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Strom von Gaben in das Zimmer des Direktors, das von einem Warenlager kaum zu unterscheiden war. An Ess- und Trinkbarem wurde gebracht: Schokolade, Zucker in der verschiedensten Form, Kakao, Tee, Kaffee, lose und in Würfeln, Keks, Kuchen, Leb- kuchen, Milchkakao und Vollmilch in Dosen, Pfeffermünz, Suppenwürfel, Apfel, Wal- und Haselnüsse, Konserven in Büchsen, Dörrobst, Mus in Gläsern und Dosen, Sardinen, Bien- honig, Wurst, Likör, Rum, Kognak, Wein. Für die Raucher gab es Zigarren, Zigaretten und Tabak in grosser Menge, dazu mitunter auch einen Tabaksbeutel, eine Tabakspfeife oder eine Zigarrenspitze, Streichhölzerbüchsen, Luntenfeuerzeuge.
Aimn wertvollsten waren aber die von den Schülerinnen meist selbst gearbeiteten Wollsachen: Strümpfe, Socken und Fussschlüpfer, Handschuhe, Schiesshandschuhe, Stauchen, Kniewärmer, Leibbinden, Halsbinden, Ohren-, Brust- und Kopfschützer, Unterhosen, Hemden.
Der Körperpflege und Behaglichkeit sollten weiter dienen: Taschentücher, Seife, Waschlappen, Handbürsten, Taschenkämme, Taschen- und Rasierspiegel, Bartwichse, Ta- schenmesser, Nähbeutel(in einer Klasse lieferte jede Schülerin einen, einige sogar zwei), Wärmöfchen, Hartspiritus, Krebsfett, Taschenlampen, Kerzen, Hosenträger, Karten- und andere Spiele.
Deèem schriftstellerischen Drang unserer Feldgrauen wurde Rechnung getragen durch grosse Mengen von Briefpapier, Feldpostkarten, Notizbücher, Blei- und Tintenstiften, und einen sehr glücklichen Griff tat zweifelsohne die Klasse, deren Angehörige jede eine Mundharmonika stiftete. Auch einige Bücher wurden gebracht.
Mit dem, was wir gekauft hatten, war es soviel geworden, dass wir nicht nur statt der vorgesehenen 40 Pakete deren 60 machen, sondern auch noch der Marine 2 Kisten und dem hiesigen Roten Kreuz mehrere Körbe voll Gaben zuweisen konnten. Herr Oberstleutnant und Regimentskommandeur Rothardt, Herr Grossadmiral von Köster und Herr Landgerichtsrat Wiener liessen durch die Direktion den Spenderinnen verbind- lichsten Dank sagen. Da diese den Geschenken ihre Namen beigelegt hatten, so erhielten sehr viele von ihnen von einem Feldgrauen oder einer Blaujacke noch einen besonderen Dankesgruss, der in manchen Fällen einen weiteren Feldpostverkehr nach sich gezogen hat.
Aber nicht erst die Weihnachtssendung brachte den Beweis für die Opferwillig- keit unserer Mädchen. Ihre Spende von 1914 für die Luſtflotte ist im Jahresbericht von 1915 erwähnt. Im Sommer 1915 während der„Kriegsbuchwoche“ wurden 649 Bände und verschiedene lose Zeitschriften von ihnen beigesteuert. Eine Nachlese im Februar brachte noch einmal etwa 100 Bände nebst verschiedenen Zeitschriften, die mit beinahe ebensovielen aus der Schülerinnenbücherei ausgeschiedenen Bänden an das hiesige Rote Kreuz abgeliefert wurden. Bei dieser Gelegenheit sei nachgetragen, dass die Schule bereits 1914 über 100 aus der Schülerinnenbücherei ausgeschiedene Bände für die hiesigen Lazarettbüchereien zur Verfügung gestellt hatte.
Für die„Kaiser-Wilhelm-Spende“ sammelten unsere Schülerinnen 601 M 43 pf. und die der Oberklassen halfen sammeln an den Opfertagen für die deutschen Gefangenen in Russland und an denen des Roten Kreuzes.
Einer Bitte des Leiters der hiesigen Stadtmädchenschule, unsere Mädchen möchten ihm abgelegte Schuhe für arme Stadtschülerinnen überlassen, wurde entsprochen durch Ablieferung von 75 Paaren.
Aus dem seit Weihnachten gesammelten„Kriegspfennig“ wurden Ende März dem


