XII.
Das Paradies und die Peri. ⁰
Es stand vor'm Paradies an einem Morgen Einst eine Peri, schwer gedrückt von Sorgen; Die Lebensbrunnen hort sie drinnen rauschen,“ Und wie sie steht, dem süssen Klang zu lauschen, Und durch das halbgeöffnete Portal
Auf ihren Schwingen glänzt der Himmelsstrahl, Da weint sie laut, dass sündig ihr Geschlecht Ewig verwirkt auf solche Wonn' das Recht.
„Wie glücklich, so rief der Lüfte Kind,
Doch jene seligen Geister sind,
Inmitten von Blumen nie welkender Pracht! Sind mein auch die Gärten der Länder und Meere, Und streuen mir Blumen selbst Sternenheere, Sie sinken vor Himmelsblumen in Nacht.“
„Und wehet vom Kaschmir-See*) kühlender Hauch, Und spiegeln sich sonnenklar Bäume und Strauch, Und plätschert der Springquell in lieblichem Fall, Und glitzern die Wellen des Sing-Su-Hay:) helle, Und der goldreichen Ströme wandernde Welle, Nur Selige wissen, wie sehr sie doch all Verdunkelt der himmlischen Wasser Schwall.“
¹) Peri(persisch), eine Klasse böser Geister, jedoch keine schädlichen Dämonen der Finsternis, sondern gefallene Geister, die sich dem Lichte wieder zuwenden. Ihre Läuterung ist allerdings nochi nicht so weit vollendet, dass sie das Paradies selbst betreten dürfen, aber sie dürfen bereits bis an die hohen Pforten desselben aufsteigen. Sie werden geschildert als die schönsten und zartesten Wesen, leicht und luftig von Körperform, in den oberen Räumen des Aethers wohnend und von dem Hauche der Blumen sich nährend (Minckwitz.) Die folgenden Anmerkungen sind aus der englischen Ausgabe entnommen.
²) Der Kaschmir-See, unterhalb der Stadt gleichen Namens, zeichnet sich aus durch seine zahlreichen Inseln; eine heisst nach den Bäumen, mit denen sie bestanden, Plataneninsel.
²) Sing-Su-Hay, Seen, in die sich der Goldsand führende Altan- Kol(Goldfluss ergiesst.


