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dem Unterrichte nutzbringend ſein. Wie dieſer aber verworren wird, wenn er ſich zu viel in Einzel⸗ heiten verliert, ſo wird auch ein Schulgarten ſeiner Aufgabe nicht gerecht, wenn die Fülle des Pflanzen⸗ materials zu groß, wenn er zur Raritätenſammlung wird. Leider wird jetzt ſchon, wo die Gärten erſt im Entſtehen begriffen ſind, gegen dieſe Grundregel gefehlt. Ein Schulgarten darf kein botaniſcher Garten werden, er ſoll das Material liefern, deſſen der Unterricht bedarf. Und es iſt keine kleine Aufgabe, dieſer Anforderung in jeder Beziehung zu entſprechen.
Vor allem muß er ausreichendes typiſches Material für den Unterricht bieten, ſodann das Material für die Repetition, bei der man zweckmäßig zu einer zweiten Pflanze derſelben Familie greift, liefern. Ferner muß es möglich ſein, die im Lehrplan vorgeſchriebenen Pflanzenfamilien an typiſchen Vertretern im Garten zuſammenſtellen zu können, und für die oberſte Stufe muß überdies noch aus⸗ reichend Material zum Selbſtbeſtimmen vorhanden ſein. Zieht man dabei in Betracht, daß möglichſt jedem Schüler ein Exemplar zur Verfügung ſtehen ſoll, ſo ergiebt das ſchon ein Pflanzenmaterial, deſſen Pflege und Aufzucht dem Lehrer ein nicht gewöhnliches Opfer an Zeit und Mühe auferlegt. Die Erweiterung der Kenntniſſe und des Geſichtskreiſes des Schülers muß Aufgabe der Exkurſionen bleiben.
Erſt in zweiter Linie ſteht die Anlage von Verſuchsbeeten für den Lehrer, die Herſtellung von Alpinas u. a. Auch ein Alpinum ſollte nur wenige typiſche Vertreter enthalten, ſoweit ſie in den Rahmen des Ganzen ſich einpaſſen laſſen.
Man darf bei dem botaniſchen Unterricht nicht aus den Augen laſſen, daß es ſich nicht darum handelt, Blumenkenner heranzubilden, ſondern daß es die weit ſchwierigere Aufgabe zu löſen gilt, gründ⸗ liche Schulung der Auffaſſungsgabe und des Verſtändniſſes für die lebende Natur anzubahnen und möglichſt auszubauen. Dies gelingt aber nicht durch die Fülle, ſondern durch klare, zielbewußte Aus⸗ wahl und Beſchränkung.
Ein Verzeichnis der im Garten angebauten Pflanzenſpezies unterbleibt in dieſem Jahre, weil die Bepflanzung durch Fehlſchlagen der Saaten, Umbau verſchiedener Teile des Gartens noch nicht ſoweit gediehen iſt, daß er ein lebendes Bild für den Lehrplan böte.
Allgemeine Bemerkungen zum naturgeſchichtlichen Unterricht.
Den bereits Oſtern 1892 ausgeſprochenen Anſchauungen über den naturgeſchichtlichen Unterricht mögen ſich die folgenden Bemerkungen als Zuſätze anſchließen.
Man hat die Forderung aufgeſtellt, daß für je zwei Schüler in der Schule ein Mikroskop vorhanden ſein müſſe, oder daß jeder Schüler ſich ein ſolches ſelbſt beſchaffe, ähnlich wie er z. B. einen Atlanten ſich kauft. Mit dieſer Forderung geht man unſeres Erachtens wohl doch etwas zu weit, zumal wenn man bedenkt, daß die Mikroskopie ſich nur auf die oberſte Lehrſtufe beſchränkt. Im allgemeinen wird man zufrieden ſein müſſen, wenn man 3—4 Inſtrumente zur Verfügung hat, um friſche Präparate zu demonſtrieren. In den meiſten Fällen iſt es ſogar beſſer mit Projektionslampe und Objekt, oder Projektionslampe und Diapoſitiv zu arbeiten. Dieſe Methode dürfte wohl auch dazu berufen ſein, die Wandtafeln allmählich aus dem Unterricht zu verdrängen, weil das Objekt hier⸗ bei körperlich und naturgetreu geſehen wird.
In der angezogenen Programmarbeit wurde von uns der unterſten Unterrichtsſtufe als weſent⸗ licher Lehrgegenſtand die Terminologie, die Kenntnis der Pflanzenorgane, deren äußere Geſtaltung und ihre Bedeutung für die Pflanze zugewieſen. Dies war jedoch nicht ſo aufzufaſſen, als ob man hier


