XX.
Bin Deine Braut, die ihren Platz soll haben Zur Seite Dir im Leben und im Sterben. Glaubst Du, dass der, die wahres Glück allein Bei Dir in dieser trüben Welt gefunden,
Ein Licht noch strahlet in die Nacht hinein, Bist Du erst durch den finstren Tod gebunden! Ich soll noch leben, in den Tod Du geh'n, Oh du mein Leben, das soll nie gescheh'n. Stirbt ab der Stamm, was bleibt den Zweigen allen Als welkend auch alsbald herabzufallen!
So wende dich, Geliebter her zu mir,
Und neige dich auf meine kühlen Lippen, Noch einmal frisches Leben dort zu nippen, Eh ich, versengt, hinwelkend, folge Dir.“
Die Sinne schwinden ihr, sie sinkt zusammen; Sowie im feuchten Grabgewölb die Flammen, So schnell verlischt ihr mildes Auge auch Von seiner bittren Klagen leisem Hauch.
Ein Zucken noch— vorüber ist die Not,
Der Liebste liegt in ihren Armen tot.
Noch eines letzten Kusses langen Hauch— Ihr letzter Kuss— ihr letzter Atem auch.
„Schlaf“ sagte die Peri, und fasste zage
Der verschwebenden Seele letzte Klage—
Kein Weib hat inniger je gefleht.
„Umfangen von duftigen Träumen, schlaf weiter In Lüften so würzig und wonnig und heiter Wie nie sie den Holzstoss des Phönix umweht, Der schliesslich sich selber sein Sterbelied singt Und stirbt, wenn es rings um ihn duftet und klingt.“
So sprach die Peri, und von ihrem Munde Verbreitet Himmelshauch sich in der Runde; Es fällt von ihres Hauptes Strahlenkranz Auf beider blasses Antlitz solch ein Glanz, Dass lieblich wie zwei Heilige sie scheinen, Die in des Grabes nachtumfangner Ruh
In Wonne schlafen dem Gerichte zu.
Doch von der guten Peri konnt man meinen, Sie hielte dort als Schutzgeist treue Hut Bei beider Seelen, bis sie ausgeruht.


