Jahrgang 
1898
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XIV.

Reichster Edelsteine heller Brand,

In Chilminars*) Trümmern ruh'n vergraben, Wo von Süd Arabiens heitre Küste

Einst die Roseninsele¹) duftend grüsste,

Die die Wellen langst verschlungen haben; Und ich weiss, wo vor der Sonne Strahl Genien bargen Jamschids Goldpokal'), Drinnen Elixiere schaumend wallen Doch wird solche Gabe auch gefallen? Wunqderstufen rings vor Allah's Throne Strahlen heller als die schönste Krone Und was sind die Lebenstropfen all,

In des Zeitmeers endlos tiefem Schwall?

So sinnend schwebet sie auf leichten Schwingen Hin über Indien, jenes Wunderland,

Wo meerumrauscht liegt der Korallenstrand, Wo in den Bergen von der Sonne Brand

Viel tausendfach erglüht der Diamant,

Wo jeder Bach gleicht einer reichen Braut

Und strahlend Gold mit seiner Flut betaut,

Wo jeder Sandel-, jeder Palmenhain

Schon Paradies könnt' einer Peri sein!

Jetzt aber rannen rot des Flusses Wogen

Von Menschenblut, und gift'ger Todeshauch Stieg dampſend auf aus dem sonst würz'gen Strauch; Gefall'ner Mânner Blut spritzt auf im Bogen, Erstickend rings der Blüten reinen Duſt,

Und gifthauchschwanger rauchet rings die Luſt. O Land der Sonne, wer dringt plündernd ein In Deine Tempel, Deiner Säulen Reih'n; Frevelt am Altar, spricht den Göttern Hohn,

³) Chilminar; wöortlich: vierzig Pfeiler. So nennen die Perser die Ruinen von Persepolis. Sie glauben, dieser Palast sei durch Geister erbaut, und in den unterirdischen Gewölben läge noch bis auf den heutigen Tag unermessliche Schätze verborgen.

*) Roseninsel; eine Insel Panchaia, südlich von Arabien soll durch vulkanische Vorgänge plötzlich versunken sein.

*) König Jamshids mit Juwelen besetzter Becher soll s. Z. beim Graben nach den Grundmauern von Persepolis gefunden worden sein.