XXI.
Da eilt das Morgenrot voraus dem Tage,
Die Peri schwebt drum schnelle himmelwärts Und bringt zum Himmel jene edle Klage
Von reinem selbstvergessnen Liebesschmerz. Hoch schlägt ihr Herz, von Hoffnung froh, empor, Nun wird des Himmels Palme sie erringen;
Es lächelt mild der sel'ge Geist am Thor,
Als er sie sieht die zweite Gabe bringen.
Sie hört den Wind durch Edens Bäume gehen Und der krystallenen Glocken klaren Ton,
Wie sie erklingen in ambros'schem Wehen,
Das schwellend dringt von Allahs ew'gem Thron; Die Sternenbecher auch sieht sie schon winken, Woraus dort an des klaren Seees Rand
Zuerst Verklärung alle jene trinken,
Die Einlass finden in das heil'ge Land.
Doch auch der Peri Hoffnung selber trügt,
Dem Schicksal noch die Gabe nicht genügt.
Des Paradieses Thor fuhr zu.„Noch nicht,“ Rief aus der Engel, als in tiefem Schmer⸗z
Er ihr verbarg des Himmels sel'ges Licht; „Treu war die Maid, wie treu ihr reines Herz, Das soll in Feuerzeichen sich ob Allahs Throne Noch lange künden jedem Himmelssohne.
Doch, Peri, siehst Du, die krystallne Pforte Bleibt fest verschlossen, heil'ger bring' fürwahr Als solchen Seufzer eine Gabe dar,
Begehrst du Einlass zu dem Himmelsorte.“
Nun giesset über Syriens Rosengauen
Der Abend aus sein ruh'ges mildes Licht, Doch ist mit heller Sonn' im Angesicht,
Wie ruhmbedeckt, der Libanon zu schauen, Des eis'ge Höhen auf zum Himmel steigen, Mit ew'gen Schneees keuschem Weiss bedeckt, Indes im Thal der Blumen lust'ger Reigen Den eingeschlaf'nen Sommer heimlich neckt.
Wer hoch sich hätte in die Luft geschwungen Und auf die Zaubergärten all geblickt,
Welch Wunderschein wär' zu ihm auf gedrungen, Welch Bild des Lebens hätte ihn erquickt!


