Jahrgang 
1898
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XV

Und rüttelt an der tausend Fürsten Thron?

's ist Gaznas Herrscher'), der in Wut entbrannt In Indien einbricht, seines Raubzugs Spuren, Zerbrochne Scepter zeigen sie im Sand.

Der Bluthund trägt denSchmuck der Perlenschnuren, Die mancher Fürstin, nach der Knechtung Qual, Mit frecher Hand vom Busen weg er stahl.

Der Mädchen Kammer hallt von Mordschrei wieder, Im Tempel selbst schont er die Priester nicht, Stürzt in den Fluss zerstörte Schätze nieder, Bis er, gestaut, aus seinem Bette bricht.

Die Peri lässt hinab die Blicke schweifen

Und durch des Schlachtfelds blut'ge Nebelstreifen Erspäht sie, wo ein junger Krieger stand,

Allein an seines Heimatflusses Rand,

Das blut'ge Schwert in seiner Hand zerbrochen, Und nur noch ein Geschoss auf seinen Bogen. Sollst leben, rief der Sieger, Anteil haben

An meiner Beute, meiner Kronen Zahl!

Der jJüngling lehnte schweigend ab die Gaben, Und zeigte schweigend nach der Wasser Schwall, Die blutrot von der Kampfgenossen Fall;

Als Antwort nimmt den letzten Pfeil er dann, Legt auf die Brust des frechen Räubers an.

Der Schuss ging fehl, vorbei am sichren Ziel, Und der Tyrann blieb heil, der Jüngling fiel Die Peri aber merkt' sich, wo er lag,

Und als vorüber war des Krieges Graus, Schwebt sie hernieder mit dem frühen Tag, Und eh' er haucht die freie Seele aus,

Fängt sie noch auf, verwahrt ihn schnell und gut, Des Heldenherzens letzten Tropfen Blut.

Dies bringe, rief sie, schwebt dabei empor, Willkommen mir am paradies'schen Thor. Das Blut ist trüb oft, das im Felde fliesst, Die Tropfen aber, die ein Herz vergiesst

*) Mahmud von Gazna, der Indien im Anfang des 11. Jahrhunderts eroberte; es wird berichtet, er habe 400 Hunde gehalten, von denen jeder ein mit Juwelen besetztes Halsband und eine mit Gold und Perlen verbrämte Decke trug.