die so schmerzlich entbehrte Tätigkeit wenigstens teilweise wieder aufzunehmen, erwies sich als verfrüht und mutßte nach einigen Wochen wieder aufgegeben werden. Im übrigen war der Gesundheitszustand im Lehrerkollegium im ganzen befriedigend. Zwar mußten fast alle Lehrer zeitweise wegen Krankheit vertreten werden, aber doch immer nur für kürzere Zeit, so daß der Unterrichtsbetrieb nicht wesentlich gestört wurde.

Der Gesundheitszustand der Schüler war im ganzen gut. Insbesondere sind wir von ansteckenden Krankheiten verschont geblieben.

Mit dem Schlusse des Schuljahres verlassen uns die Herren Krüdener und Dr. Lenz, jener, um in Biebrich, dieser, um in Korbach eine Ober- lehrerstelle anzutreten. Oberlehrer Krüdener hat zwei Jahre, ein Jahr als candidatus probandus, ein Jahr als Wissenschaftlicher Hülfslehrer unserer Anstalt angehört und in dieser kurzen Zeit hier so festen Boden gewonnen, daß es ihm ebenso schwer wird, sich loszureißen wie uns, ihn scheiden zu sehen.

Oberlehrer Dr. Lenz hat nur ein Jahr hier gewirkt und zwar zugleich als Probe- kandidat und als Wissenschaftlicher Hülfslehrer. Auch er hatte die Anstalt, an der er zuerst die Lehrtätigkeit auszuüben berufen war, liebgewonnen, und auch ihn sehen wir nur ungern scheiden. Unsere besten Wünsche folgen beiden in ihre neuen Stellungen.

Nachtrag vom 28. März. Während der letzten Korrektur dieses Bogens geht uns die erschütternde Kunde zu, daß Professor Dr. Sänger gestern abend aus diesem Leben abberufen worden ist. Die Anstalt erleidet durch sein Hinscheiden einen schweren Verlust. Uber seinen Lebensgang wird im nächsten Programm berichtet werden.