Jahrgang 
1896
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gabe und das Wecken und Stärken des Intereſſes des Schülers für die Natur verlangt unbedingt lebendes Material. Daß man indeß dies Ziel dadurch zu erreichen ſucht, daß man die Zoologie einfach verkürzt, iſt ein doppeltes Verſehen. Dem gefühlten Mangel iſt nur dadurch abzuhelfen, daß man für die Zoologie ebenfalls lebende Objekte ſchafft. Im Oſterprogramm 1892 iſt bereits darauf hingewieſen, daß der einzige Weg, dieſem Mangel abzuhelfen, die Errichtung einer zoologiſchen Abteilung im Schul⸗ garten ſei.

Wollten wir wirklich dem an ſich trocknen, aber ganz unentbehrlichen ſyſtematiſchen Unterricht lebensfriſche, biologiſche Betrachtungen als Grundlage geben, ſo darf die Zoologie vor allen Dingen dabei nicht zu kurz kommen. Das Tier ſteht in ſeinen ganzen Lebensäußerungen dem Schüler viel näher als die Pflanze. Die Beziehungen ſind bei weitem leichter aufzufinden und herzuſtellen zwiſchen Tier und Menſch, als zwiſchen Pflanze und Menſch. Was hier leicht, iſt dort nur ſchwierig außzufinden, und es bedarf nur der leitenden Hand des Lehrers, die gewünſchte Vertiefung in die Beziehungen des Menſchen zur lebenden Natur zu ſchaffen. Die Zoologie bildet die Brücke zum Verſtändnis des Pflanzen⸗ lebens. Soll ein allgemeines Verſtändnis für die wechſelſeitigen Beziehungen der lebenden Naturobjekte das Ziel des naturgeſchichtlichen Unterrichtes ſein, ſo darf kein Teil auf Koſten des anderen verkürzt werden. Die Einrichtung einer zoologiſchen Abteilung im Schulgarten geſtattet es, im zoologiſchen Unterrichte möglichſt viel lebendes Material heranzuziehen und ſo jene Lücken auszufüllen.

Es braucht wohl nicht beſonders hervorgehoben zu werden, daß mit der Betrachtung eines Tieres in der Stunde die ganze Beſprechung desſelben nicht abgeſchloſſen iſt, ſondern daß die Beobachtung im Garten ſich über das ganze Sommerſemeſter erſtreckt. Auch hierin liegt ein weſentlicher Vorteil dieſer Methode. Das ausgeſtopfte Präparat wandert nach der Betrachtung wieder in ſeinen Schrank zurück und bleibt in den meiſten Fällen dort den Augen des Schülers für immer entzogen.

Andere Einwürfe, die uns gemacht wurden, z. B. daß Tiere gehalten würden, die der Schüler Gelegenheit habe, täglich anderswo zu beobachten, oder daß die Tiere ſich gerade in dem Augenblicke, wo ſie der Demonſtration dienen ſollen, nicht zeigten, entbehren ſo jeden Ernſtes, daß ſie auch keiner ernſten Zurückweiſung bedürfen. Nur die Frage nach Disciplinſchwierigkeiten in der Klaſſe bei der Demonſtration lebender Tiere iſt a priori nicht von der Hand zu weiſen. Allein ein Lehrer, der dabei Zuchtloſigkeit ſeiner Schüler fürchtet, hat dieſelbe auch zu gewärtigen, wenn er ausgeſtopfte Tiere mit in die Klaſſe bringt, oder wenn er chemiſche oder phyſikaliſche Verſuche anſtellt, zumal wenn er dabei noch das Unterrichtszimmer verdunkeln muß. Sollen deshalb dieſe Verſuche unterbleiben? Die richtige Antwort auf dieſe Frage iſt leicht zu geben. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Lebhaftigkeit der Schüler bei dieſer Art des Unterrichts eine weit größere iſt, und dieſe Thatſache kann nur mit Freuden begrüßt werden. Sollte ſich dann und wann einmal der Mutwille bei einem Jungen in etwas bedenklicher Weiſe äußern, ſo iſt das von untergeordneter Bedeutung. Ein Lehrer von bekannt ſtraffer Disciplin wird dieſen Mißſtand leicht abſtellen können. Die Perſönlichkeit des Lehrers wird ſich auch hier, wie in allen anderen Unterrichtszweigen, im Betragen des Schülers wiederſpiegeln. Ferner iſt noch in Betracht zu ziehen, daß ſich der Schüler außerordentlich raſch an dieſe Art des Unterrichts gewöhnt, weil er ſein Intereſſe in hohem Maße wachruft und gefangen hält.

Der Beſtand an lebenden Tieren im verfloſſenen Schuljahre war der folgende.

Mammalia:

Canis vulpes, Lepus caniculus, Sciurus vulgaris, Cricetus frumentarius, Cavia cobaya,

Mus musculus.