Jahrgang 
1917
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III. Zur Geſchichte der Anſtalt.

1. der Krieg. Zum dritten Male geht während unſeres Verteidigungskampfes gegen eine Übermacht ſkrupelloſer Gegner der Jahresbericht hinaus in einem Augenblicke, in dem die Zukunft dichter denn je mit einem Schleier verhängt iſt, in dem aber alles auf eine nahe Entſcheidung hinzudrängen ſcheint. Unſere bewundernswerten Truppen haben den gewaltigen Maſſen der Ruſſen und dem Höllenfeuer der Engländer und Franzoſen an der Somme mit zäher Ausdauer und einem Mute ohnegleichen ſtand gehalten, der neue hinterliſtige rumäniſche Feind iſt überraſchend ſchnell über den Haufen gerannt, unſer ehrliches Friedensangebot, von echter, wahrer Menſchlich⸗ keit eingegeben, iſt in unglaublicher Verblendung von unſeren Feinden mit Spott und Hohn zurück⸗ gewieſen worden. Nun gilt es für das deutſche Volk, alles, aber auch alles einzuſetzen, um einen der ſchweren Opfer werten Frieden zu erlangen. Unſere unvergleichlichen Unterſeeboote haben, den Vereinigten Staaten von Amerika zum Trotz, in erhöhtem Maße ihre Tätigkeit aufgenommen, unſere Heere ſehen mit zorniger Entſchloſſenheit und herbem Siegerwillen der nächſten Zeit ent⸗ gegen, die über Deutſchlands Zukunft beſtimmen wird.

In ihren Reihen ſtehen von früher her noch drei Mitglieder unſeres Lehrkörpers. Herr Oberlehrer Dr. Gundel, der kürzlich in der Champagne durch einen Granatſplitter, zum Glück nur leicht, verwundet wurde, iſt zum Leutnant befördert und mit dem Eiſernen Kreuze 2. Klaſſe ausgezeichnet worden. Herr Lehramtsaſſeſſor Dr. Kann ſollte auch dieſes Jahr nicht ohne eine, erfreulicher Weiſe nicht ſchwere Verwundung bleiben. Herr Lehramtsaſſeſſor Engel ſteht als Ge⸗ freiter bei einer türkiſchen Batterie im Kaukaſus.

Eine neue Lücke entſtand in unſerem Lehrerkollegium durch die Einberufung des Herrn Zieprecht. Er trat am 5. Januar 1917 in das Heer ein und hat ſich eben mit ſeinen 47 Jahren mit den Anſtrengungen der erſten Ausbildung abzufinden. Dagegen konnten wir Herrn Profeſſor Oßwald bereits Oſtern 1916 und Herrn Profeſſor Urſtadt am 24. Oktober 1916 wieder in unſerer Mitte begrüßen; jener war zuletzt am hieſigen Gefangenenlager, dieſer auf dem Kriegs⸗ ſchauplatze in Galizien tätig. Herr Profeſſor Dr. Molz verſah ſeinen Dienſt bei der Briefüber⸗ wachungsſtelle im Gefangenenlager auch im verfloſſenen Jahre weiter.

Von unſeren Schülern traten im Berichtsjahre Hans Kowarzik(1),Hermann Oßwald(l), Erich Reinewald(1⸗), Adolf Wallenfels(II), Hans Rohe(II*) und Hermann Sievers(II) als Fahnenjunker in das Heer ein; die Oberprimaner Karl Hartmann, Erwin Jäger und Karl Schmidt, ſowie der Unterprimaner Karl Hanau wurden als Wehrpflichtige einberufen.

Unſere früheren Schüler, die bei Ausbruch und während des Krieges dem Rufe unſeres Kaiſers folgten, haben ihre alte Bildungsſtätte nicht vergeſſen und geben ihrer Anhänglichkeit, nicht nur nach dem Empfange von Liebesgaben, in Karten und Briefen oft und dankbar Ausdruck. Mit freudiger Genugtuung dürfen wir feſtſtellen, daß dieſes Jahr der Tod nach keinem von ihnen ſeine Hand ausgeſtreckt hat. Wohl haben verſchiedene von ihnen für das Vaterland geblutet, aber ihre Wunden heilten bald. Zwei ſind in Gefangenſchaft geraten, Werner Gunkel in die ruſſiſche, Otto Helm in die franzöſiſche; einer, Hermann Lotz, wird leider vermißt. Daß alle Landgraf⸗Ludwigs⸗Gymnaſiaſten vor dem Feinde ihr Beſtes einſetzen würden, durften wir bei der hellen Begeiſterung, die ſie beim Ausrücken durchglühte, wohl erwarten. Die Auszeichnungen ¹) und Beförderungen, die ihnen zu teil wurden, haben das beſtätigt. Einer unſerer Jüngſten, Kurt Frey, iſt wegen ſeines tapferen Verhaltens vom Gemeinen ſofort zum Unteroffizier ernannt und

¹) Franz Bauer, Erwin Koch und Georg Krüger erhielten das Eiſerne Kreuz 1. Klaſſe.