Jahrgang 
1896
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Das Wintersemester begann am 14. Oktober mit der Aufnahmeprüfung. Am 15. Oktober wurde nach der Verpflichtung der neu aufgenommenen Schüler der dem Gymnasium zur Ableistung des Probejahrs zugewiesene Kandidat des höheren Schulamts Emil Becker in seine Stellung eingeführt. UÜber seinen Lebensgang teilt derselbe folgendes mit:

Emil Becker, geboren am 17. Oktober 1867 zu Hanau a. M., evangelischer Konfession, besuchte von Ostern 1877 bis 1886 das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte von 1886 bis 1890 auf den Universitäten Erlangen und Marburg Geschichte, Geographie und die alten Sprachen. Im Dezember 1891 pestand er vor der Kgl. Wissenschaftlichen Prüfungskommission zu Marburg das examen pro facultate docendi. Nachdem er hierauf noch mehrere Jahre Nationalökonomie und deutsche Litteratur studiert hatte, wandte er sich dem praktischen Schuldienst zu. Michaelis 1894 trat er das Seminarjahr am Kgl. Friedrichsgymnasium zu Kassel an, zur Ableistung des Probejahrs wurde er dann Herbst 1895 dem Kgl. Gyͤmnasium zu Hersfeld überwiesen.

Am 21. Dezember verlor die Schule durch den Tod einen sehr liebenswürdigen und braven Schüler, den Abiturienten des Realprogymnasiums Johannes Bürmann aus Bebra.

Am 18. Januar wurde der Gründung des Deutschen Reiches in den einzelnen Klassen durch Ansprachen der Lehrer gedacht. Daran schloß sich eine gemeinsame, in Gesang, Deklamation und einer kurzen Ansprache des Direktors bestehende Feier, an deren Schluß der Direktor dem Oberprimaner Berlit, dem Unterprimaner Kürschner und dem Ober- sekundaner Hollstein je ein Exemplar des Lindnerschen Werkes(vgl. II, 16), ferner dem Oberprimaner Plannet, dem Unterprimaner Olderog und dem Obersekundaner Israel je ein Exemplar der Rede des Generals von Mischke(vgl. II, 18) als Geschenk des Herrn Ministers überreichte. Am Abend des Festtages waren die Schüler der oberen Klassen im kleinen Saale der Gesellschaft Verein zu einem Festtrunk vereinigt. Die Feier, bei der patriotische Ansprachen von Lehrern und Schülern, Gesänge und musikalische Vorträge mit einander abwechselten, nahm in allen Beziehungen den schönsten Verlauf.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs wurde in gewohnter Weise, nur unter dem Eindruck der Gedenktage noch in erhöhter freudiger Stimmung gefeiert.

Am Vorabend führte die Gymnasiastenkapelle, von den Schülern der oberen Klassen als Fackelträgern begleitet, den Zapfenstreich aus, und am 27. leitete ihr Weckruf den Fest- tag ein. Die Feier in der Aula, bei welcher Professor Lic. Oertel die Festrede hielt, er- freute sich eines sehr zahlreichen Besuches. Insbesondere waren fast sämtliche Herren Offiziere der Kriegsschule zugegen.

Der Abend vereinigte die Lehrer und die Schüler der oberen Klassen zu einem Fest- trunk in der Turnhalle, die von den Schülern selbst mit Hülfe des Schuldieners in sehr ge- schmackvoller Weise in ein festliches Gewand gekleidet war.

Am 10. bezw. 14. Februar folgten die Wissenschaftlichen Hülfslehrer Dr. Alten- burg und Dehnhardt einer Aufforderung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums zur Vertretung kranker Lehrer in Kassel und Hadamar.

Am 5. März wurde in der Aula des Gymnasiums eine Abendunterhaltung veranstaltet, in der Hermann Leiserings DichtungDornröschen, in Musik gesetzt von Rudolf Magnus, zum Vortrag kam. Der musikalische wie der deklamatorische Teil fand reichen Beifall, insbesondere waren die mit unermüdlicher Sorgfalt von dem Gesanglehrer Berge eingeübten Chorgesänge von gewaltiger Wirkung. Der Ertrag der Aufführung wurde zum