Jahrgang 
1917
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betrieb recht unangenehm geltend. Infolge der lang andauernden, ſtrengen Kälte ſtockte die Kohlen⸗ zufuhr, ſo daß das hieſige Gaswerk nicht genügend Koks liefern konnte. Es wurden zunächſt die Weihnachtsferien um eine Woche bis einſchließlich 15. Januar verlängert, und dann mußte noch⸗ mals der Unterricht vom 6. bis 12. Februar ausgeſetzt werden. Das ohnehin ſchon kurze Schuljahr von 39 Schulwochen wurde dadurch unliebſam noch mehr verkürzt. Seit dem 13. Februar wurde bei der fortbeſtehenden Kohlenknappheit die Aufrechterhaltung des Unterrichts dadurch ermöglicht, daß das Gymnaſium auf Vorſchlag des Herrn Oberbürgermeiſters das Gebäude des Realgymnaſiums mit benutzte. Jede der beiden Anſtalten erteilte ihren Unterricht in wöchentlichem Wechſel entweder nur vormittags von 8 ½ bis 12 ¾ oder nur nachmittags von 1 ¾ bis 6 Uhr. Das brachte natur⸗ gemäß außer der Kürzung des Unterrichts gar mancherlei Unbequemlichkeiten für Schüler, Eltern

und Lehrer mit ſich, mußte aber wie ſo vieles in dieſer Zeit in vaterländiſchem Intereſſe ertragen werden.

2. Perſönliches. An erſter Stelle möge in herzlicher Verehrung des Mannes gedacht ſein, der über 17 Jahre auf das höhere Schulweſen Heſſens einen beſtimmenden Einfluß ausgeübt hat. Herr Geh. Oberſchulrat Dr. h. c. Ludwig Nodnagel trat am 1. Januar 1917 in den Ruheſtand, nachdem er unter allſeitiger Teilnahme ſeiner Freunde und Verehrer im Mai ſeinen 70. Geburtstag und im Oktober den 50. Jahrestag ſeines Eintritts in das Schulamt hatte feiern dürfen. Als Referent über die höheren Lehranſtalten in das Miniſterium zu einer Zeit berufen, die wohl zu den bewegteſten des heſſiſchen Schulweſens zählt, hat er es im Verein mit dem unvergeßlichen Miniſterialrat Dr. Eiſenhuth verſtanden, durch ſeine wohltuende, durch nichts zu erſchütternde Ruhe die aufgeregten Wogen bald zu glätten und das Vertrauen der Leiter der ihm unterſtellten An⸗ ſtalten durch ſeine zielbewußte und dabei wohlwollende Amtsführung zu gewinnen und zu erhalten. Wir vom Gymnaſium ſind ihm ganz beſonders dankbar dafür, daß er, tief durchdrungen von dem hohen Werte humaniſtiſcher Bildung, das Gymnaſium vor dem weiteren Eindringen weſens⸗ fremder Neuerungen bewahrt hat, die die Eigenart der auch jetzt wieder im Weltkriege erprobten Anſtalt zu untergraben und zu vernichten drohen. Wir werden ſein Wirken in treuem Andenken behalten und wünſchen von Herzen, daß der liebe Gott ihn in ungebrochener geiſtiger und körper⸗ licher Friſche die ihm noch zugemeſſenen Jahre durchleben laſſen möge.

Herr Aſſeſſor Dr. Ruppel verließ uns Oſtern 1916, um eine Stelle an dem Progymnaſium zu Alzey zu verwalten, dagegen kehrte, wie bemerkt, Herr Profeſſor Oßwald aus dem Heere zur gleichen Zeit zu uns zurück.

Herr Referendar Dr. Hermann Buß, der am 1. Auguſt 1916 zum Lehramtsaſſeſſor er⸗ nannt wurde, konnte den ihm zugewieſenen Unterricht leider erſt am 10. Auguſt übernehmen, da er Oſtern vorübergehend an das Gymnaſium zu Bensheim berufen worden war. Seinen Dienſt verſahen inzwiſchen die beiden Seminarmitglieder Herr Otto Heß und Bernhard Lüke. Am 9. Oktober ging Herr Hermann Buß an das Gymnaſium zu Offenbach und gab ſeinen Unter⸗ richt an Herrn Profeſſor Urſtadt ab, der aus dem Heere ausgetreten war.

Herr Otto Heß begann im Herbſte ſein zweites Vorbereitungsjahr an der Realſchule zu Grün⸗ berg, während Herr Lüke, der vorübergehend an der Realſchule zu Butzbach verwendet worden war, zu demſelben Zwecke bis zum 7. Dezember noch bei uns blieb. An dieſem Tage über⸗ nahm er die Stellvertretung eines erkrankten Oberlehrers an dem hieſigen Realgymnaſium. Am 16. Januar kehrte Herr Heß als Stellvertreter des eingezogenen Herrn Zieprecht wieder zu uns zurück.

Herr Dekan Johannes Bayer wurde zum geiſtlichen Rat ernannt.

Am 10. Februar wurde Herr Profeſſor Otto Altendorf zum Direktor der Auguſtiner⸗ ſchule(Gymnaſium und Realſchule) zu Friedberg ernannt. Eine ſtark ausgeprägte Perſönlichkeit, ein wiſſenſchaftlich und pädagogiſch hochgebildeter Lehrer und ein gerechter, feinfühlender, nach⸗