Bemerkungen über den Schulgarken und den naturgeſchichklichen Unkerricht.
Im allgemeinen hat unſer Schulgarten ſeit ſeiner Erſtanlage im Frühjahr 1892 nur die Ver⸗ änderungen in ſeiner Anlage erlitten, wie ſie praktiſche Erfahrung und zeitliche Entwickelung bedingen. Die Weiterentwickelung hat ſich getreu den im Oſterprogramm 1892 niedergelegten Grundſätzen voll⸗ zogen. Nicht unweſentlich hat zur gedeihlichen Entwickelung das Intereſſe der Stadtverwaltung für den Garten beigetragen. In zuvorkommendſter Weiſe hat dieſe Behörde die Melioration des Bodens auf eigne Koſten übernommen und dem Inſtitute einen Betriebsfonds zur Verfügung geſtellt, der deſſen Inſtandhaltung allein ermöglicht. Es ſei auch hier der Stadtverwaltung der herzlichſte Dank der Anſtalt abgeſtattet. In der botaniſchen Abteilung wurden neue Waſſerbeete mit Sumpfboden(ohne cementierten Untergrund), ein Alpinum, Verſuchsbeete für künſtliche und natürliche Düngung u. a. neu angelegt und die alte Anlage mit der Vermehrung des Pflanzenmaterials und der Melioration des Bodens land⸗ ſchaftlich ſchöner geſtaltet. Für phyſiologiſche Beobachtungen kommt eine kleine offene Halle hinzu. Hier finden Apparate ihre Aufſtellung, welche dem Studium der Lebensverhältniſſe der Pflanzen dienen. Die Beobachtungen erſtrecken ſich auf Keimung, Atmung, Wirkungsweiſe des Lichtes, Helio⸗ und Hydro⸗ tropismus u. a. m. Dem Schüler der Ober⸗Tertia wird hierdurch Gelegenheit gegeben, ſelbſtändige Verſuche und Beobachtungen anzuſtellen, Aufgaben zu löſen, die für den Unterricht unerläßlich ſind. Der Garten entſpricht jetzt jeder Anforderung, die der Unterricht an ihn ſtellen kann.
Ein verhältnismäßig größerer Ausbau iſt der zoologiſchen Abteilung des Gartens zu teil geworden. Es iſt für dieſen Zweck ein neuer Teil an den Garten angeſchloſſen worden, auf dem jetzt zweckmäßigere Unterkunftsräume für die Tiere hergeſtellt werden.
Vielfache Bemerkungen von Collegen über das Halten lebender Tiere und deren Vorführung im Unterricht veranlaſſen dazu, hier einige Bemerkungen einzuflechten.
Die neuen preußiſchen Lehrpläne legen, für die Gymnaſien wenigſtens, den Abſchluß des botaniſchen Unterrichts nach UIII. Außer dem Sommerſemeſter wird demſelben auch noch die erſte Hälfte des Winterſemeſters zugeteilt. Der Grund für die nach unſerer Anſicht ungerechtfertigte, ja geradezu ſchädliche Verkürzung der Zoologie, iſt doch wohl nur darin zu ſuchen, daß der botaniſche Unterricht bislang der einzige war, der den Schüler zur Beobachtung des lebenden Naturobjektes anzu⸗ leiten vermochte, weil er mit lebendem Material arbeitet. Die Zoologie war gezwungen mit aus⸗ geſtopftem Material, Spirituspräparaten und Bildern ſich zu behelfen. Die Schärfung der Beobachtungs⸗


