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zurückgelangt, in dem es bei seiner Gründung im Jahre 1605 als Pädagogium trilingue und weiter über zwei Jahrhunderte zu ihr gestanden hat.
Es ist ein eignes Zusammentreffen. Ist es doch, als sollte das Gymnasium beim Eintritt in sein viertes Jahrhundert sich wieder darauf besinnen, dass es ursprünglich gestiftet wurde, eine Vorbereitungsstätte zu sein für die Universitas lterarum.
Wie alle anderen Gymnasien Deutschlands hat indes auch unser Gymnasium an seinem Teile sich tapfer bemüht, den Aufgaben gerecht zu werden, die neue Zeiten immer und immer wieder an es gestellt haben, und sein altes Bildungsideal mit den neu gesteckten Zielen zu verknüpfen. Und dass ihnen dies gelungen, dass unsere geistige Entwickelung unter ihrem Einflusse nicht verkümmert ist, sondern mächtige Schritte vorwärts getan hat, des sind Zeuge die grossen Ereignisse des letzten Jahrhunderts, die wir zum Teil ja selbst noch mit erleben durften.
Freilich jetzt, wo der wirtschaftliche Aufschwung unseres Vaterlandes und seine Weltmachtstellung gebieterisch eine vielseitigere Entfaltung geistiger Kräfte verlangen, wäre es ein törichtes Unterfangen, wenn eine Schule allen diesen Anforderungen genügen wollte. Wenn anfangs noch von heimlicher Sorge getragen um die Spaltung Deutschlands in zwei Bildungslager, sient das Gymnasium jetzt neidlos, ja mit innerer Befriedigung neben sich die Realschulen sich machtvoll regen und entfalten; haben sie doch das gleiche Endeiel wie wir, in ihren Schülern den ganzen Menschen zu fassen und ihn auszurüsten für den Dienst des Vaterlandes mit echt nationaler Gesinnung, mit einem starken Willen für alles Gute und mit unbestechlichem Wahrheitssinne.
Nur will und muss das Gymnasium, soll es seine Eigenart nicht aufgeben, stärker betonen als sie, dass eine seiner kräftigsten Wurzeln im klassischen Altertume ruht, und dass es eine seiner vornehmsten Aufgaben darin erblickt, die Fäden aufzuweisen, die alte Kunst und Wissenschaft mit unserer heutigen Bildung verknüpfen. Wie ewigjung aber diese alte Kunst ist, das wird Ihnen selbst die anspruchslose gestrige Aufführung der Antigone, dieses Hohenliedes todesmutiger Pietät, von neuem gezeigt haben.
Altertum, Religiosität und Deutschtum, das sollen, so Oott will, auch in seinem neuen Jahrhundert der Anker sein, an dem sich unser Gymnasium festlegt in ruhiger und bewegter Zeit, auf dass der Mann, der bei der vierten Hundertjahrfeier an meiner Stelle steht, mit derselben Genugtuung in die Vergangenheit zurückblicken und mit ruhiger Zuversicht sein Auge auf die Zukunft richten darf. Das walte Oott!“
Nach diesen Worten trug das Schülerorchester das Andante aus der Symphonie Nr. 1 von L. v. Beethoven vor. Hierauf hielt Herr Professor Dr. August Messer die Festrede über die Geschichte unseres Gymnasiums. Diese wird in erweiteter Form als Beilage zu unserem Jahresberichte ausgegeben und ist mit einigen weiteren Zusätzen in der Zeitschrift „Beiträge zur hessischen Schul- und Universitätsgeschichte« Band I, 3. Heft abgedruckt.
Nach der eine und eine halbe Stunde währenden, vollständig frei gesprochenen Festrede sang der Chor das Lied:„Verleih' uns Frieden gnädiglich.“ Und nun begann die Reihe der Begrüssungen. Zuerst beglückwünschte im Namen Sr. Kgl. Hloheit des Oross- herzogs und der hohen Staatsregierung Herr Ministerialrat Geheimerat Dr. Eisenhuth das Gymnasium mit folgenden Worten:
„»Auf besonderen Allerhöchsten Befehl habe ich die hohe Ehre, dem Gymnasium zu seiner Jubelfeier die Glückwünsche Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs zu überbringen. Es ist im ganzen Hessenlande und, wie ich schon manchmal auf Reisen be-


