Jahrgang 
1902
Einzelbild herunterladen

Nachruf, aus dem er die folgende Stelle als bezeichnend für die Hochschätzung, deren sich der Verstorbene erfreute, hier zum Abdruck bringt.

Herr Rendant Münstermann verband mit einer vollkommenen Geschäftskenntnis die peinlichste Gewissenhaftigkeit in seiner Amtsführung. Er war ein musterhafter Beamter, und die Dienste, die er während einer langen Reihe von Jahren dem hiesigen Gymnasium geleistet hat, können nicht leicht überschätzt werden. Dabei war er von einer seltenen, man möchte sagen rührenden Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit. Er wollte nichts sein, als ein treuer, gewissenhafter Diener des Staates und ein zuverlässiger Ratgeber für alle die vielen, die Rat und Hülfe bei ihm suchten. Warme Anerkennung von seiten seiner Vorgesetzten ist ihm ebenso sicher, wie Verehrung und Liebe von allen, die ihm nahe standen.

Das neue Schuljahr begann Montag den 15. April mit der Aufnahmeprüfung.

Dienstag den 16. April wurden die neu eintretenden Schüler nach der Morgenandacht von dem Unterzeichneten mit der Schulordnung bekannt gemacht und zu deren Befolgung sowie überhaupt zu pünktlichem Gehorsam durch Handschlag verpflichtet.

8 Im Anschluß daran gedachte der Unterzeichnete mit ehrenden Worten des am 11. April verstorbenen Gymnasialrendanten Münstermann, der 32 Jahre lang mit muster- hafter Genauigkeit und Pflichttreue die Kgl. Gymnasialkasse verwaltet hatte.

An demselben Tage wurde Oberlehrer Dr. Stamm mit der einstweiligen Führung der Kassengeschäfte beauftragt.

Am 15. Mai hielt in Hersfeld unter dem Vorsitz des Unterzeichneten derVerein von Lehrern an höheren Unterrichtsanstalten der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck seine 26. Hauptversammlung ab.

Über die Verhandlungen der Versammlung liegt ein ausführlicher gedruckter Bericht vor. Hier sei nur noch erwähnt, daß auch die geselligen Veranstaltungen zu allgemeinster Zufriedenheit verliefen, so daß es wohl nicht bloße Höflichkeit war, wenn uns von allen Seiten versichert wurde, die diesjährige Tagung in Hersfeld gehöre zu den schönsten, die der Verein erlebt habe.

Vom 14. bis zum 28. Juni mußte der Unterzeichnete, der zur Teilnahme an der Orthographischen Konferenz in Berlin eingeladen und mit der Feststellung des Protokolls über die Verhandlungen beauftragt war, vertreten werden.

Die Sommerferien dauerten von Sonntag dem 7. Juli bis zu Montag dem 5. August.

Bei der dem Wiederbeginn der Schule am 6. August vorausgehenden Morgenandacht wurde von dem Unterzeichneten des Heimgangs Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich gedacht.

Der Sedantag wurde in herkömmlicher Weise durch eine Schulfeier in der Aula unter lebhafter Beteiligung der Bürgerschaft festlich begangen. Dabei sprach der Ober- primaner Heinrich Henkel überDie Entwicklung des preußischen Heeres. Am Nach- mittag machten die Schüler der oberen Klassen unter Begleitung einiger Lehrer einen Ausflug über den Gellenberg nach Bebra.

Am 5. September fand unter Vorsitz des Herrn Provinzialschulrats Dr. Kaiser die Reifeprüfung statt.

Am 15. Oktober begann das Winterhalbjahr mit der Aufnahmeprüfung.