Jahrgang 
1917
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mit dem Eiſernen Kreuze 2. Klaſſe und der Heſſiſchen Tapferkeitsmedaille geſchmückt worden. Das⸗ ſelbe Ehrenzeichen wurde Rudolf Fourier wegen ſeiner ſchneidigen Patrouillengänge von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzoge perſönlich im Felde überreicht. Sein Regimentskommandeur teilt dieſes und ſeine einſtimmige Wahl zum Leutnant den Eltern in einem Briefe mit, der in gleicher Weiſe ihn ſelbſt wie unſeren Schüler ehrt. Die freie Bahn iſt für den Tüchtigen eben nirgends mehr als im Kriege eröffnet, und wohl ihm, wenn er einem Vorgeſetzten unterſteht, der mit freiem Blick den Tüchtigen herauszufinden und zu belohnen weiß.

Unſere Schüler und Amtsgenoſſen, die draußen im Felde dem wütenden Anſturm der Feinde mutig und entſchloſſen die Stirn bieten, möge Gottes Hand auch fernerhin gnädig durch alle Fähr⸗ lichkeiten kommender ſchwerer Zeiten hindurch geleiten zum endgiltigen, ruhmreichen Siege!

Und wie unſere Schüler draußen, ſo haben auch unſere Schüler daheim im verfloſſenen Jahre geleiſtet, was die Pflicht gegen das Vaterland und die Schuldigkeit gegen die Tapferen an der Front als etwas Selbſtverſtändliches von ihnen forderte. Daß ihre Schulleiſtungen milder zu be⸗ urteilen ſind als im Frieden, rechtfertigt der Druck der ſchweren Zeit, dem ſelbſt der Erwachſene ſich nur mit ſtarker Willenskraft zu entziehen vermag. Dagegen hat bei der weitaus überwiegen⸗ den Mehrzahl der Krieg ſich als guter Erzieher erwieſen, ihr Gemütsleben vertieft, ihre Gedanken⸗ welt erweitert und ihren Willen geſtärkt. Von einer Verwilderung der Jugend, über die man anderswo oft klagen hört, war nichts zu ſpüren. Und auch körperlich iſt ſie nach unſeren Be⸗ obachtungen, die mit den Unterſuchungen von Arzten an anderen Schulen übereinſtimmen, trotz der Knappheit der Lebensmittel nicht zurückgegangen.

Wie in den beiden vorhergehenden Jahren haben ſich unſere Schüler auch dieſes Mal wieder an den mancherlei Sammlungen für gute Zwecke beteiligt und ihnen freudig und gern ihre Zeit und ihr Geld geopfert. An den Straßen⸗ und Hausſammlungen für deutſche Kriegsgefangene, für unſere Marine, für die Weihnachtsſpende des Roten Kreuzes nahmen die Schüler der oberen Klaſſen nicht weniger teil als an der Volkszählung am 1. Dezember und der Aufnahme der Kar⸗ toffelvorräte am 1. März. Alle insgeſamt ſtifteten während der Reichsbuchwoche für unſere Feld⸗ grauen mehrere Hundert Bücher, ſie brachten 140 Pfd. Altgummi zuſammen, ſammelten Bucheckern, allerdings in nur beſcheidener Menge, Briefmarken und was ſonſt in dieſer Zeit im allgemeinen Intereſſe ſammelnswert erſchien. Die Ablieferung von Goldmünzen an die Reichsbank wurde rüſtig fortgeſetzt und hat bis jetzt die Höhe von 96 028 Mark erreicht, darunter 20 806 Mark ſeit dem 1. Januar 1916.

Unter der Leitung des Herrn Aſſeſſors Braunewell ſpendete groß wie klein entbehrliche Gold⸗ und Silbergegenſtände dem Vaterlandsdank zu gunſten der Nationalſtiftung für die Hinter⸗ bliebenen der im Kriege Gefallenen. Noch ſtärker war die Betätigung für die hieſige Goldankaufs⸗ ſtelle. Sie zahlte bis jetzt an unſere Schüler für abgelieferte Goldſachen nicht weniger als 6 468 Mark 98 Pf. aus. Die zeitraubende und äußerſt gewiſſenhafte Mühewaltung des Herrn Aſſeſſors Braunewell ſoll hier ganz beſonders hervorgehoben und der herzliche Dank der Anſtalt ihm freudig und gern ausgeſprochen werden.

Bei der 5. Kriegsanleihe zeichneten von 363 Schülern 268 insgeſamt 5 375 Mark in Einzel⸗ beträgen von 2, 3 und 10 Mark bis zum Höchſtbetrage von 80 Mark.

Schließlich ſoll der Tätigkeit unſerer Schüler bei den Erntearbeiten, insbeſondere der unſerer Oberprimaner bei den Landwirten zu Ruttershauſen, und der Verſendung von Liebesgaben an unſere früheren Schüler mit Anerkennung gedacht ſein. Unſere Unterprimanerinnen veranſtalteten die Sammlung mit viel Geſchick und wählten die Gaben ſinnig aus.

Während der lehrplanmäßige Unterricht trotz des Krieges dank der Beſetzung ſämtlicher Stellen aufrecht erhalten werden konnte, machte der Krieg ſich dieſen Winter für den Unterrichts⸗