Jahrgang 
1896
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Am 15. Juni hielt der Wissenschaftliche Hülfslehrer Stemmler, am 18. Oktober Professor Dr. Schmidt die Ansprache an die versammelte Schulgemeinde zum Andenken an Kaiser Friedrich III.

Sonnabend den 6. Juli wurde die Schule geschlossen; Dienstag den 6. August begann der Unterricht wieder.

Donnerstag den 22. August begann die schriftliche Prüfung der Abiturienten des Gymnasiums und des Realprogymnasiums, sowie der dem Gymnasium zur Ablegung der Reifeprüfung zugewiesenen Nichtschüler.

Der Sedantag wurde diesmal wie von der ganzen Stadt, so auch vom Gymnasium in besonders festlicher Weise begangen. Da die Stadt, um den Tag zu einem Festtag für die ganze Bevölkerung zu gestalten, die Hauptfeier auf Sonntag den 1. September gelegt hatte, so ordnete sich das Gymnasium mit seiner Feier dem allgemeinen Festprogramm ein. Demgemäß führte die Gymnasiastenkapelle zur Einleitung des Festtages am 31. August den Zapfenstreich und in der Frühe des 1. September den Weckruf aus. Um 9 Uhr zogen die Schüler, von allen Lehrern begleitet, in die Kirche, und nach der Kirche fand in dem großen, festlich geschmückten Saale der Gesellschaft Verein die Schulfeier statt. An dieser beteiligten sich die Behörden der Stadt, das Offizierkorps der Kriegsschule und eine so große Zahl von Teilnehmern aus der Bürgerschaft, daß die Festräume sie kaum zu fassen vermochten. Besonders eingeladen waren zu der Feier die Veteranen aus der Stadt Hersfeld, und sie waren alle erschienen, ungefähr hundert an der Zahl, geschmückt mit ihren Ehrenzeichen, und hatten die ihnen vorbehaltenen Ehrenplätze eingenommen. Von den Schülern wurde Barbarossas Erwachen von August Wiltberger aufgeführt. Die Festrede, in der auch die anwesenden Veteranen besonders geehrt wurden, hielt der Unterzeichnete. Er schloß mit einem von der Festversammlung mit Begeisterung aufgenommenen Hoch auf unsern Kaiser.

Am Nachmittag beteiligte sich das Gymnasium mit allen Lehrern und Schülern an dem Festzug, der sich ungefähr 2200 Personen umfassend durch die Hauptstraßen der Stadt zum Festplatz bewegte.

Am 2. September zogen sämtliche Schüler, von allen Lehrern begleitet, unter den Klängen ihrer eignen Kapelle durch die Stadt zu einem Ausflug durch den Wald nach Wolffs Felsenkeller. Hier wurden sie von einer festlichen Ansprache des Professors Oertel empfangen, und dann entwickelte sich bald ein munteres und fröhliches Treiben, das von turnerischen Gesamtübungen, Reigen der kleineren und Stabübungen der größeren Schüler, unterbrochen wurde. Der Abend vereinigte dann noch die Schüler der obersten Klassen in Anwesenheit einiger Lehrer zu einem Festtrunk.

Die ganze Feier verlief in allen ihren Teilen schön und in allen Beziehungen befrie- digend, so daß alle Beteiligten an den nationalen Festtag stets mit Freuden zurückdenken werden.

Am 3., 5. und 6. September mußte der Nachmittagsunterricht wegen sehr großer Hitze ausfallen.

Vom 16. bis einschließlich den 18. September fand unter dem Vorsitz des Unter- zeichneten die mündliche Reifeprüfung der Nichtschüler, am 25. unter Vorsitz des Herrn Geheimen Regierungsrats Dr. Lahmeyer die der Gymnasial-Abiturienten, und am 28 unter Vorsitz des Unterzeichneten die der Abiturienten des Realprogymnasiums statt.