Jahrgang 
1889
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Zur Geſchichte der Anſtalt im Schuljahre 1888/89.

1. Die am Schluſſe des vorigen Schuljahres für den 16. und 17. März 1888 in Ausſicht genommenen öffentlichen Prüfungen mußten ausfallen. An dem erſtgenannten Tage wurde die Leiche Kaiſer Wilhelms I. in der Gruft ſeiner Eltern beigeſetzt; die Schule veranſtaltete gemäß höherer Anord⸗ nungen eine Trauerfeier, bei welcher Kollege Dr. Theiſen das weltgeſchichtliche Wirken des großen Kaiſers darlegte.

Nur zu bald darnach ſah das Vaterland in Kaiſer Friedrich ſeinen Stolz und ſeine Hoffnung dahinſinken. In der am 18. Juni 1888 abgehaltenen Trauerfeier drückte Direktor Nodnagel die allenthalben kundgegebenen Empfindungen der Nation in zu Herzen gehenden Worten aus.

Wie in jedem Jahre wurde auch diesmal der auf den 12. September, alſo in die Ferien fallende Geburtstag Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs bei dem Beginne des Winterhalbjahrs durch geeigneten Hinweis in der Anſprache des Direktors gefeiert.

Den Geburtstag Sr. M. des Kaiſers Wilhelm II. beging die Schule am Samſtag den 26. Januar 1889. Indem Kollege Dr. Baltz den Schülern das Lebensbild des Kaiſers, den Entwicklungsgang in ſeiner Jugend- und Schulzeit, und in der Zeit der militäriſchen und politiſchen Vorbereitung, ſowie die erſten zielbewußten Regierungshandlungen vorführte, konnte er in feſſelnder Weiſe den Schülern Führungsregeln geben zur Erweckung aller jener Tugenden, welche die Jugend gleichermaßen wie den Mann ſchmücken.

Gemäß einer Verfügung des Großh. Miniſteriums wurde am 9. März d. J. eine einfache Feier zum Gedächtnis des vor einem Jahre erfolgten Heimganges Kaiſer Wilhelms I. gehalten. Kollege Lic. theol. Holtzmann erinnerte die im Feſtſaale verſammelte Schule in kernigen Worten an die Segnungen, welche das Vaterland dem abgeſchiedenen Kaiſer verdankt.

2. Am 3. Auguſt 1888 beſuchte Herr Geheime Staatsrat Dr. von Knorr in Begleitung des Herrn Oberſchulrat Soldan die Anſtalt. Beide Herren wohnten dem Unterrichte in mehreren Klaſſen bei.

Am 16. und 17. November unterzog Herr Oberſchulrat Soldan die Anſtalt einer eingehen⸗ deren Beſichtigung.

3. Durch ein unliebſames, der Direktion nicht zur Laſt fallendes Verſehen konnte im vorigen Jahres⸗ bericht für einen weiteren Beweis hochherziger Geſinnung unter den ehemaligen Schülern unſerer Anſtalt nicht gedankt werden. Bei Gelegenheit ihres 50jährigen Beſtehens ſind der Realſchule un⸗ erwartet viele Zeichen treueſter Anhänglichkeit in Wort und That dargebracht worden, die in gleicher